Dovers World
  Weihnachten II
 
Shub:
„Natürlich brauche ich keinen Vertrag dafür, du auf billigen Konsum fixierter Fernbedienungs-Mensch, ich brauche für sowas noch nicht mal ein fucking Handy. Ich bin schließlich nicht umsonst Gott. Was wollt ihr, ihr jämmerlichen debilen Sterblichen ?“
 
Lukas:
„Um Gottes Willen, um GOTTES WILLEN ! Ich fasse es nicht !! Bist du es, Shub-Niggurath ?“
 
Shub:
„Nein, ich bin der Osterhase im Weihnachtskostüm, wer sonst. Gähn ! Mach hinne !“
 
Lukas:
„Ähm, also, ich dachte, wir sehen dich !“
 
Shub:
„Das verkraftet ihr Schwächlinge ja nicht ! Wenn mich ein Mensch sieht, dann wird er wahnsinnig und landet schnurschtracks in der Klapsmühle. Weil wir angeblich so häßlich sind, daß man den Anblick nicht verkraftet. Dabei könnt ihr unsere Schönheit nicht ertragen, das ist euer Problem. Und nun : KOMM ENDLICH ZUR SACHE !“
 
Lukas:
„Ich habe im Mayakalender und mithilfe der komplexen Mathematik der Mayas herausgefunden, daß genau heute und genau hier der richtige Zeitpunkt ist um mit dir, großer Shub-Niggurath, zu reden.“
 
Shub:
„Also erstmal zu diesem Mayakalender : Der ist alles andere als verläßlich. Den habt ihr, ihr blöden Menschen geschrieben, nicht wir. Manchmal habt ihr dafür Kontakt mit uns aufgenommen, mal haben wir was richtiges euch auch mitgeteilt, ok, aber wenn wir in Partylaune, gut drauf oder besoffen waren, da haben wir auch mal gerne den letzten Scheiß erzählt. Ich werde mal gleich meinen Assistenten, den Hund von Tindalos rufen, der macht diese Kalendersache und die Termine mit euch Idioten. Und zur angeblich komplexen Maya-Mathematik kann ich nur sagen : Schrott ! Die geben wir den Idioten bei uns als Abendlektüre zu lesen, ich rede von den Ghoulen in der Pilzkaverne. Das ist genau der richtige Stoff für die, damit können die sich beschäftigen, die haben ihren Spaß und für die ist das vielleicht komplex, kapiert ? Aber ich frage mal den Köter, Moment.“
 
(Pause. Gregor hat beide Hände vor sein Gesicht, ist nach vorne gebeugt und schaut Lukas mit weit aufgerissenen Augen an. Lukas bewegt sich unruhig hin und her mit dem Gefühl, etwas falsches gesagt zu haben. Schließlich spricht er gerade mit einer Gottheit, da muss man schon aufpassen was man sagt ! 2 Minuten später erscheint wieder Shub-Nigguraths Stimme)
 
Shub:
„So, bin wieder da. Die Töle hat mir per Telepathie eure langweiligen Biographie mitgeteilt, ich weiß jetzt absolut alles über euch. Und natürlich euer Problem weiß ich auch. Mannomann, diese unnötigen Informationen in meiner Birne, was kann ich denn damit nur anfangen ? Nischt !! Ihr beide seid so uninteressant, unbedeutend und langweilig ! Du willst Tugenden und Ideale von mir lernen, du Schwächling ? Bei euch werden doch die Attribute Trantütigkeit und Humorlosigkeit groß geschrieben, Mann !“
 
Lukas:
„Entschuldige, Meister !“
 
Shub:
„Ich bin NICHT dein fucking Meister, klar ? Wenn ich der wäre, dann würdest du da nicht mit sonem Idioten sitzen und so ein scheiß Bier trinken. Wobei das Budweiser ist schon eins der besseren bei euch Menschen. Staropramen ist auch gut, kommt von den Tschechen. Ansonsten ausser Bier hat ja dieses Volk nischt hervorgebracht, traurig allet ! Dit beste Bier ham aba die Äjüpter jemacht ! Damals vor 4000 Jahren. Hopfen und Malz is do janich dit beste für Bier, is ok, n Pils is in Ordnung, aber die Äjüpter ham die beste „Beer Connection“ auf eurem jämmerlichen Planeten jehabt, do !“
 
