Doris:
„ Hallo liebe Tänzerinnen und Tänzer, mein Name ist Doris Baltari, ich möchte mich vielmals für den Kauf dieser Videokassette „Tänze selber gemacht!“ bedanken. Ich versichere Ihnen, der Kauf dieses Kurses wird sich für Sie auf alle Fälle lohnen ! Diese Übungen sind sowohl für Einsteiger als auch für Fortgeschrittene gedacht. Letztere können ruhig einige Minuten vorspulen, ich will jetzt erst mal für die Beginner einige essentiellen Grundlagen vorführen.“
Doris:
„Beginnen wir mit der Lektion 1, die sich mit der Position der Arme beschäftigt : Wir stellen uns vor, wir halten einen Korb mit schönen Blumen, aber etwas tiefer, so...“
Sie hält ihre Arme ausgestreckt geschlossen vor sich im Hüftebereich.
Doris:
„Dies ist die „Vorbereitende Position“. Die darauffolgende Position, genannt „Port de bras“, ist eine Fortführung, wir stellen uns vor, wir heben den Korb auf Brusthöhe. Etwa so !“
Sie hält die Arme genauso wie oben beschrieben, nur jetzt in Brusthöhe.
Doris:
„Die Steigerung davon ist dann die „Grand Port de bras“, hierbei stellen wir uns vor, unsere Zuschauer werfen uns GANZ viele Blumen in den Korb. Da die alle nicht in den Korb hineinpassen, muss der Korb automatisch größer werden. Und er wird es auch. Bei der dritten Position stellen wir uns also vor, wir halten einen riesengroßen Korb in den Armen, auf Brusthöhe, stellen Sie es sich ruhig so vor, liebe Damen und Herren, dass Sie den Korb gar nicht mehr halten können, soooo groß ist der.“
Jetzt streckt sie ihre Arme noch weiter aus, ihre Hände berühren sich nicht mehr.
Doris:
„Und die letzte Position „Temps lie“ ist die Auflösung der ersten Lektion, wir verwandeln uns in eine solche Blume und stellen uns vor, dass wir in diesen Korb hineingeworfen werden...und zu Boden sinken.“
Sie dreht sich leicht nach rechts, ihre Arme sind an ihrem Körper und ihre Beine knicken ein. Sie gleitet langsam zu Boden.
Doris:
„Aber bevor wir völlig zu Boden fallen, bitte achten Sie darauf, müssen wir jetzt auch mit den Füßlein ein Wechselspiel treiben, ein Wechselspiel zwischen dem bekannten „Echappe auf Spitze“ und dem „Glissade auf Spitze“.....Ich führe es Ihnen noch mal komplett vor.“
Man sieht jetzt ihre Füße zum Boden gleitend. Wie der linke Fuß kurz mit den Zehen und mit der Ferse jeweils zweimal vor dem rechten Fuß den Boden „antippt“. Danach wird der komplette Bewegungsablauf noch mal von ihr gezeigt.
Doris:
„So,da wir das jetzt haben, können wir zur Körperhaltung übergehen, zur Lektion 2, die im Fachterminus „Toures de chaines“ genannt wird. Hier kommt jetzt endlich das Beinchen ins Spiel, wir heben dieses ganz vorsichtig, bis wir einen Winkel von etwa 90° haben. Wir TänzerInnen sprechen hier aber von dem berüchtigten „Attitude“, vergessen Sie die 90°, die Winkelangaben sind hier viel zu ungenau und treffen nicht den eigentlichen Kern.“
Man sieht, wie Doris das rechte Bein hebt. Der Ober –und der Unterschenkel bilden einen Winkel von 90°. Danach senkt sie ihr Bein und steht mit den Armen gestützt auf ihrer Hüfte und erzählt weiter.
