In einem Restaurant sitzen der Fußballtrainer (Michael Stroh) und der Fußballmanager (Andreas Meier) von Hertha BSC. Der Sketch spielt in der Zukunft.
Trainer(neugierig):
„Also, sag an, warum wolltest du mich heute unbedingt sprechen?“
Manager(freundlich):
„Michael, ich finde es toll, daß du den Trainerjob wieder angenommen hast. Du hast uns aus der Krise geholfen.“
Trainer:
„Naja, als Sportjournalist war das Leben einfacher, ich hatte mehr Zeit für meine Familie. Aber der Trainerjob macht mir schon Spaß.“
Manager:
„Willst du nicht einen Dreijahresvertrag bei Hertha abschließen? Du würdest das doppelte Gehalt bekommen.“
Trainer(stöhnt):
„Mein armer Rücken.“
Manager:
„Wieso dein armer Rücken?“
Trainer:
„Immer wenn wir ein Tor geschossen haben bist du in meine Arme gefallen, dein ganzes Gewicht lastete immer auf mir.“
Manager(ernst):
„Ich nehme ab, ich nehme ab.“
Trainer(enttäuscht):
„Außerdem fand ich das nicht so gut, daß ihr mich vor vier Jahren entlassen habt.“
Manager(freundlich):
„Die Mannschaft war in einer Krise. Außerdem hat der DFB festgestellt, daß einer unserer Spieler seine Schienbeinschützer nicht vollständig mit seinem Strumpf bedeckt hatte. Wir mußten eine Geldstrafe abzahlen.“
Trainer:
„Die war doch gar nicht so hoch, wir waren sechs mal hintereinander Deutscher Meister und drei mal Championsleague-Sieger, wir hatten genug Geld. Außerdem kann ich nicht auf jeden Spieler schauen ob er ordnungsgemäß bekleidet ist, auf sowas müssen die Spieler schon selber achten.“
Manager(ernst):
„Und in deinem letzten Jahr bei uns sind wir nicht Deutscher Meister geworden.“
Trainer:
„Das doch nur weil wir am letzten Spieltag in der 94.Minute ein Tor kassiert haben.“
Manager:
„Es war ein ziemlich dummes Tor.“
Trainer:
„Mit viel Pech. Unser Krause stand vor dem leeren Tor, er hatte die Entscheidung auf dem Fuß. Er schoß mit gewaltiger Wucht an den Pfosten...“
Manager:
„...und zwar so doll, daß der Ball über den ganzen Rasen flog. Ins eigene Tor. Sowas darf halt nicht passieren.“
Trainer:
„Ihr habt auch mein Training arg kritisiert.“
Manager:
„Deine Trainingsmethoden waren aber auch etwas grotesk. Vor dem einen Championsleague-Finale gegen Barcelona hast du mit der Mannschaft trainiert aus 20 Metern den Pfosten zu treffen.“
Trainer:
„Damit wollte ich die Schußgenauigkeit trainieren.“
Manager:
„Wir haben das Finale zwar gewonnen gehabt, aber sehr knapp. Im ganzen Spiel hatten wir 15mal den Pfosten getroffen.“
Trainer(selbstsicher):
„Gewonnen ist gewonnen.“
Manager:
„Unser Torhüter Meisner hat auch unter deinem Training gelitten. Du hast sechs gegen sechs Leute aufgestellt, aber nur mit einem Torhüter. Dieser mußte immer von einem Tor zum anderen hetzen, das ist die reinste Qual für ihn gewesen.“
Trainer:
„Nach seiner Fußballkarriere ist Meisner Olympiasieger im 100 Meter Lauf und im Marathon geworden. Das hat keiner vor ihm geschafft. Ganz sicher verdankt er diesen Erfolg mir, das kannst du mir glauben.“
Manager:
„Und auf dem Mannschaftsfoto wolltest du immer in der Mitte sein, nicht wie sich das für einen Trainer gehört am Rande zu stehen.“
Trainer(verwundert):
„Wenn es so viel zu bemängeln gab, warum habt ihr mich dann wieder geholt?“
Manager:
„Du darfst nicht vergessen, daß du uns angerufen hast als du gehört hattest, daß wir einen neuen Trainer brauchen.“
Trainer(selbstsicher):
„Ich hätte auch bei AC Mailand bleiben können. Ich habe mit denen den ‚Intergalaktika Cup‘ gewonnen. Zum ersten mal haben die Menschen gegen die Marsmenschen gewonnen. Aber...aber...“
Manager:
„Aber?“
Trainer(enttäuscht):