Lukas:
„Ja, das Budweiser ist auch mein Lieblingsbier, Mei..ähh, ich meine Shub-Niggurath !“
 
Shub:
„Becks is och jut, Becks och, hab mir, als ich gerade beim Kläffer war, schnell n Kasten Becks jeholt. Keen Bock uff de Tschechische Jesöff gerade, is mir manchmal zu würzig und zu süß, dit Zeuch. Becks is och schön herb und erfrischend. Aus Bremen. ´N juten Fußball-Club haben die och ! Warsteiner, Radeberger, Hasseröder, Erdinger, Schöfferhofer, jaja, kann man auch trinken, (kurze Pause) soo, ich werde meinen letzten Cthonier, so heißt bei uns nämlich das Spitzenbier, jetzt wegpacken. Ich habe heute nämlich noch etwas anderes vor.“
 
Lukas:
„Ohh, danke Gott !“
 
Shub:
„Jaja, du Kreatur, du, laß das mit dem Geschleime und Gewinsel, kann ich nicht leiden, sowas. Kommen wir zur Sache : Gregor hat ein fürchterliches Problem ! Kann einem ja fast schon leid tun. Was ich aber immer nicht so ganz verstehe ist, daß ihr Menschen euch so wichtig nehmt. Ihr lebt doch nur ein paar Jahrzehnte, die wenigsten bringen es auf ein einziges Jahrhundert. Also was soll das ? Dann seid ihr halt mal eine scheiß Gestalt auf diesem langweiligen öden Planeten gewesen. Na und ? Wenn ihr ein paar Milliarden wie ich auf dem Buckel hättet und noch ein paar vor euch hättet, dann würde ich eure Sorgen ja schon eher verstehen.“
 
Lukas:
„Ich weiß, Meister, denn..“
 
Shub:
„ICH HABE dir doch gesagt, daß du damit aufhören sollst, Erbärmlicher !“
 
Lukas:
„Entschuldigung ! Entschuldigung !“
 
Shub:
„Naja, ich nehm mir vielleicht doch noch ein Bier, dann sehe ich das alles nicht so ernst und bin etwas lockerer. Prost ! Also legen wir mal los :
Lieber Gregor,
was schiebst du denn für einen Film, Mann ? Ich meine, ich finde diese ganze Medienlandschaft bei euch ja ganz amüsant, was ihr euch alles ausdenkt ! Ich kann ja dank meiner Fähigkeiten auch schon ein paar Jahre in die Zukunft schauen. Liebe Leute, das wird noch viel lustiger alles bei euch ! Wißt ihr was es in 5 Jahren bei euch geben wird ? Pamesankäse für Zigaretten ! Haha ! Oder ein Zelt von der „Coca Cola Company“, welches so aussieht wie ein Coladose, mit dem man dann beim Sex ständig hin und her rollt. Unglaublich, wa ? Auf so blöde Ideen kommen ja noch nicht mal unsere Ghoule, haha !
Das Ding ist bei dir, Gregor, daß du daß extrem ernst nimmst. Sehr extrem ernst sogar. Der Struppi von Tindalos meinte, daß du in dieser Disziplin ins Guinessbuch der Rekorde rein müsstest. Also, das du denkst, das das Einkaufen von irgendwelchen Konsumgütern auch eine Art Kommunikation ist, weil sich daß dann in irgendwelchen dämlichen Verkaufsstatistiken wiederspiegelt oder dein Geplapper da mit dem Sinatra und dem Twin Tower ! HAHAHA ! Ich meine, diesen Anschlag und den darauffolgenden Krieg hätten wir Götter ohne Probleme verhindern können, klar. Aber ihr dämlichen homo stupidens interessiert uns nicht die Bohne. Seid Jahrhunderten schon nicht mehr. Die letzten, um die wir uns richtig gekümmert haben, waren die Mayas, die haben aber auch Mist gebaut. Die dachten, daß diese scheiß Spanier Götter sind, wir fühlten uns natürlich beleidigt. Diese Verräter !! Daraufhin haben wir dieser Kultur nicht mehr bei gestanden, sie ist dann irgendwann sang und klanglos untergegangen. Seitdem greifen wir da gar nicht mehr ein in euer Welt-Politik-Programm. Aber eine Sache interessiert uns doch noch auf eurem Planeten, ohhja, das ist ja unser Lieblingshobby fast schon geworden, Mannomann. Ich meine wenn eure Welt endlich mal untergeht und ich dann etwas mehr Freizeit wieder habe, dann nehme ich das in Kauf, daß ich das nicht mehr sehen kann auf eurer Erde, es ist wie gesagt nur ein Hobby – aber mein Lieblingshobby ! Und auch das von Cthullu, Tsathoggua, Yog-Sothot, Azathot und wie sie alle heißen.“
 
