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Arbeitsamt

Berufsberater
Herr Briegel

Herr Briegel betritt den Dienstraum des Berufsberaters.

Berufsberater (freundlich):
„Guten Tag, Herr Briegel, setzen Sie sich bitte.“

Briegel (cool):
„All right !“

Berufsberater (verunsichert):
„Sie sind das erste mal hier ?“

Briegel :
„Nicht im geringsten. Aber eins kann ich mit Sicherheit sagen : Es ist das letzte mal !“

Berufsberater :
„Schön, Sie haben also schon eine konkrete Vorstellung, wo Sie arbeiten wollen ?“

Briegel :
„Yep, 25. Police Office, Kalifornien, das Land der Sonne.“

Berufsberater :
„Sie wollen ins Ausland ?“

Briegel :
„Ich will nicht, ich muß !“

Berufsberater (irritiert):
„Wie darf ich das verstehen ?“

Briegel :
„Eigentlich muß ich meine Arbeit in New York zu Ende führen. Die Straßen sind von Dealern
und Verbrechern dort fast schon leergeräumt. Aber mein Partner in L.A. braucht mich.“

Berufsberater :
„Ah ja...wie lange sind Sie eigentlich schon arbeitslos gemeldet ?“

Briegel :
„Ich weiß das genaue Datum nicht aus dem Kopf. Hat Ihnen denn New York noch nichts
geschickt ?“

Berufsberater :
„Warten Sie einen Augenblick, ich schaue mal schnell in Ihre Akte.“

Der Berufsberater
geht kurz nach hinten und sucht.

Briegel :
„Wollen Sie auch eine „Camel" ?“

Berufsberater (erschreckt):
„Um Gottes Willen, Rauchen ist in diesem Raum verboten !“

Briegel :
„Keep cool, Baby, keep cool…In Amiland, da darf man selbst im Gerichtssaal eine quarzen.“

Der Berufsberater
kommt zurück.

Berufsberater :
„So, ich habe nachgeschaut. Sie sind seit September letzten Jahres arbeitslos gemeldet. Das ist
jetzt über 6 Monate her. Sie hätten schon viel früher kommen müssen.“

Briegel (ärgerlich):
„Hey, ich muss in dieser Stadt nirgends hin, und hier schon gar nicht. Mach ich nur, um Auf
Wiedersehen zu sagen, kapitsche ?“

Berufsberater :
„Haben Sie vom Sozialamt...Moment...Sozialamt Wedding ein Schreiben bekommen? Oder warum
kommen Sie jetzt so plötzlich her ?“

Briegel :
„Pass mal auf, Du Sesselpuper, ich komme und gehe, wie mir mein Colt wedelt, klar ? Hast
Glück, dass ich den zu Hause gelassen hab. Mit solchen Büroheinis werde ich auch so fertig.“

Berufsberater :
„Sie wollen also in die USA reisen ?“

Briegel (cool):
„Und den Gangstern dort so richtig in die Waden beißen. Aber mit verreisen hat das ja nichts
zu tun, wie ich Ihnen schon sagte. Ein Auftrag wartet dort auf mich.“

Berufsberater (ratlos):
„Ach Gott. Ich habe das Gefühl, Sie wollen mich verscheissern.“

Briegel :
„Und ich habe das Gefühl, dass Du nicht weißt, mit wem Du redest, Cowboy. Mein Partner
sitzt in L.A. in der Klemme. Er hat es dort mit Terroristen zu tun, die ziemlich nervöse Finger haben.
Und nicht nur mit Wasserpistolen sind die bewaffnet, nein, die besitzen auch gefährliche Sprengsätze.“

Berufsberater :
„Aha...Wer ist ihr Partner ?“

Briegel :
„Cruise Hill, ein sehr erfahrener Cop. Der alte Roy Rodgers war sein Lehrer. Jedem, den er
umlegen muss, sagt er seinen Spruch : „Die Smart" und dann ist Sense ! Er hat vor ein paar Wochen
noch alles im Griff gehabt. In Compton, Long Beach und Watts. Aber nun hat er herausgefunden, daß
das Nagakomi-Gebäude das Ziel eines Terrorakts ist. Die „Norwegischen Gotteskrieger" wollen die
Jubiläumsfeier des Unternehmens überfallen und Geiseln nehmen. Und das alles im 30. Stock !“