„Aber auch die von Mailand wollten mich nicht mehr. Weil...weil ihnen mein Training nicht mehr gefallen hat. Ich wollte, daß die Spieler sich die großen Plastik-Hütchen aufsetzen, auf der Latte des Tores mit einem Bein stehen und mit vier Fußbällen jonglieren.“
Manager(zustimmend):
„Da siehst du es, wir sind nicht die einzigsten, die deine Trainingsmethoden kritisieren.“
Trainer:
„Und warum wollt ihr dann, daß ich wieder Trainer bei euch werde?“
Manager(ernst):
„Weil du der erfolgreichste Trainer aller Zeiten bist, deswegen. Wir haben phänomenale Erfolge mit dir gefeiert. Du hast es sogar geschafft mit Sri Lanka Weltmeister zu werden, das stellt den Erfolg von Rehagel mit Griechenland bei der EM 2004 in den Schatten.“
Trainer(stolz):
„5:1 habe ich mit der B-Elf von Sri Lanka gegen Italien im WM Finale gewonnen. Das war der größte Erfolg in meinem Leben.“
Manager:
„Nein, deine größten Triumphe hast du mit uns gefeiert. Warum wolltest du eigentlich nicht mehr Trainer von Sri Lanka sein?“
Trainer(traurig):
„Die haben mich auch gefeuert. Bei dem besagten WM-Finale habe ich beim 4:0 die Coaching Zone verlassen und bin mit den Knien auf dem Rasen geschlittert. Ich bekam vom Schiedsrichter eine Rote Karte, ich mußte auf der Tribüne Platz nehmen.“
Manager:
„Und deshalb hat dich der ‚Fußball Bund Sri Lanka‘ gefeuert?“
Trainer:
„Ja, die meinten, meine Tat schädige dem Ansehen des Fußballs von Sri Lanka.“
Manager:
„Bei uns wird alles anders. Wir bauen unser Stadion aus, es wird überdacht. Und auf den Eckfahnen wird dein Name stehen, Michael. Du bekommst die schönsten Frauen und die besten Drogen.“
Trainer(ablehnend):
„Du weißt doch, ich nehme keine Drogen. Und meine Ehefrau reicht mir aus.“
Manager:
„Als du im Trainingslager in Oberpfaffenhausen warst, da hast du doch auch eine Affäre gehabt.“
Trainer(ärgerlich):
„Diese blöde Kuh, die ist gleich zu einer Zeitschrift gerannt, die wollte auch nur mal kurz in den Medien sein.“
Manager:
„Auf jeden Fall bin ich und das Präsidium sehr stolz auf deine Arbeit. Wir sind jetzt in der Championsleague im Halbfinale angekommen, nachdem wir Real Madrid 6:2 ganz souverän geschlagen haben.“
Trainer(stolz):
„Und das nur mit acht Mann.“
Manager(neugierig):
„Genau, das wollte ich dich auch noch mal fragen : Warum hast du drei Spieler rausgenommen?“
Trainer:
„Als es 6:0 in der Halbzeit für uns stand, da dachte ich : ‚Mach es ein bißchen spannender‘. Ich habe den Torwart, den Kapitän und den Libero rausgenommen, damit Real Madrid eine kleine Chance gegen uns hat.“
Manager:
„Und trotzdem haben wir gewonnen, Wahnsinn. Du bist ein Genie !“
Es kommt ein kleiner Junge an den Tisch und will ein Autogramm vom Manager haben.
Junge(lieb):
„Kann ich ein Autogramm haben, Herr Meier?“
Manager:
„Aber klar doch.“
Trainer(freundlich):
„Soll ich dir auch eins geben?“
Junge(frech):
„Nö, du bist doof. Du bist der Buhmann der Mannschaft, dich mag ich nicht.“
Trainer(verwundert):
„Aber ich bin doch der erfolgreichste Trainer aller...“
Junge(unterbricht):
„Buh!“
Der Junge geht weg.
Trainer(traurig):
„Da haben wir es. Trotz meiner Erfolge bin ich gar nicht beliebt. Ich war in der Zeitschrift ‚Kicker‘ bei den besten Trainern auf Platz 23. Das verstehe ich nicht. Obwohl ich schon 29 Titel geholt habe.“
Manager(nett):
„Ach, mach dir nichts draus. Bei uns im Präsidium bist du doch beliebt.“
Trainer:
„Das ist doch nur eine Frage der Zeit, bis ihr mich wieder feuert.“
Manager:
„Das wird jetzt alles anders. Unser Stadionsprecher Marcus Kaiser ruft doch immer ganz laut deinen Vornamen.“
Trainer:
„Und die Fans, die daraufhin meinen Nachnamen laut brüllen sollten, machen da nicht mit. Warum bin ich nicht beliebter? Was soll ich noch für Erfolge holen, ich habe doch schon alles mehrfach gewonnen gehabt!“
Es kommt ein Mann an deren Tisch.