Gregor:
„Bier trinken etwa ?“
 
Lukas:
„Psssst ! Bist du verrückt ?“
 
Shub:
„RUHE, ihr Sterblichen, die ihr in kürzester Zeit als Knochenüberbleibsel die nächsten Jahrhunderte verbringen könntet ! Für das Bier trinken brauche ich doch nicht eure Welt, Mann !! Ich meine natürlich, wobei, klären wir das schnell mal mit Gregor. (Pause)
Heute ist doch Weihnachten, oder ? Es wird bei euch nicht ohne Grund das Fest der Liebe genannt. Liebe, das bedeutet, dem anderen Menschen etwas gutes zu wollen. Auf die eine oder andere Sache zu verzichten und den Mitmenschen ohne Eigennutzen zu helfen. Wahre Gefühle sind Gefühle, die aus dem Herzen kommen und nicht aus irgendwelchen Einschaltquoten oder Top Ten. Gregor, du warst mal ein ganz ganz anderer Mensch. Besinne dich wieder auf deine alten Tugenden, diese eine Geschichte vor 20 Jahren hat dich ja Lichtjahre aus der Bahn geworfen.
So, damit haben wir das, moment :“Hey, Kläffer, bring mir noch ein Kasten !“
 
(Lukas schaut Gregor lächelnd an. Dieser blickt nervös hin und her und runzelt die Stirn.)
 
Shub:
„Wat denn ? Wat soll ick den mit Foster, Mann ? Ick will intergalaktisches Bier und nicht son Zeuch von irgendwelchen Känguruhhüpfern ! Naja, ejal, jetze erzähl ick mal, moment, ich mach dit Bier uff, dit jeht bei uns Jöttern übgrijens schneller, wir trinken einen Kasten so schnell wie ihr für eine Dose braucht. Schwächlinge !! Ick könnt euch locker untern Tisch saufen, ha ! Wo war ick stehen jeblieben ? Achja, jenau, dit beste, wat es auf eurer Welt jibt. Is unser Lieblingshobby jeworden. Dit hat n Volk entwicklet, die wir schon immer bevorzugt hamn ! Wir haben die schon ordentlich bevorzugt jehabt, bevor die dit Ding erfunden haben, weil wir in die Zukunft schauen können und wußten, die machen irjendwann n janz großet Ding ! Früher waren die Mayas unsere personel heros aber dann waren es die Engländer !! Dit is doch ja nicht so ne große Insel, trotzdem hamwa den jeholfen die beste Seeflotte der Welt zu führen und fast die janze Welt zu erobern. Wat hat die kleene Insel für ein riesijet Imperium jehbat, wa ? Und beim 2. Weltkrieg hamwat verhindert, daß de Nazis uff diese Insel jekommen sind. Verdammt wichtige Musikbands hamwa uff diese Insel entstehen lassen, jedenfalls hamwa dit ordentlich jefördet, dit janze. Daß ihre englische Sprache die Sprache ist, die weltweit jesprochen wird und die wichtigste der Welt seid über hundert Jahren ist, dit haben wa och ermöglicht. Und toll jefunden. Denn, wie jesacht, die ham dit eene Ding erfunden, nur deswegen hamwa euren jämmerlichen Planeten noch nicht ausradiert in unserer Universums-Karte. Dit Ding, wat die Engländer erfunden hamn, wurde erstmal nur uff ihrer Insel praktiziert, aber dann, im letzten Jahrhundert hats die jesamt Welt jepackt, alle Nationen sind seitdem da voll involviert. Dit is die größte Erfindung euerer kläglichen Menscheitsjeschichte, ick rede nicht von der simplen Relativitätstheorie von Einstein oder der Glühbirne von Edison, dit ham wir Jötter allet schon jewußt jehabt, lange vor der Entstehung eures Planeten. Die Erfindung, die ick meene, daruff sind wir Jötter nich jekommen.“
 