Doris:
„Jose Dimonaque begann fast alle seine wichtigen Tänze mit dieser angewinkelten Haltung, ja, wir haben alle noch seine „Missa Longa“ im Kopf, wo er es tatsächlich schaffte, gesamte 7 Minuten, ohne abzusetzen, sein rechtes Bein in der Luft zu halten. Als ich dies sah, taten mir danach die Beine enorm weh, ich musste kurz aufstehen. Das sind aber Tricks der Meister, liebe Tänzerinnen und Tänzer, nehmen Sie sich nicht gleich zu viel für den Anfang vor. Ich wollte Ihnen nur einen kurzen Einblick geben, inwieweit man nur mit einer auf den ersten Blick ziemlich simpel wirkenden Bewegung enorm viel beim Publikum erreichen kann.“
Doris:
„Anschließend bietet sich die „Developpe croise“ an, man könnte aber natürlich auch mit der „Attitude effacee“ antworten, die, im Gegensatz zu der Croise-Variante, einen eher defensiven Charakter hat. Hier sehen Sie schon, wie wichtig es ist, ein Skript zu verfassen und sich genau im Klaren zu sein, was man mit seinen Bewegungen beim Publikum bewirken will. Aber dazu später, wenn dann auch die Semi-Professionellen sich unter uns mischen, ein wenig können diese schon noch vorspulen ! Jetzt MUSS egal, welchen Schritte wir vorhin genommen haben, der „Grand plie“ kommen. Um diesen leichter zu realisieren, stellen wir uns wieder vor, wir halten diesen schönen Korb zwischen den Armen, den kleinen aber vom Anfang. Aber jetzt sind die Zuschauer nicht so sehr zufrieden und werfen dauernd schwere Gegenstände in den Korb und wir SINKEN zu Boden.“
Doris hält wieder die Arme ausgestreckt vor sich, ihre Fingerspitzen der beiden Hände berühren sich und ihr Bein ist im rechten Winkel angehoben. Ihre Arme sinken und sie lässt sich zu Boden gleiten.
Doris:
„Dies habe ich bewusst so beschrieben, denn, liebe Zuchauer, damit müssen Sie leben können, dass Ihr eigens entworfener Tanz von der Allgemeinheit nicht unbedingt akzeptiert werden kann, dieses Gefühl kenne ich nur zu gut.“
Sie steht wieder auf und erzählt.
Doris:
„Wir kennen alle den „Chasse“. Damals in Frankreich war es als Tänzer eine Pflicht, diesen Tanzsprung perfekt und haargenau auszuführen, wie er in den Lehrbüchern der großen Meister wie Charles de Heidemann oder George Bell erläutert wurde. Der damals schon der Tanz-Szene viel weiter entwickelte Sammy Daniels entwarf den „demi-Chasse“, eine zu der Zeit sehr innovative Variante des alten „Chasse“, indem noch zusätzlich zu diesem üblichen Tanzsprung noch das rechte Bein sehr hoch eingebogen wird, wobei die Spitze des rechten Fußes am Knie des linken Beins sein muss...ungefähr so.“
Nun sieht man sie wieder ganz und zwar von der Seite. Sie hebt ihre Arme etwas hoch und springt nach vorne. Das rechte Bein ist dabei schräg angewinkelt, so, daß die Ferse vom rechten Fuß das linke Knie berührt. Danach sieht man sie wieder in die Kamera schauen mit verschränkten Armen.
Doris:
„Und das ist der heutige „Chasse“, nur so kennen wir ihn heute, viele vergessen die unglaubliche Pionierarbeit des Schotten und die barsche Kritik, die dieser ertragen musste. Nach seinem Tod erst wurde dieser „demi-Chasse“ zum heutigen „Chasse“ standardisiert.“
Jetzt geht Doris wieder etwas Richtung Leinwand.
Doris:
„Dies, genau dies müssen wir immer im Kopf haben, dann können wir auch die letzte Bewegung mit einer Leichtigkeit praktizieren, welche wir gerade in diesem Moment brauchen. Wir stellen uns ganz einfach vor, der Korb mit diesen ungeheuer schweren Gegenständen kann uns nichts anhaben, wir lassen ihn erleichtert fallen, heben uns schlagartig und befreit empor und beenden diese Bewegung mit einer als „Releve“ bezeichneten Drehbewegung. Die so aussieht.“
Die Arme von Doris berühren sich nicht mehr, sie gehen weit auseinander und sie geht kurz leicht in die Hocke. Dann springt sie nach oben. Mit dem angewinkelten Bein. Wenn sie wieder auf den Boden kommt, dreht sie sich einmal und geht gleichzeitig in die Knie.
Doris:
„Wobei hier auch die „Preparation“ eingesetzt werden darf, der Kreativität sind hier keine Grenzen gesetzt. Sie sieht genauso aus, nur dass der vordere Oberschenkel im Gegensatz zum hinteren Oberschenkel ruhig gehalten wird, im Fachjargon sprechen wir von einer „sur le cou-de-pied“.“
Doris:
„Dies darf hier aber selbstverständlich nicht überbewertet werden, wenn Sie aber professionelle Ambitionen haben, könnte es später von bedeutender Wichtigkeit sein. Diese soeben letzte Bewegung, welche unsere zweite Lektion abschließen soll, wurde von dem Russen Alexis Nikolais Makrodow als „Pas glissade“ getauft, dem geistigen Vater dieser und anderen Spezialitäten !“
Doris:
„Damit haben Sie einen kleinen Einblick bekommen, wie ein kurzer Bewegungsablauf des modernen Tanzes aussehen kann. Ich begrüße soeben auch die Fortgeschrittenen, die sich spätestens jetzt auch eingeklinkt haben ! Kommen wir nun also zum kreativen Teil, zum eigentlichen Komponieren eines Tanzes !