Berufsberater :
„Ich habe eher das Gefühl, Sie steigern sich in etwas rein. Sie sollten lieber ihre
Arbeitsbemühungen...“

Briegel (unterbricht):
„Du musst Dich überhaupt nicht bemühen mir einzureden, dass ich in dieser
Schweinestadt noch zu irgend einem Amt rennen muss. Zum Flughafen, da geht's gleich hin ! Das
Flugticket - und das ist der zweite, wichtigere Grund, warum ich hier bin – dafür kannst Du mir gleich
mal einen Kostenübernahmeschein geben.“

Berufsberater :
„Wie stellen Sie sich das eigentlich vor ? Ich glaube Ihnen kein Wort, ich sollte mich lieber mit
Ihrem Sachbearbeiter... wie hieß der gleich noch mal ?“

Briegel:
„Musste ich gestern umlegen. Der hat dauernd vom Sozi-Amt Geld der DNS geschickt. „Durst
nach Selbstmordattentat", eine sehr radikale skandinavische Verbindung.“

Berufsberater(entschlossen) :
„Wenn das so ist, dann werde ich mal schnell einen Anruf bei der Polizei machen müssen.“

Briegel :
„HEY, ich bin jetzt die Polente, kapito ! Ich bin mir auch gar nicht mehr so sicher, ob der
Sachbearbeiter das war oder ein anderer. Ich muss dauernd irgendwelche Missionen ausführen, da
kann man schon mal was verwechseln. Vielleicht war das der vonner Postbank.“

Berufsberater :
„Ich werde mal den Herrn Hülshoff vom Sozialamt Wedding anrufen (nimmt Telefonhörer und
wählt).“

Briegel :
„Yo, mach das Amigo...was war mit dem Freundchen inner Postbank. War der in der BRD,
„Brachial – Rechts – Deutsch !" ? Hmm...ich weiß es nicht mehr, ich sollte mich mit den Leuten etwas
länger unterhalten, bevor ich sie abknalle. Dann merk ich mir die vielleicht besser...Keine Ahnung, ich
glaube, der hat einfach nur blöde gekuckt, ich habe in letzter Zeit auch diesen nervösen Finger. Ich
muß die Stadt verlassen..."Besuchen Sie Kalifornien, das Land der Sonne. Da macht das Leben noch
Spaß!", wie mein Partner immer sagt.“

Berufsberater (ärgerlich):
„So, ich habe soeben mit Ihrem Sachbearbeiter gesprochen, er sagte mir, dass Sie auch bei ihm
einen wichtigen Termin versäumt haben.“

Briegel (cool):
„Ich weiß, ich sagte Dir doch schon, Sammy, ich wollte ihn nicht umlegen.“

Berufsberater :
„Das sieht gar nicht gut aus mit Ihnen. Ich habe da ein ganz schlechtes Gefühl. Haben Sie eine
Ausbildung ?“

Briegel :
„Stellen Sie eigentlich immer so viele Fragen ?“

Berufsberater :
„Ich bin nur hier, um meinen Job zu machen.“

Briegel (entschlossen):
„Dann machen Sie den doch. Nächste Woche Montag, erste Klasse, Direktflug nach L.A.. Ich
will aber einen Platz hinten. Damit ich eine gute Übersicht über die Passagiere habe. Man weiß ja nie.“

Berufsberater :
„Sie wollen tatsächlich, dass ich jetzt auf Kosten des Staates Ihnen ein Ticket nach L.A. bestelle ?
Am besten noch gleich mit einer schicken Hotel-Pansion.“

Briegel (lächelt):
„Ey, Sie sind ja ein fixer Bengel.“

Berufsberater (sauer):
„Mit, mit Ihnen werde ich gleich was anderes machen. Es werden noch Leute für den Deichbauch
an der Oder gesucht. Zweiter Arbeitsmarkt, 3,50 € die Stunde. Das ist genau das richtige für Sie !“