Lukas:
„Na das muss ja was unglaubliches sein. Die Gebrüder Wright mit dem ersten Flugzeug ? Oder waren das Amerikaner ? Isaac Newton mit den Grundgesetzen der klassischen Physik ? Oder war das Kopernikus, der das Weltbild des Ptolemäus in Frage stellte ? Aber der war ja Pole glaube ich !“
 
Shub:
„Ick rede von FUßBALL, du Hohlkopp !! Man, wat hat uns Jöttern euer dämliches Gekicke für geile Stunden beschert ! Wir haben dit Planetensystem NGC 137629 in ein riesijet wettbüro umjewandelt, die Menschen, die dort auf diesen Planeten leben, da ist Fußball Religion !! Da jibt es keenen Ehering sondern een kleenen Ball als Ohring zur Trauung. Jede Schulklasse dort muß 11 Schüler haben, nicht mehr und nicht weniger. Die volle Stunde hat bei euch Idioten 60 Minuten, bei denen 90. Jede Stadt hat mindestens een Fußballstadion, da tagt die jeweilije Regierung, mit Trikot, kurzen Hosen und Fußballschuhen wohljemerkt. Und der Bürgermeister trägt schwarz und hat in seiner Hemdtasche rote und gelbe Karten. Und so weiter und so fort. Wir fanden eure Fußball-Idee so geil, da hamwa n janzet Planetensystem so umfunktioniert. Aber bei euch zu schaun macht dit imma noch am meesten Spaß, bei euch isset so „original“, so der Ursprung halt, ihr seid die Quelle. Und die Wetten, die wir Götter da jedesmal abschließen, man, wat wird da immer jezockt !! Wir schauen alle eure Ligen und Turniere auf eurem Planeten. Die Bundeslija och ! Mein Favorit is Werder ! Tsathoggua is Leverkusen. Yog-Sototh is Hertha, Azathot is Schalke. Cthuga is Stuttgart und Hastur is Dortmund. Tja, und Cthullu ? der is FC BAYERN !! Könnt euch ja nich vorstellen, wat da immer los is, Mann !! Da hamwa vor Wut die eine oder andere Galaxie schon vernichtet, also bei mir jeht imma die Bude hoch wenn Werder gegen Bayern spielt, do ! Achso, janz wichtig !! Als die Ligen entstanden sind, da hamwa alle een Schwur abjeleistet : Das wa die Turniere und Ligen NICHT beeinflussen dürfen. Denn dann würde n Götterkrieg wahrscheinlich ausbrechen, dit würde dit Universum sicher nich überleben, schon ja nich eure kleene Milkyway, geschweige denn dit Sonnensystem, wo eure verträumte Erde weilt. Der Fun wär och draussen, denk ick. Aber einfach nur, daß Cthullu, denn dit is schon der mächtigste unter uns, daß der für Bayern is, dit reicht wahrscheinlich schon aus, daß diese Verräter aus München son verdammtet Glück immer hamn !!“
 
(Lukas schaut glücklich auf den Boden und flüstert leise etwas vor sich hin. Gregor schaut nachdenklich auf die Decke. Beide hören dem Gott kein bißchen zu, sie sind mit Gedanken beschäftigt, die ihnen wesentlich wichtiger sind.)
 
