Frank besucht Christian.
Christian(freundlich):
"Hallo, ich freue mich, daß du mich besuchen kommst."
Frank(ernst):
"Ich muß dir unbedingt was erzählen, du mußt die Wahrheit wissen."
Beide setzen sich hin.
Christian(neugierig):
"Na dann schieß mal los, bin schon gespannt."
Frank:
"Ich bin Gottes Sohn, ist ein hartes Erbe, aber diesmal werden die mich nicht ans Kreuz nageln, diesmal wird ein anderer daran glauben müssen."
Christian(verwundert):
"Echt? Wie kommst du darauf?"
Frank:
"Das mußte natürlich kommen, aber ich verzeihe dir, du bist ein gewöhnlicher Mensch, mehr nicht. Schau mal, ich habe am 13.3 Geburtstag. Was ist der 13. Buchstabe des Alphabets? Das ‚M‘."
Christian:
"Steht ‚M‘ für Martha, das ist doch auch ein Bibelname, oder?"
Frank:
"So wie es für Michael steht, den Erzengel. Er bekämpft als Anführer der himmlischen Heerscharen den Satan. Und Moses beginnt auch mit einem ‚M‘."
Christian:
"Und deswegen bist du jetzt Jesus II.?"
Frank:
"Ich bin noch nicht fertig. Mein Geburtstag ist der 13.3, die 13 hatten wir schon. Und jetzt zur 3: Was ist der dritte Buchstabe in unserem Alphabet?"
Christian:
"A, B, C, das ‚C‘ ist es."
Frank(stolz):
"Und das steht ganz klar für Christus. Ich bin der zweite Jesus!"
Christian:
"Ob das mit meinem Geburtsdatum auch geht? Ich habe am 10.3 Geburtstag."
Frank(verachtend):
"Du bist ein gewöhnlicher Mensch, daß sehe ich schon an deinem Gesicht, du wirst früh und bedeutungslos sterben, du bist..."
Christian:
"Der 10.3. Der zehnte Buchstabe ist das ‚J‘, also steht es für Jesus und der dritte ist wie bei dir das ‚C‘, das steht für Christus! Juchuh, ich bin auch ein Jesus Christus!"
Frank:
"Ach, bei dir ist das nur Zufall, an deinem Geburtstag war bestimmt Zeitumstellung und du bist in Wirklichkeit am 11.3 geboren. Und der elfte Buchstabe ist das ‚K‘, das steht für Kader Loth, das ist nur eine Playmate-Nutte. Du bist nichts, glaube mir."
Christian:
"Aber am 10.3 ist doch gar keine Zeitumstellung. Die ist immer am letzten Wochenende im März."
Frank:
"Dann haben bei deiner Geburt deine Eltern auf dem Kalender falsch geschaut, glaube mir. Außerdem trinke ich gerne Wein, wie auch Jesus."
Christian:
"Ich auch! Und zwar aus einer gewöhnlichen Tasse, nicht mit so einem prunkbesetzten Gral, eben so wie es auch Jesus tat."
Frank(ärgerlich):
"Ist jetzt jeder, der Wein trinkt, gleich ein Jesus? Dann wäre ja jeder Alkoholiker in einer Spelunke auch ein Heiliger, das kannst du ja nicht im Ernst glauben."
Christian(schmollt):
"An meinem letzten Geburtstag habe ich mit meinen Freunden aus einem Kelch getrunken, wie beim Abendmahl."
Frank:
"Weil ihr nicht genug Gläser hattet oder weil du zu faul warst Gläser zu spülen hast du nur..."
Christian:
"Es war ein Kelch aus Ton, kein Glas!"
Frank:
"Dann halt ein Kelch, du hast doch bestimmt nur einen, gib es doch zu!"
Christian:
"Ja. Ok. Und außerdem heiße ich Christian, das zählt doch auch!"
Frank(genervt):
"Ist doch der gewöhnlichste Name, mehr nicht."
Christian:
"Und der Name ‚Frank‘?"
Frank:
"Der kommt lange nicht so häufig vor, wie deiner, mache eine Umfrage auf der Straße und du wirst sehen, daß..."
Christian(nickt):
"Okay, ich gebe dir recht, Jesus."
Frank:
"So ist es recht, Diener. Aber du wirst auch bekannt werden, weil du mich kennst. Vielleicht wirst du ein Jünger werden von mir, wir werden es ja sehen."
Christian:
"Aber da ist noch was. Ich wurde mal von einem verraten, der hieß zwar nicht Judas, aber Juergen."
Frank(genervt):
"Mannomann, du hörst ja nicht auf damit (stöhn). Und wie hat er dich verraten?"
Christian:
"Ich hatte kein Ticket in der U-Bahn."
Frank(ärgerlich):
"Du gehst mir jetzt echt auf die Nerven! Jeder Penner, der schwarz fährt, ist jetzt ein Heiliger, oder was?"
Christian:
"Du hast mal wieder recht, Jesus. Kannst du auch Blinde heilen?"