Briegel :
„No Chance, Baby, no Chance. Bisher hatte ich einen recht einseitigen Umgang mit Leuten,
die sich mir in den Weg gestellt haben. Es ging schnell, schmerzlos und ... es ist ganz wichtig, Homie,
dass Du dabei smart bist, ganz wichtig ! Jeder sollte noch im letzten Atemzug ein gewissen Stil
innehaben, etwas, was einen Charakter ausmacht...Wie wärs, Amigo, vielleicht doch noch zum Schluß
eine Zigarette ? Ist doch ein cooler Abgang, du kannst deine letzte Fluppe rauchen, eine Camel auch
noch, und das erzählen, was Du dich immer nicht getraut hast. Warte mal, wo hab ich denn meine
Zichten und mein Feuer....Ohh, ich hab meine Lady DOCH mitgenommen, ist sogar durchgeladen. Ich
bin mir sicher, ich habe die zu Hause gelassen, aber meine kleine Mary wusste ganz genau, dass ich
sie heute brauchen werde. Ist einfach in meine Jackentasche gehoppst, ohne, dass ich es gemerkt
habe. Irgendwie smart, findest Du nicht auch ?“

Berufsberater (verunsichert):
„Ähhh, ja...“

Briegel :
„Hier, bitte, Feuer habe ich auch. (zündet Zigaretten an). Nun schieß los, Sportsfreund !“

Berufsberater :
„Also, mein Job hier...ich wollte im sozialen Bereich tätig werden, den armen Kindern helfen von
der Straße runterzukommen.“

Briegel :
„Und dann bist Du hier gelandet. Stimmt die Kohle wenigstens ?“

Berufsberater :
„Naja, also ich alleine könnte ja zufrieden sein mit dem Gehalt.“

Briegel :
„Verheiratet ?“

Berufsberater :
„Ja. Und meine Frau ist das nächste Prob...(holt Bild aus dem Geldbeutel von seiner Frau)“

Briegel (unterbricht, staunt) :
„Huijujui, das ist ja eine Rakete ! Die müsste von der UN verboten werden, bei
der Reichweite !... Lass mich raten, 2 Kinder ?“

Berufsberater :
„Nein, noch nicht...aber SEHR bald, ich glaube meine Frau ist schon im 8. Monat. Und das Kind
muss doch seinen Vater sehen. (fängt an zu weinen).“

Briegel :
„Na na, man muß auch die Kehrseite der Medaille sehen. So wird das Kind Dich zwar immer
nur auf Bildern sehen. Deine Frau wird aber deinem Kind zum Einschlafen immer von Dir erzählen, Du
wirst ein regelrechter Mythos für das Kind. Ich kann ja zu Deiner Frau gehen, gib mir Deine Adresse,
ich werde mir mit ihr ein paar Heldentaten von Dir ausdenken.“

Berufsberater (verzweifelt):
„Ja...bitte...“

Briegel :
„Ich werde einfach ein paar Stories, die ich im echten Leben in New York, und vielleicht bis
dahin in L.A., erlebt habe, deinem Kinde erzählen. Ich werde so was, wie der Stiefvater für das Kind, der viel von seinem Papa gelernt hat.“

Berufsberater :
„Aber keine Geschichten von den schwedischen Gottesanbetern oder wie die hießen !“

Briegel :
„Nein, das mache ich dann schon kinderstubentauglich. Wie ich z.B. Cameron Diaz vom
Riesenrad, welches stehen geblieben ist, runtergeholt habe. Mann, die hat ja gar nicht aufgehört zu
brüllen, ein richtig hysterisches Weib.“

Berufsberater :
„Echt ? Das hätte ich der nicht zu getraut ! Bei so was würde ich nicht rumschreien.“

Briegel :
„Und warum würdest Du es nicht machen ?“

Berufsberater :
„Na weil weil...weil ich „smart" bin ?“
 
B
eide lachen.