Shub:
„Doch, jetze fällt mir aba ein, eenmal hamwa einjegriffen. Dit hamwa aba och abjestimmt, da warn alle och dafür, moment, ick brauch n Kasten Bier wieder. „Töle wo biste ? HEY ?!?!“ (Pause) Herrjot nochmal, wo steckt der Lümmel denn ? Ick ruf ma die blöden Ghoule : „Hey ihr verpennten Nichtspeiler, holt mir nen Kasten Bier, kapiert ? Oder ick lasset ordentlich in eurer dreckigen Pilzkaverne donnern !“ (kurze Pause) Ah, da hör ick wat, da kommt doch wat. Die Ghoule sind übrijens für Unterhachingen. Die wollten sich so bei unserem „Häuptling“ einschleimen. Unterhachingen is seit drei Jahren abjestiegen in die 2. Liga, da jehören se auch hin. Ah, da isset ja, der Kasten. Bayrischet Bier. Erdinger und n Paulaner Kasten. Bier ist dit einzig jute, wat die Bayern jemacht hamn. So, könnt jehn, ihr Pilzköppe von Ghoulen und wenn ick euch nochmal erwische, dassa Flöten aus dem Holz vom großen Garten des Yith schnitzt, dann jibts wat klar ? (Pause) Wo war ick stehen jeblieben ? Achja, eenma hamwa einjegriffen, da hamwa och alle zusammen dafür abjestimmt. Dit Land, welchet diesen genialen Sport entwickelt hat, sollte och eenmal, wenigstens eenmal Weltmeister werden. 1966, dit berühmte „Wembley-Tor“, dit warn wir ! HA ! Weil dit sonst unjerecht wär, hamwa de Deutschen och dit eine oder andere mal ein klitze kleenet bißchen Glück in den darauffolgenden Turnieren jeschenkt, nur janz bissel, mehr nich. Ansonsten hamwa nie wat da interveniert.“
 
Gregor (leise):
„Sag mal, Lukas. Ich interessiere mich kein bißchen für Fußball. Kannst du dem da oben nicht sagen, daß er endlich aufhören soll ?“
 
Lukas:
„Pssst !! Das darfst du nicht sagen. Er ist ein Gott, er bekommt alles mit. Wobei, er ist jetzt betrunken und redet von seinem Lieblingshobby. Da kann es sein, daß er es nicht hört. Aber trotzdem ! Wann kann man schon mal einem Gott zuhören ?“
 
Shub:
„Aber eins der geilsten Dinger war dit WM Endspiel 1986 in Mexiko, Booaah !! Wo Arjentinien Weltmeister wurde. Dit is übrigens och son Ding. Wir sind ja Jötter, die hauptsächlich in Südamerika anjebetet wurden. Und welchet Land is seit über 50 Jahren dit beste Land im Fußball bei euch ? Brasilien ! Und Arjentinien war och schon zweemal janz oben. Is keen Zufall, denke ick. Jetze hat Griechenland die EM jewonnen, ick denke, Zeus, Herakles, Appolon, Hermes und wie se alle heißen gucken jetze och Fußball und drücken ihrer Mannschaft die Daumen. Wir aba sind für Brasilien. Arjentinien is och ok. Spanien hassn wa. Die haben im 16. Jahrhundert unsere Fans, die Mayas, jeklaut. Die spanischen Vereine fassen wa nich an, aber die spanische Nationalmannschaft, der bringen wa janz viel Pech in den Turnieren. Da waren wa alle einig, da könne wa ausnahmsweise och n bissel schummeln, haha. Aber wat ick euch sagn wollte, damals 1986 in Mexiko-City, 80.000 Zuschauer, Deutschland –Argentinien, Finale, dit Stadion warn Hexenkessel, da bebte auch bei uns im Götterpalast allet mit. Da war wat bei uns los, do !“
 
Gregor:
„Ich habe über alles gerade nachgedacht, Lukas. Was ist nur aus mir geworden ? Shub-Niggurath hat recht. Und du auch. Was habe ich denn da für fürchterliche Sachen gesagt ? (kurze Pause) Hast du noch den Marx-Engels-Sketch ?“
 