Frank:
"Ja, ich habe vorhin eine blinde Frau über die Straße gebracht."
Christian:
"Hää? Das ist doch keine Heilung."
Frank:
"Mann, denk doch mal nach! Aber ich verzeihe dir, du bist einer vom Pöbel, ein gewöhnlicher Plebejer: Wenn ich der Frau nicht geholfen hätte, wäre sie blind über die Straße gelaufen und wäre überfahren worden. Und das ist ja schon..."
Christian(devot):
"Eine Heilung. Entschuldige mein Unwissen, aber du hast recht, ich bin ein gewöhnlicher Sterblicher. Wobei ich einmal als Kind über Wasser gelaufen bin, aber..."
Frank:
"Aber du hast es bestimmt falsch im Gedächtnis."
Christian:
"Stimmt."
Frank:
"Es war Winter, der See war vereist und da ist es ja kein Problem. Du kannst bestimmt nicht ein Kind fliegen lassen, so wie ich eben auf der Straße tat."
Christian:
"Wie hast du das gemacht, Jesus?"
Frank(stolz):
"Ich habe das Kind getragen, dabei haben die Beine des Kindes den Erdboden nicht berührt. So ist das Kind fünf Meter geflogen!"
Christian:
"Du bist der Messias, der Erlöser. Kannst du mir helfen? Ich bin erkältet und habe Schnupfen. Kannst du mich heilen?"
Frank holt aus seiner Tasche ein Taschentuch und gibt es Christian. Er schnaubt sich die Nase.
Christian(glücklich):
"Du hast mich geheilt! Du bist es wirklich! Kannst du auch AIDS-Kranke heilen?"
Frank:
"Kein Problem, kennst du einen?"
Christian:
"Nein, aber kannst du mich dagegen impfen?"
Frank(laut):
"Ich werde dir keine Krankheiten auferlegen, die ich den Ägyptern auferlegt habe. Denn ich bin
Jesus, der dich impft."
Christian:
"Echt? So einfach geht das?"
Frank:
"Gehe morgen zum Gesundheitsamt und lasse dich auf HIV testen. Dann wirst du es sehen."
Christian:
"Okay, ich lasse mich testen. Und wenn ich negativ bin, dann bist du wirklich der zweite Jesus!"
Frank:
"Toll, daß du mir jetzt glaubst, Otto Normalverbraucher."
Christian:
"Wenn du Gottes Sohn bist, dann kannst du bestimmt super Schach spielen. Wollen wir mal eine Partie spielen?"
Frank:
"Ach, das ist doch gar nicht wahr, Jesus von Nazareth hat doch so was auch nicht gespielt."
Christian:
"Bist du nicht allwissend?"
Frank:
"Ich bin nur Gottes Sohn, nicht Gott selber."
Christian:
"Du kannst doch aber Gott immer nach dem richtigen Zug fragen, oder?"
Frank:
"So, ich gehe jetzt. Ich muß noch einen tauben Menschen heilen, George W. Bush braucht einen höheren IQ und Schäuble will wieder laufen können. Mache es gut, Horst."
Christian:
"Christian."
Frank(genervt):
"Dann halt Christian, ist doch das selbe."
Christian:
"Bevor du gehst will ich dir was zeigen. Habe ich geübt."
Christian schaut eine Tasse an und konzentriert sich. Auf einmal schwebt die Tasse.
Frank(gelangweilt):
"Kann ich jetzt gehen?"
Christian(froh):
"Ist das nicht fabelhaft? Sag doch was dazu."
Frank(ärgerlich):
"(stöhn) Toll, da fliegt jetzt eine Tasse, hilft das irgendwem? Glaubst du, du machst das mit Gottes Kraft? Glaub mir, Gott interessiert sich einen feuchten Kehricht für dich. Tschau!"
Frank will gehen, auf einmal schwebt er.
Frank(schreit):
"DA SIEHST DU MAL, WAS GOTTES SOHN KANN! Da ist dein Tassen-Blödsinn doch gar NICHTS gegen."
Christian:
"Ich mache doch das! Und schwupps, fliegst du nicht mehr."
Frank steht wieder auf beiden Beinen.
Frank:
"Da hast du es gesehen, über welche Zauber ich verfüge. Tschüß, du Gewöhnlicher!"
Christian:
"Männo. Tschau."
Frank geht und Christian schaut seinen Kater an. Dieser verwandelt sich in ein Skorpion, dann in ein Hamster, dann in George Lucas, dann in Romy Schneider und am Ende steht schließlich vor ihm Gott.
Gott:
"Ich bin gekommen um dir zu sagen, daß du Gottes Sohn bist!"
Christian:
"Bin ich doch gar nicht. Na gut, ich gehe morgen zum Gesundheitsamt. Und wenn ich kein Aids habe, dann ist Frank der zweite Jesus. Wenn ich aber AIDS habe, dann ist er es nicht, dann könnte ich es doch sein. Ich hoffe es, denn dann muß ich mich ja heilen können. Geh jetzt bitte."
Gott:
"Männo. Tschau."