Mann(freundlich):
„Ach, Herr Meier, was für ein Zufall, daß ich sie jetzt sehe. WER wird neuer Trainer bei Hertha?“
Manager:
„Wir haben jetzt wieder Michael Stroh geholt. Er macht seine Arbeit bravourös.“
Mann:
„Der Typ ist doch nur eine Zwischenlösung. Wer kommt danach?“
Manager:
„Vielleicht Miroslav Klose. Oder Fabian Ernst, wir wissen es noch nicht. Aber erst mal haben wir Michael Stroh.“
Mann:
„Kann ich noch ein Autogramm von Ihnen haben?“
Manager:
„Klar doch.“
Der Manager unterschreibt mit einem Lächeln, während der Mann dankend nickt. Der Trainer dagegen lehnt sich zum Mann und versucht seine Aufmerksamkeit zu bekommen.
Trainer(lieb):
„Wollen Sie nicht auch ein Autogramm von mir haben?“
Mann(verachtend):
„Von Ihnen will ich ganz sicher kein´s haben, Sie ‚Titelabräumer‘, Sie! Warum probieren Sie ihr Glück nicht mal mit einer schwachen Mannschaft, warum beweisen Sie uns nicht mal, daß Sie ein guter Trainer sind?!“
Trainer(verwundert):
„Ich habe doch Oberheim vor 12 Jahren in die erste Liga geholt. Außerdem bin ich mit Sri Lanka...“
Mann(unterbricht):
„Ach, bei Ihrem Glück können Sie auch mit einer KiTa Weltmeister werden. Sie haben nur Glück, mehr nicht. (zum Manager) Danke, Herr Meier, es war mir eine große Ehre. Auf Wiedersehen, hoffentlich haben Sie bald einen vernünftigen Trainer!“
Der Mann geht und der Trainer schaut ganz bedröppelt auf den Boden. Der Manager lacht dagegen.
Trainer(ratlos):
„Warum bin ich nur so unbeliebt? Vielleicht hätte ich Trainer der deutschen Nationalmannschaft werden sollen. Ich habe damals als junger Mann bei der WM 2002 in Südkorea/Japan dem damaligen Trainer Rudi Völler vier Blätter mit taktischen Hinweisen gegeben. Mit dieser Hilfe hat er gegen Saudi-Arabien 8:0 gewonnen. Er war danach in seinem Stolz gekränkt und hat die Blätter weggeworfen.“
Manager:
„Du bist jetzt erst mal wieder Trainer bei uns. Wir spielen jetzt im Halbfinale der Championsleague gegen Chelsea. Aber meinst du nicht, daß der obligatorische Kirchengang für unsere Jungs nicht so wichtig ist?“
Trainer:
„Doch, die Jungs müssen an was glauben. Sie können ja, wenn sie zu Gott beten, an mich denken oder...“
Manager(ernst):
„...an den Erfolg. An dich werden die bestimmt nicht dabei denken. Du bist nicht so beliebt.“
Trainer:
„Warum nur nicht? Ich müßte viel populärer sein! Bei google kommen nur 1.245 Einträge wenn man meinen Namen eingibt. Bei Klose sind es weit mehr. Oder bei Mario Gomez sind es auch viel mehr. Bei jedem anderen Trainer sind es mehr. Was mache ich nur falsch?!“
Manager:
„Es ist irgendwas, deine Ausstrahlung, deine Art, wie du redest, wie du dich bewegst, ich weiß es auch nicht. Das ist aber egal, die Mannschaft sollte jetzt das wichtigste sein für dich.“
Trainer(stolz):
„Ich habe eine neue Freistoßtechnik entwickelt. Der Michael-Stroh-Effekt, er bezeichnet ein Phänomen der Strömungstechnik : die Querkraftwirkung auf eine rotierenden Kugel. Dreht sich der Ball im Flug, verläßt er seine gerade Flugbahn. Entscheidend sind zwei Faktoren : wie weit außen der Ball getreten wird und wie fest. Hier ein Beispiel : In einer Linksdrehung, welche mittels einer Anschneidung durch Treffen des Balles rechts von der Mitte erreicht wird, erhöht sich der Luftdruck auf der rechten Seite und die Flugbahn beschreibt eine Linkskurve.“
Manager(hebt den Zeigefinger):
„Du bist ein heller Kopf, du bist brillant!“
Trainer:
„Gleich morgen werden wir im Training Freistöße üben.“
Es kommt ein Vater mit einem kleinen Jungen an der Hand zu den beiden.
