„Einen schönen guten Tag, ich möchte Ihnen von meinen Abenteuern in Berlin erzählen. Denken Sie ja nicht, daß ich Ihnen jetzt von einer Butterfahrt mit Senioren erzähle, in Berlin kann man richtig was erleben.
Ich kannte Ihn, den guten alten Captain Cook. Er ist mein großes Vorbild auf meinen Reisen gewesen. Einmal, da beschenkte er mich mit einem gläsernen Gehänge und einem Beil. Diese zwei Geschenke trage ich bei meinen Reisen immer mit mir.
Es war letzten Freitag, als ich aufbrach nach Tegel, in den Norden Berlins. In der U-Bahn wurde ich kontrolliert von einem eigenartigen Fahrkartenkontrolleur. Seine Füße waren fleischfarben und ungefähr von der Farbe seines Schnabels. Er sah aus wie ein Vogel. Für die Größe eines Vogels waren seine Füße ziemlich lang und stark. Er ist verwandt mit den Honigfängern, sagte er mir als ich ihn fragte wo er herkomme. Zum Glück hatte ich einen Fahrausweis, bei einem anderen Fahrgast, der keines hatte, schnappte er mit seinem Schnabel zu.
Am Bahnhof angekommen stieg ich aus und ging die Treppe hoch. Oben angekommen sah ich einen Bettler, der eine selbst gebaute Angel in eine Pfütze hielt. Neben seinen Füßen war ein Schild mit der Aufschrift : „Ich bin nicht faul, ich arbeite als Fischer. Leider beißt keiner an, deswegen geben Sie mir doch ein bißchen Geld, Danke.“
An der Ecke Berliner Straße / Karolinenstraße traf ich eine Frau mit einem Kinderwagen. Sie sagte : „ Tag einen Guten, können Sie mir sagen wo ich zum Zeitung eine Lesen hier kaufen kann? Heute kommt im Marienhof der Fernseher und ich verpasse sie nicht möchten.“ Ich erwiderte, daß ich sie nicht verstehe und ihr nicht helfen kann.
Ich blieb an einem Radweg stehen, denn da stand ein Fahrrad-Taxi. Ich sagte ihm, daß ich zum Tegeler See möchte, Captain Cook erwarte mich mit seiner Barke. Der Radfahrer nahm mich mit und erzählte mir, daß Tegel das erste mal in der Bronzezeit besiedelt wurde. In der Silberzeit wurde das Rathaus errichtet und in der Goldzeit wurde die Bronze ausgegraben und verkauft oder ins Museum gepackt. Er wohne wohl in der alten Dorfaue in Alt-Tegel, da soll es die einzigste Diskothek für Rentner in Berlin geben. Die berühmten ‚Rolling Stones‘ sollen vor kurzem da ein Konzert gegeben haben.
Am Tegeler See angekommen, sah ich schon die stolze Barke des Captain Cook. Er saß neben einem Gebäude. Dieses hatte er und seine Gehilfen Fetefi und Finau erbaut. Es war ein Heiligtum, ein viereckiger Tempel aus Holz. Die Wände waren mit Blättern, Gras und Schokoladenverpackungen, die sie beim Arbeiten gegessen hatten, ausgefüllt. Das ganze Dach war mit Kokosblättern bedeckt, die in tausend verschiedenen Farben glänzten und leuchteten, und oben auf dem Dachfirst stand ein Pinguin mit...Wie, liebe Leser, Sie glauben mir nicht? Kokosblätter in Berlin gibt es nicht? So lange Captain Cook in Berlin ist gibt es hier auch rosafarbene Braunbären, die auf drei Füßen stehen und aus einer Platane eine Dampfmaschine mit Hybridantrieb bauen können.