Nehmen wir als Grundlage unseres Entwurfs ruhig den vorhin vorgeführten „Port de bras“. Was würde denn passieren, wenn wir, statt einen Korb zu halten, zwei Vasen halten würden ? Diese zwei Vasen würden wir aber so halten, Moment...“
Sie hält ihre Arme etwas vom Körper weg, sie ist etwas gebeugt. Die Handflächen sind angewinkelt vom Körper weg.
Doris:
„Also so, dass wir die Handflächen horizontal um 180°, also um eine „Doppel-Attitude“, drehen und noch weiter vom Körper weg bewegen würden. Üben Sie diese Stellung ruhig einige Male, keine Bange, ich hatte am Anfang auch ziemliches Lampenfieber, das ist ganz normal !“
Doris:
„Ein exzellent choreographisches Werk muss mit einem gewissen Maße an Selbstsicherheit vorgeführt werden, dann erlangt es allein deswegen schon an Überzeugungskraft ! Genau darum konnten sich gewisse Tänzer, die diesen Leitsatz zu einer ihrer Grundsätze machten, genau deswegen konnten sie sich ganze Schlösser in Spanien bauen, mit Hollywood-Swimmingpools und allem drum und dran. Man darf seinen eigenen Werken auf gar keinen Fall mit einer zu starken Gleichgültigkeit begegnen, lassen Sie sich das gesagt haben von einem, der genau die Koordination zwischen Musik, Tanz und Raum erforscht hat !“
Doris:
„Jetzt stellen wir uns vor, wir wären Ikarus. Ja, liebe Zuschauer, es ist immer ganz hilfreich für das Training sich ein Szenario vorzustellen, die „Saat des Ungesehenen“ ist für die ganze Tanzkultur schon immer ein Graus gewesen ! Wir stellen uns vor, wir wären Ikarus, welcher sich zu seinem Flug erheben will. Man sollte hier gleich den vorhin erklärten „chasse“ anwenden, man kann aber vorher als Einleitung den „Releve“ zeigen, schließlich will Ikarus seine kleinen Finessen, was den Start betrifft, demonstrieren !“
Es werden kurz noch mal die oben genannten „chasse“ (Sprung nach oben mit der rechten Ferse an das linke Knie) und „Releve“ (Drehbewegung) gezeigt.
Doris:
„Warum also nicht diese schicke Drehbewegung !! Profis können ruhig sich auch noch an die „Preparation“ wagen. Ganz wichtig jetzt die Arme ! Die Vasen sind jetzt nicht mehr von solcher Bedeutung, diese wurden von Phädra und Ariane entnommen, unseren Gehilfinnen. Aber diese warnen uns jetzt, unsere Arme müssen sich jetzt unbedingt in die „Jete ferme“ – Haltung drehen, dies bedeutet : der rechte Arm bewegt sich nach oben bis zur Augenhöhe, dreht sich aber um genau eine „Attitude“ im Uhrzeigersinn. Dies muss synchron mit dem linken Arm passieren, der genau dasselbe tut, nur, dass dieser, wenn er in Augenhöhe angelangt ist, danach eine kleine „Brisee“ erfährt, einen Hauch einer Abwärtsbewegung. Bei dieser Bewegung muss natürlich der rechten Arm in seiner Haltung verharren und darf NICHT unter Augenhöhe geraten, ganz wichtig !“
Nun hebt sie den rechten Arm bis auf Augenhöhe und dreht die Handfläche zum Publikum. Der linke Arm macht dasselbe, nur geht er danach etwas nach unten.
Doris:
„Bevor wir dann den kraftvollen Sprung wagen, den „Grand pas de basque“, stellen wir uns vor, wir stehen auf dem Deck eines Athener Schiffes, welches sich dem Ufer nähert. Jetzt werden wir vom Herold gewarnt, dass wir uns dem heiligen Minotaurus nähern. Sie kennen sicherlich die alten Sagen der Griechen und wissen, dass dies eine Vision des nahen Todes bedeutete. Entweder waren eine Gruppe wilder Kreter oder gar eine zu exzessiv ausgefallen Zeremonie des König Minos die Urheber, dieses gewaltige Monstrum aus seinem Schlaf geweckt zu haben. Wo andere sich von Angst umzuckt kopfüber ins Meer stürzen, da biegen Sie das linke Bein ein und werfen es in einer Höhe von einer „Attitude“ nach vorn. Um diesem Schritt dem letzten Schliff zu geben, neigen Sie gleichzeitig den Kopf und Körper vorwärts, ungefähr so !“
Sie hebt das linke Bein im rechten Winkel. Das Bein ist etwas nach links gedreht.