Vater(nett):
„Schau mal, mein kleiner, weißt du noch, als wir letztens im Stadion waren und Fußball geschaut haben?"
kleiner Junge(fröhlich):
„JA!“
Vater:
„Der Mann links ist Andreas Meier, der ist der Manager von der Mannschaft mit den weißen Hemden. Das war die Mannschaft, für die wir gejubelt haben. Die Hertha!“
kleiner Junge:
„Wer ist denn der Manager? Bringt der den Männern in den weißen Hemden Fußball bei?“
Vater:
„Nein, der Manager sucht die passenden Spieler für unsere Hertha aus. Der kauft die für uns.“
Kleiner Junge(neugierig):
„Und wer bringt denen Fußball bei?“
Vater:
„Das macht der Trainer.“
kleiner Junge:
„Ist der andere Mann der Trainer?“
Vater:
„Nein. Wer der andere Mann ist, das weiß ich nicht. Vielleicht ein Freund vom Manager. Unsere Hertha hat gerade keinen Trainer, weißt du, mein Kleiner? Vielleicht kommt Miroslav Klose oder Michael Ballack. Die haben früher für Deutschland gespielt, weißt du.“
Der Vater und der Junge gehen wieder weg.
Trainer(gekränkt):
„So etwas kränkt mich. Laß uns gehen, ich habe genug von hier. Laß uns morgen im Training weiterreden. (laut) Die Bedienung, bitte !“
Es kommt eine Kellnerin.
Kellnerin(nett):
„Ja, Sie wollen zahlen?“
Trainer:
„(zum Manager) Ist schon gut, Andreas, ich zahle heute mal, letztens hast du mich eingeladen. (er schaut in seine Geldbörse)...Moment...Mist, ich habe nicht genug Geld dabei. Kann ich auch ausnahmsweise mit der EC-Karte zahlen?“
Kellnerin:
„Aber klar doch, geben Sie mir ihre Karte.“
Der Trainer gibt der Kellnerin seine EC-Karte. Sie geht weg und kommt nach einer Minute mit einem Bon wieder.
Kellnerin:
„Ich bräuchte von Ihnen noch eine Unterschrift, ein Autogramm, bitte!“
Der Trainer bekommt auf einmal einen roten Kopf und wackelt nervös auf seinem Stuhl hin und her.
Trainer(sehr aufgeregt):
„Ein...ein...ein AUTOGRAMM! JA, gerne, Moment, entschuldigen Sie, ich bin so aufgeregt, ich weiß...ich weiß gar nicht mehr, ich habe so lange schon kein Autogramm mehr gegeben, vielleicht sollte ich öfter mit EC-Karte, ich weiß nicht mehr, wie ich heiße, ich...(er holt seinen Personalausweis raus) M-I-C-H-A-E-L S-T-R-O-H, einen Moment, wie mache ich nur, wie schreibe ich nur...soooo, ganz langsam...(er schreibt sehr sorgfältig seinen Namen auf den Bon)...so, fertig, soll ich Ihnen noch ein Autogramm geben?“
Kellnerin(irritiert):
„Nein, danke, das reicht.“
Trainer(glücklich):
„Dann bestelle ich noch was auf EC-Karte. Ein Glas Wein, bitte.“
Kellnerin:
„In Ordnung. Einen Moment, bitte.“
Die Kellnerin geht wieder. Der Trainer lächelt zufrieden und der Manager schaut ihn verwundert an.
Manager(irritiert):
„Was ist denn mit dir los?“
Trainer:
„Ich weiß es jetzt, was ich machen werde. Ich werde doch nicht Trainer bei der Hertha. Ich werde jetzt Fußballtrainer für Frauen. Genau, ich werde Fußballtrainer von ‚Turbine Potsdam‘, ich habe bei Frauen mehr Glück als bei euch Männern.“
Manager(verärgert):
„Was ist denn jetzt los?! Du wolltest doch bei uns einen Dreijahresvertrag unterschreiben! Die Frau wollte doch gar nichts von dir! Außerdem hast du doch eine Ehefrau, hast du gesagt!“
Trainer:
„Ich werde in der Frauenliga jetzt trainieren, das habe ich soeben beschlossen. Die Frauen wissen halt noch, was richtiges Auftreten und Charisma sind.“
Manager:
„Was soll das denn?! Ich habe den Vertrag dabei, am besten du unterschreibst denn gleich, bevor du auf andere blöden Ideen kommst. Chelsea wartet doch schon im Halbfinale auf uns, du kannst doch jetzt nicht...“
Der Trainer nimmt dem Manager den Vertrag aus der Hand und zerreißt ihn mit einem Lachen. Die Kellnerin kommt wieder mit einem Glas und einem Bon. Der Manager steht wütend auf, zieht seine Jacke an und geht.
Trainer:
„Sehr schön, der schmeckt sehr gut, der Wein. Soll ich hier wieder unterschreiben, ich meine, soll ich hier wieder ein schönes Autogramm Ihnen geben? (er schreibt) Jaaaa, das ist schön, das macht Spaß. Schauen Sie mal, ich habe jetzt beim I-Punkt ein Smile gezeichnet. Kann ich bitte Ihre Getränkekarte haben?“