Ich wollte gleich mit Cook auf die Barke steigen, er nahm mich aber zur Seite und flüsterte mir zu :“Sei nicht so laut, wir müssen vorsichtig sein, hier gibt es viele Gefahren...das Teufelspack, es fragt nach keiner Regel, wir sind so klug und dennoch spukt es in Tegel.“
Wir gingen auf das Schiff und fuhren den Tegleler Fließ entlang, ein sehr windungsreicher Fluß. Von der Vogelperspektive aus sieht dieser Fluß aus wie eine Schrift, wie das Wort ‚Sorry‘. Wahrscheinlich wollte sich der Große Schöpfer dafür entschuldigen, daß dieser Fluß etwas zu klein für Cook´s Barke erschaffen ist. Der gute Captain hatte so seine Probleme bei dem Tegeler Fließ. Nach einer Zeit gelangten wir endlich an den Tegeler See.
Wir segelten auf dem Tegeler See, da stießen wir auf eine kleine Fregatte mit portugiesischer Flagge. Wir fragten den dortigen Kapitän, was er hier mache. Er meinte, er warte auf ein chinesisches Schiff, das solle ihm Kunstartefakte liefern. Er, der irischer Abstammung war, sagte, er will dafür für die Chinesen mit in Berlin gefangenen Walfischen versorgen. Es gibt so alles mögliche in Berlin, aber Walfische habe er hier noch nicht gesehen, meinte Cook. Der Portugiese meinte, die Walfische seien genmanipulierte Tiere, die Flügel hätten und vom Pazifik nach Berlin geflogen seien. Auf einmal heulten seine Matrosen, die alle Hunde waren, laut auf. Der Chinese kam.
Das Schiff des Chinesen sah aus wie eine Brücke und oben rannten dauernd Leute auf einem Fließband, so wurde es scheinbar angetrieben. Am Fuße des linken Brückenpfeiler saß der chinesische Kapitän mit einem kleinen Gegenstand in der Hand. Es war ein Salzstreuer mit einem Bild der griechischen Insel Rhodos. Der Portugiese beschwerte sich, das sei für die Wale viel zu wenig. Der Chinese schüttelte mit einem selbstbewußtem Lächeln den Kopf und schraubte den Salzstreuer auf. Und in dem Salzstreuer war wieder ein Salzstreuer, etwas kleiner, mit einem Bild der Insel Malta. Der Chinese behauptete, das gehe so weiter, alle größeren Inseln der Welt seien darin vertreten und der letzte Salzstreuer sei so klein wie ein Salzkörnchen. Insgesamt 139 Salzstreuer seien es, hohe Kunst sei es gewesen das herzustellen.
Mit einem Murren nahm der Portugiese das Angebot an und gab dem Chinesen einen großen geschlossenen Eimer mit Fischen. Das sind doch keine Wale, beschwerte sich der Chinese. Das seien Berliner Babywale log der Portugiese. Der Chinese öffnete den Eimer und einige der Fische flogen heraus. Er fing diese Fische wieder ein und verschloß den Eimer. Captain Cook fragte den Chinesen ob er auch so einen Fisch haben könne. Der Chinese sagte: „Erst wenn ihr mir die alte Jagdflinte der preußischen Kurfürsten besorgt. Sie pflegten mit ihr im Tegeler Forst zu jagen. Sie soll irgendwo im Ehrenpfortenberg vergraben sein.“
„Was soll so besonderes an dieser Flinte sein?“ fragte Cook.
„Man kann auf ihr reiten, man kann mit ihr fliegen wie auf einem Hexenbesen“ sagte der Chinese. Captain Cook, der Portugiese und der Chinese verabschiedeten sich. Danach sah ich Cook, wie er nachdenklich an der Reling seiner Barke stand und in das Wasser blickte. Ich fragte ihn, ob wir diese Flinte suchen sollten. Er bejahte und sagte, daß er die Flinte behalten will und sie nicht dem Chinesen für einen fliegenden Fisch geben möchte. Wir verließen die Barke und gingen zum Tegeler Forst.