Briegel :
„Verdammt noch mal, Dein Kind wird stolz sein auf Dich !“

Berufsberater:
„Ich schreib mal schnell meine Adresse auf. Das mit dem Kind stimmt übrigens nicht, ich habe da
so ein bissel probiert.“

Briegel :
„Ach, das macht nichts, bist trotzdem ein smarter Typ. Sowas probiert ja jeder in dieser
Situation, is ok. Du hast ja nichts dagegen, wenn ich Deiner Frau da ein bisschen helfe, mit dem Kind
meine ich, oder ?“

Berufsberater :
„Nein, oder...ach ich kann das ja dann eh nicht mehr überwachen, war ne Fangfrage, ne ?(lächelt)“

Briegel :
„Hey, hey, noch fixer als die Polizei erlaubt (beide lachen) Gut, Bürschchen, die Zigarette ist
aus, kommen wir also zum Geschäftlichen.“
 
Briegel steht auf, de Berufsberater schaut ganz ernst, versucht aber dabei zu lächeln.

Durchsage :
„Sehr geehrte Damen und Herren, das Arbeitsamt schließt in wenigen Minuten, bitte
ziehen Sie keine Wartnummern mehr.“

K
urze Pause, beide sind irritiert.

Berufsberater (irritiert):
„Haben Sie überhaupt eine Wartenummer gezogen ?“

Briegel (devot):
„Ohh, wie konnte ich das nur vergessen, kann ich kurz mir eine holen und dann...“

Berufsberater (streng):
„Sie haben doch die Ansage gehört, jetzt geht es nicht mehr.“

Das
Telefon klingelt.

Berufsberater :
„Setzen Sie sich bitte wieder hin, das macht mich ganz nervös, diese Steherei.“

Briegel :
„Jaja...“

Berufsberater :
„Guten Tag...hallo Herr Hülshoff...ja...problematisch...achso, ne, also auf mich macht er einen sehr
selbstbewussten Eindruck...zu selbstbewusst, das grenzt ja schon an Arroganz...sieht schlecht aus,
sehe ich genauso, deswegen klappt das mit den Bewerbungen scheinbar nicht...genau, machen wir
das so...ja, ich habe die notwendigen Unterlagen hier, ich werde da schon was finden...und, wie läuft
die Arbeit so ?...Ohh, wirklich ?...Ach ne, und wie wurde die Waffe entdeckt ?...Echt ? Und das hat
jedes Sozialamt jetzt ?...Naja, hier in Wilmersdorf aufm Arbeitsamt ist was anderes los als bei Ihnen
auf dem Wedding im Sozialamt ne ?...Ach, auch die Arbeitsämter...alle....(schaut sich die Pistole an und entlarvt sie als Wasserpistole. Ruft zu Briegel -> ) Hey, Sportsfreund, wohin des Weges ?“

Briegel (artig):
„Ich wollte nur noch schnell während des Telefonates ganz fix eine Nummer ziehen.“

Berufsberater :
„Quatschkopp, bleib hier, wir haben gleich eine Arbeit für dich ! (zum Telefon) Nicht das
Deichprogramm im Osten, da haben wir ja keine Aufsicht über ihn. In Ordnung, auf Wiedersehen !“

Der Berufsberater wendet sich
zu Briegel.

Berufsberater:
Gut, dann nehm ich mir mal die neusten Aufträge, die in dieser Woche gekommen sind.
Hmmm...Verkaufen, ne, Zustellen, ne, obwohl in den frühen Morgenstunden das wär doch was, oder ?“

Briegel (schmollt):
„Ich bin immer so müde. Ich schaue immer gerne Filme mit Arnie oder Bruce Willis.“

Berufsberater :
„Oder mit Cruise Hill, wa (lacht) und gib das Bild von meiner Ollen her, Lümmel...so...wie wärs
denn mit Putzen ?“

Briegel (stöhnt):
„Ohh ne, nicht schon wieder schrubben.“

Berufsberater (glücklich):
„Strike ! Ich habs ! Im Flughafen Tegel, die Empfangshalle schrubben, is sogar auch als zweiter
Arbeitsmarkt für 2,78 € die Stunde. Und wenn Du das nicht machst, Freundchen, dann wird Dir
ratzfatz die Stütze gestrichen, kapitsche ? Hier die Telefonnummer, ruf heute gleich an. Und jetzt,
verpiss Dich ! Achso, gib mir noch eine von Deinen Fluppen !“

Briegel :
„Männo, hier...Tschau.“

Briegel (Füße auf dem Tisch) :
„Asta la vista, Baby !“
 
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