Doris:
„Hier spielt auch wieder die Fußhaltung eine wichtige Rolle, sie muss „croise“ auf den Boden gehalten werden, um Energie zu sammeln, die der endgültige Absprung von dem Schiff braucht !“
Die Zehen sind in der Luft, die Ferse dagegen auf dem Boden. Danach steht sie wieder normal mit gefalteten Händen, welche sich flehend hin und her bewegen.
Doris:
„Und nochmals die Bitte, lassen Sie keine Zweifel an Ihren Bewegungen aufkommen, sollten Sie es aber dennoch tun !“
Doris:
„Dann stellen Sie sich einfach vor, Sie hätten versagt, weil Ihnen der Mum gefehlt hatte, es ist also doch passiert, Sie sind nicht anständig abgesprungen, haben sich mit ihren eigenen Beinen verhakt, haben eine dreiviertel-Attitude zu viel oder zu wenig gedreht. Und werden von Minotaurus im Nu verschlungen. Theseus, ihr bester Freund, wird Sie trotzdem bestatten lassen und Ihre Geliebte Erigone wird ihr Leben lang den Tod ihres ach so geliebten Ikarus betrauern. Es kommt der Schlusschor, welcher Ihre angebliche Heldentat mit Ruhm und Herrlichkeit beschwört, das muss nicht sein, oder ? Im Grunde stößt uns Tragik und Leiden ab, vom Heiteren und Angenehmen fühlen wir uns dagegen angezogen !!“
Doris:
„Daher jetzt aufgepasst, wir zeigen es diesem blöden Ochsen : Mit dem rechten Fuß springen wir ab, der linke dagegen führt einen „coupe“ aus, der eine leise Andeutung einer „Quart-Attitude“ ist.“
Sie springt mit ihrem rechter Fuß kurz ab. Der linke Fuß dreht sich und die Zehen zeigen nach oben.
Doris:
„Dies ist nicht unbedingt notwendig, aber vielleicht doch ganz hilfreich, es könnte den Minotaurus verwirren und seine Aufmerksamkeit vom rechten ablenken, mit dem wir jetzt zum legendären „Grand pas de basque“ ansetzen ! Es ist wichtig, dass die Arme jetzt eine Bewegung nach unten machen, um Schwung zu holen. Wenn wir bis dahin alles richtig gemacht haben, dann müsste dieses Ungeheuer wie angewurzelt stehen bleiben. Normalerweise würde dieses Viech etwas rumfluchen und dann, so feige wie es ist, Poseidon zur Hilfe holen, er möge den Ungeratenen sofort den Tod finden lassen.“
Sie geht kurz nach vorne und senkt die Arme, um Schwung zu holen.
Doris:
„Jajaja, auch das größte Monster kann es bei diesem „Grand pas de basque“ mit dem zusätzlichen „Croise“ mit der Angst zu tun bekommen. Nun soll dies alles noch ein Tanz und keine Kampfsporttechnik bleiben, wir müssen also versuchen, den Minotaurus zu besänftigen. Wir heben das linke Bein wie beim „chasse“, allerdings um eine halbe „Attitude“ nach links. Gleichzeitig gehen wir etwas in die Knie. Die Arme sind immer noch in der Position von vorhin. Jetzt schnellen sie aber nach unten, um den Schwung zu holen, den wir jetzt brauchen. Wir springen ab und landen auf dem Bug des Schiffes. Beenden tun wir unsere Tanzsprung mit einer „Releve“.“
Doris hat die beiden Arme in Augenhöhe und hebt das linke Bein zum rechten Winkel. Dabei dreht sich dieses Bein etwas nach links. Sie holte mit den Armen Schwung zum Absprung und springt hoch. Als sie landet macht sie die oben erklärte Drehbewegung und geht dabei in die Knie. Danach steht sie auf, man sieht Doris mit verschränkten Armen.
Doris:
„Und wenn Poseidon auftaucht, soll dieser nicht unbedingt von diesem Untier angestachelt werden, uns mit seinem Dreizack zu vernichten, sondern den Minotaurus in seine Höhle nehmen und ihn mit Gute-Nacht-Sagen beruhigen. Wobei ich ja einmal einen Ödipus-Tanz anwand, da ist das Ungeheuer vor Scham und Verzweiflung zu Boden gestürzt und blieb tot liegen, dass denke ich könnte ich in
dem zweiten Teil von „Tänze selber gemacht! “ mal vorführen.“