Am Ehrenpfortenberg angekommen sahen wir einen jüngeren Mann, der behauptete seit 300 Jahren auf Wanderschaft zu sein. Er finde keine Arbeitsstelle für seinen erlernten Beruf. Er hat das Gürtlerhandwerk erlernt. Aber statt dessen mußte er schon als Rotgießer, als Vergolder, als Schwertfeger und in einer Zuckersiederei arbeiten. Er fragte uns ob wir ihn als Gürtler anstellen könnten. Cook wollte wissen wie es komme, daß er 300 Jahre auf Wanderschaft und trotzdem noch so jung sei. Da holte er ein Pergament raus, es war ein Vertrag mit dem Teufel. Er hat ihm seine Seele versprochen, wenn er sterbe. Dafür soll er unsterblich sein. Da hat der junge Mann den Teufel ausgetrickst, denn wenn er unsterblich ist, dann stirbt er nie und dann muß er dem Teufel auch nie seine Seele geben. Nachdem Cook das Pergament angesehen hatte packte es der junge Mann wieder stolz ein. Ich fragte ihn ob er wisse wo hier eine Jagdflinte vergraben seien könnte. Er überlegte kurz und sprach: „Ich weiß nicht wo sie sein könnte aber geht dort drüben zur alten Hütte, da wohnt eine alte Hexe. Die könnt ihr fragen, die kennt sich hier aus. Aber fragt erst wenn es spät am Abend ist. Sie muß immer tagsüber ihren Rausch ausschlafen.“ Wir bedankten uns und gingen zur Hütte.
Da es noch Tag war mußten wir warten. Wir trafen zwei Frösche die mit uns ein Münzspiel spielen wollten. Es wurde ein Stein geworfen und der, der seine Münze dem Stein am nächsten zuwarf, der hat gewonnen. Wir warfen unsere Münzen und dann waren die Frösche dran. Doch die sprangen zu unseren Münzen, schluckten sie und sangen :“Reingelegt, reingelegt!“ Daraufhin sprangen sie mit ihrer Beute weg und verschwanden. Cook ärgerte sich, er hat extra Zwei-Euro-Münzen genommen, da sie mehr Gewicht haben und man sie besser werfen kann. Er hat sogar noch eine Sonderregel von den Fröschen zugesprochen bekommen, er darf soviel Münzen werfen und so lange probieren wie er will. Das haben ihm die Frösche vorgeschlagen, weil sie meinten es wäre sonst ungerecht, da sie viel Übung in dem Spiel haben, weil sie es jeden Tag stundenlang spielen. Deswegen ist also viel Zeit verstrichen, und es war schon spät am Abend.
Wir gingen zur Hütte und ich klopfte ganz vorsichtig. Ich lehnte mein Ohr an die Tür und hörte ein krächzendes Schnarchen. Von dem Spiel mit den Fröschen sichtlich gereizt hämmerte Cook laut an die Tür und rief: „Aufmachen! Wir suchen die Jagdflinte der preußischen Kurfürsten, man soll auf ihr fliegen können!“ Da hörte das Schnarchen auf und wir hörten Schritte. Die Tür wurde geöffnet und eine lange Nase lugte heraus. „Sie ist weggeflogen, sie müßte aber jeden Moment zurückkommen.“ „Wo ist sie?“ „Sie ist in Hennigsdorf, sie sorgt in dem alten Fischerdorf dafür, daß alle Angst vor mir haben. Die Flinte kann nicht sprechen und alle denken, daß sie ein verhexter Gegenstand von mir ist. Dabei habe ich gar keinen Einfluß darauf, die Flinte macht was ihr gefällt. Entschuldigt bitte, vielmals, aber ich will noch etwas schlafen. Danke.“ Die harmlose Hexe schloß die Tür und wir hörten nach einer kurzen Zeit wieder ihr Schnarchen.