Lukas:
„Na logo, ich war doch dein Fan. Denn habe ich zu hause. Die beste Stelle war die wo noch Lenin dazu kam.“
 
Gregor:
„Stimmt der kam aber nicht direkt dazu, der hat den beiden eine Wodka-Flasche geschickt, mit nem Spruch drauf, wie hieß der nochmal ?“
 
Lukas:
„Ein richtiger Schuss für den Kotzialismus! hehe.“
 
Shub:
„Arjentinien war ja eindeutich der Favorit, die ham och jut jestartet. Dit 1:0 für die Arjos kam nicht überraschend. Ecke, Toni Schumacher rennt zu weit raus, Jose Brown köpft rein – Tor ! Wat hamwa gejubelt, Mann ! War aber eindeutig Schumachers Fehler, der ansonsten jut jehalten hat in dem Turnier. Ausserdem mocht ick den, der war lustig, n richtiger Egozentriker, dit eine oder andere Foul hatte och begangen und die eine oder andere rote Karte...“
 
Gregor:
„Du erzähltest vorhin, daß du noch Tapes...(bekommt Tränen in den Augen)...daß du noch Tapes von uns, von den „Rainbow Rockers“ hast.“
 
Lukas:
„Ohhja, ich habe mir wie gesagt vor ein paar Wochen einige Tapes angehört. Ich war damals noch nicht ganz so gut auf dem Schlagzeug, hehe, aber trotzdem, es passt. „No way out“ war eins unserer besten Songs, fand ich.“
 
Gregor:
„Wo es um...um...Waldfang ging?“
 
Lukas:
„(lacht) Nein, über Walfang handelte es. Den Text und den Song hast du komponiert. Zusammen mit dem anderen Gitarristen. Thommy.“
 
Gregor:
„Mein Gott, den habe ich doch auch schon eine Ewigkeit nicht mehr gesehen.“
 
Lukas:
„Vor drei Monaten haben wir uns getroffen und die Nummern ausgetauscht. Wenn du willst können wir uns gemeinsam mal treffen, oder ?“
 
Gregor(gerührt):
„Ohhja. Gerne.“
 
Shub:
„Und dann dit 2:0 !! War doch schon eigentlich die Vorentscheidung, Mann. Hat dem Spiel irjendwie die Spannung jenommen, fand ick. Dit war ja schon zweite Halbzeit, wir dachten damals alle, Deutschland jibt uff und wird ne Schießbude für die Argos.“
 
Gregor:
„Diese Fantasy-Rollenspiele waren auch gut. AD&D war unser Spielsystem. Micha war wirklich ein super Spielleiter. Was hat der für Abenteuer sich ausgedacht !“
 
Lukas:
„Weißt du noch das eine Abenteuer ? Es hieß „Die Suche nach dem Basalt-Säulen des Haran-Dor“. Das Rätsel hast du damals gelöst. Mit mir zusammen. Wo wir vor einer Tür standen und sie verschlossen war. Das lateinische Wort „Fortuna“ war da eingeritzt und wir wußten, daß wir in das „u“ dieses Wortes einen Gegenstand reindrücken mußten, den man am Eingang dieses Labyrinths finden konnte...“
 
Gregor:
„...wir fanden aber keinen Gegenstand am Eingang. Wir fanden aber ein Skelett vor der versiegelten Tür, es war mal ein Abenteurer, der diesen Gegenstand, den wir brauchten an sich genommen hatte. Er konnte aber das Rätsel nicht lösen und ist dort verendet.“
 
Lukas:
„Wir haben dann diesen Gegenstand, es war eine Lampe an uns genommen und untersucht.“
 
Gregor:
„Der Henkel der Lampe war das „u“ das wir brauchten. Wir drückten es hinein – und die Tür ging auf.“
 