Nach einer kurzen Zeit hörten wir ein Rauschen immer näher kommen, es war die fliegende Jagdflinte. Sie näherte sich der Hütte und flog in den Schornstein rein. Drinnen hörten wir ein lautes Getöse. Die Hexe öffnete die Tür und sprang keuchend zu uns. „Die Flinte muß sich beruhigen, immer ist sie so böse und jagt mich aus dem Bett. Ich wünschte manchmal, sie würde mich gar nicht kennen.“ Cook fragte sie, ob wir nicht die Flinte an uns nehmen könnten. „Dann haben die Leute im Fischerdorf aber keine Angst mehr vor mir und geben mir nicht das Geld und das Essen was ich immer von ihnen bekomme.“, sagte die alte Hexe.
Da bekam ich eine Idee, ich sagte dem Captain, daß er der Hexe von seinem Abenteuer mit den Schildkröten auf den Societäts-Inseln erzählen soll. Er war erst verwundert, doch dann begann er zu erzählen, denn er liebt diese Geschichte so sehr. Und es kam das was ich gehofft hatte: Die Hexe begann auf den Boden zu sinken und schlief ein. Mir wurde auch ganz schwindlig und müde zu Mute , doch ich konnte mich noch zusammenreißen und ich machte einen Trick : Ich hörte Cook gar nicht richtig zu, ich summte ein leises Lied um mich abzulenken. Jetzt wird sich der Leser fragen, wie kann das passieren, der Captain erzählt doch bloß ein Abenteuer mit Schildkröten?
Ich will auf keinen Fall dieses Abenteuer auf den Societäts-Inseln erzählen, der Leser würde umfallen und einschlafen. Nur so viel sei gesagt : Captain Cook erzählt ganz ausführlich, wie er sehr sorgfältig 25 Schildkröten über einen Bach getragen hat, jede Schildkröte einzeln. Erst nimmt er die linke Pfote der ersten Schildkröte, dreht sie leicht um zu schauen, ob sie verletzt ist, dann hebt er sie etwas hoch, dann schaut er ob er versehentlich die Schildkröte links von ihm aus Versehen berührt, und er schaut auch ob er die Schildkröte rechts von ihm versehentlich mit seinem Fuß berührt, dann nimmt er die rechte Pfote dieser ersten Schildkröte, dreht sie leicht um zu schauen, ob sie verletzt ist, dann hebt er sie etwas hoch usw. Und das alles erzählt er in der Geschwindigkeit wie sich eine Schildkröte bewegt. Da es 25 Schildkröten gewesen sind erzählt er das alles 25mal.
Ich habe den Captain mal gefragt, warum er dieses Abenteur so gerne erzählt (und warum er nicht dabei müde wird). Er sagt, daß dieses Abenteuer alle Schildkröten einzeln über den Bach zu bringen eine Meisterleistung der Konzentration und Geduld gewesen ist. Damit mag er sogar Recht haben.
Die Hexe war nun eingeschlafen und wir gingen in ihre Hütte rein. Vor dem Kamin lag die magische Flinte, sie lag bewegungslos da. Cook nahm sie und setzte sich auf ihr. Doch ich wollte mich auch auf sie setzen, aber beide paßten wir nicht rauf. Da bekam ich eine Idee : Ich nahm mein Beil, welches ich immer dabei habe, und zerteilte die Flinte. Dann nahm ich das gläserne Gehänge von Captain Cook und verband die zwei Teile der Flinte. Nun war sie länger und wir beide paßten auf ihr. Wir füllten die Flinte mit Schießpulver, welches in einer Kiste in der Hütte lag und setzten uns auf sie.
Und dann geschah es, die Flinte bewegte sich, hob ab und wir flogen aus der Hütte. Hoch in der Luft konnten wir den gesamten Tegeler Forst überblicken. Ich fragte den Capatain wo wir hinfliegen wollen. Er meinte :“Laßt uns zu der Schildkröteninsel fliegen. Danke, daß du mich vorhin an die Geschichte erinnert hast. Ich will sehen wie es ihnen geht. Vielleicht wollen die ja wieder über den Bach.“
Ich schrie laut „NEIN“ und wir verschwanden mit einem Rauschen in den dunklen Abendhimmel.