Shub:
„Flanke Brehme, Rummenigge nimmt an und ? Drin war dit Ding !!! 2:1 ! Wir haben uns schon anjefangen zu unterhalten, einen Kasten nach dem anderen jeleert, dit Spiel hattnwa schon längst abjehackt und dann dieser Rummenigge ! Sofort hamwa uns alle hinjesetzt und nur noch jekickt. Und jeglotzt. Und die Daumen hamwa jedrückt ! Die Ghoule ham sich einjemischt, wollten, daß wa den Arjos helfen. Dit würde jegen unsren Ehrenkodex verstoßen, hamwa den jesacht und die in ne Begräbniskammer einjesperrt.“
 
Gregor:
„Und dann noch unsere Zeitschrift ! „Zukunftswerkstatt“ ! (fängt an zu weinen)“
 
Lukas:
„Du warst Chefredakteur, hehe. War ja auch deine Idee, du hast die Zeitung ins Leben gerufen. Ich habe mich mit den geschichtlichen Themen beschäftigt, vor allem Südamerika und Asien. Du hast dich hauptsächlich um Politik und Philosophie gekümmert. Bei der Musik-Fraktion warst du aber auch drin. Wie viel Leserbriefe wir nach ein paar Wochen schon bekommen haben, klasse. Auch Comics, Sketche und „Weltverbessungsvorschläge“ haben wir verfasst, hehe.“
 
Shub:
„Wieder Ecke. Deutschland. War schon 78. Minute. Die Deutschen merkten, da jeht noch wat ! Förster schießt die Ecke, Völler köpft und ? TOR !! War dat n Ding ! 2:2 !! Allet wieder offen ! Puhh, mann, da war in unserem Tempel wat los, do ! Völler warn juter Mann, muss ick ihm lassen, der Ball, den er jeköpft hat, war unhaltbar, der Ball ging in die Ecke rechts oben. Wir waren alle Muxmäuschenstill, keener hat wat jesacht, dit war Hochspannung pur jetze. Leider kam unsre Mutti, Ixmucane, die wollte, daß wir in der Philius-Galaxie uffräumen. „Können wa nich, Mutti, wir müssen ditte jetze kucken, is wichtiger jetze“ !“
 
Lukas:
„Und deine Artikel über Sokrates und Ademeintos. Wo du deine eigenen Interpretationen geschrieben hattest über das Buch von Platon, „Der Staat“.“
 
Gregor:
„Oder weißt du noch deinen Bericht über die Drachen-Mythologie der Chinesen ? Der gelbe Drache war ein Zeichen für Einsamkeit und der blaue kündigte ein tolles Ereignis und einen schönen Frühling an. Zwei Wochen nachdem du ihn geschrieben hattest bist du eines Abends mit dem Fahrrad nach Hause gefahren und auf der Strasse lag ein blauer Drache zum Drachensteigen. Ein paar Wochen später bist du dann mit deiner Nathalie zusammen gekommen, von der du lange Zeit geträumt hattest. Der darauffolgende Frühling war einer deiner schönsten in deinem Leben. Weißt du noch ?“
 
Lukas(verträumt und glücklich):
„Ohhja, das war sehr schön.“
 
Shub:
„86. Spielminute. In unserem Tempel ward Muxmäuschenstill. Wir standen alle, fiebernd, zitternd, Yog-Sototh konnte ja nich mehr hinschauen, Azathot hatte zwei Minuten vorher einen Schwächeanfall bekommen und Tsathoggua musste sich schon übergeben. Dann kam dit Ding, do !! Der beste Spieler in den 80ern, keine Frage, dit konnte der, aber per excellance. Ick rede von Diego Armando Maradonna. Der hat einen Pass jemacht, sowat jehört in eure Geschichtsbücher auf dem Cover, nich dieser bekloppte trantütige Einstein oder Nelson Wandela oder wie diese Trantüte hieß oder heißt oder lebt der noch ? Is mia doch ejal, jedenfalls hat Maradonna einen 20meter-Pass jemacht, genau durch die deutsche Mannschaft – genau zu Burruchaga ! Der rannte mutterseelenallein auf Schumacher und machte das Ding rein. Schumacher hätte den Ball fast jehabt, aber für Burruchaga war dit keen Problem. 3:2. Für so ein genialen Pass durch die Mitte braucht man ein Adlerauge, jenau dit hat Maradonna jehabt. Mann, dit war n Erlebnis, hamwa jebrüllt und jejubelt, die Philius-Galaxie ist dabei explodiert, sowat passiert bei uns manchmal. War aber nich so schlimm, da existierte sowieso keen Leben. Nachdem Spiel hamwa schnell ne neue erschaffen, Mutti is dit nich uffjefallen, die hat da mal nich so richtich hinjeschaut. Die Deutschen jedenfalls lagen nach dem 3:2 nur noch auf dem Boden, dit Ding war jelaufen. Danke Maradonna, danke für diesen Abend ! Wenn de tot bist, hier bei uns kriegste deinen Platz, na logo ! Hier kannste och soviel koksen wie de willst, wir haben dit beste Zeuch hier !“
 
(Gregor wischt sich die Tränen aus dem Gesicht. Lukas zündet sich eine Zigarette an.)
 
Gregor:
„Sag mal wie lange geht das noch ? Es kann doch nicht sein, daß das einen Gott so sehr interessiert, dieses scheiß Fußball, oder?“
 
Lukas:
„Jedem das seine. Neben den täglichen Aufräumarbeiten in irgendwelchen Sonnensystemen und Terminen mit uns Menschen, da kann ich das verstehen, daß die Götter eine amüsante Abwechslung brauchen.“
 
Shub:
„Leute, ick muss jehn. Der Kläffer von Tindalos hat mir jerade jesacht, daß ick jetze noch n Termin in Italien habe. Wißta wat ick denen erzähle ? Dit WM-Endspiel 1994 Brasilien-Italien, wo die Pizzafresser im Elferkrimi verloren haben ! HAHAHA !! Roberto Baggio, ihr „Superstar“ hat den entscheidenden Elfer verschossen, Ha !! Uff Wiederhörn, Germany !“
 
Lukas:
„Ciao !“
 
Gregor:
„Mach es gut, Shub !“
 
(Lukas und Gregor schauen sich eine Weile an. Die Musik-CD geht mit einem Trommelschlag zu Ende. Das Licht geht wieder an. Ins Cafe kommt die Kellnerin mit einer Flasche geeilt und geht auf die beiden zu.)
 
Kellnerin:
„Wieso ist es denn so leer ? Wo ist denn Gordon ? Habt ihr ihn gesehen ?“
 
Lukas:
„Nein, ich weiß nicht, wo...“
 
(Auf einmal kommt von den hinteren Räumen ein Mann mit Locken zur Theke geeilt.)
 
Kellnerin:
„Wo warst du denn, Gordon ?“
 
Gordon:
„Entschuldige, Carla, aber hier waren keine Gäste mehr so richtig und ich wollte noch das Ende vom Film „Die Geister, die ich rief“ sehen.“
 
Lukas:
„Wir haben aufgepasst, hier war niemand ausser uns. Er war auch nur kurz weg. Ich habe lediglich die CD gewechselt.“
 
Kellnerin:
„Ich habe Ihnen die Flasche gebracht, lieber Herr, den „Chataeu de valeian cinque“. Leider hatten wir ihn nicht mehr vorrätig, den bestellt sonst niemand hier, ich musste kurz zu einem Winzer nach Charlottenburg flitzen, ein anderer hatte nicht offen und ihn da und...“
 
Gregor(unterbricht):
„Lassen Sie das, ich brauche den Wein nicht. Trinken Sie ihn selber, ich schenke den Ihnen. Als Weihnachtsgeschenk sozusagen. Hier das Geld (gibt ihr 200euro).“
 
(Die Kellnerin bedankt mehrfach und ist glücklich, Gregor zeiht sich an und Lukas steht auf um seine CD zu holen. Er macht den CD-Player auf und will die CD nehmen. Er schaut sie sich kurz an und traut seinen Augen nicht. Er bekommt feuchte Tränen in den Augen, macht die CD sofort wieder rein und drückt auf play. Die Aufschrift der CD lautete „The Best of The Rainbow Rockers – Recorded by Shub-Niggurath.“ )
 
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