Dovers World
  Atelier Eden
 
Atelier Eden
 
Personen:
Markus (der Maler)
Christian (Adam)
Nina (Eva)
 
Studio / Innen
(Ein Maler-Atelier. Große Fenster, angefangene und vollendete Bilder stehen an den Wänden, überall Farbtuben, Dosen und Pinsel, unbemalte Leinwände, Bilderrahmen. Etwa in der Mitte des Raumes eine Staffelei mit einer noch weißen Leinwand. Markus, „der Maler“, trägt einen farbbesprenkelten Kittel. Außerdem ist sein Kumpel, Christian, im selben Raum)
 
Christian:
„Und ? Wie lief es eigentlich mit der Sonja gestern ?“
 
Markus:
„Hmmm. Ich rieche noch den Duft ihrer kastanienbraunen Haare, ich sehe noch ihre smaragdgrünen Augen vor mir und ich spüre noch den Griff ihrer Arme, die mich umklammern und mich beim Orgasmus fast auseinander reißen wollen. Das war ein „Event“ gestern, ich fühle mich heute wie ein neuer Mann.“
 
Christian:
„Ist eine geile Tour, die wir da machen, Markus. Hoffentlich spricht sich das nur nicht zu sehr rum in der Stadt.“
 
Markus:
„Dann ziehen wir halt wieder weiter. In Stuttgart haben wir schon abgeräumt, da haben wir die feinsten „Glamour-Girls“ der Stadt ins Bett bekommen, jetzt machen wir Köln und dann vielleicht Frankfurt.“
 
Christian:
„In Hamburg sind auch ganz schöne Schnitten. Heute ist die Nina dran, ne ?“
 
Markus:
„Ja, die ist deine, Du stehst ja mehr auf die Blondinen, nicht ?“
 
Christian:
„Wir haben auch ganz schön Glück, glaube ich. Denn noch keine wollte das Bild sehen, wir könne ja kein bißchen zeichnen und...“
 
Markus:
„Das hat mit Glück nichts zu tun, wir machen es halt ganz geschickt. Unsere jetzige Tour mit dem...“
 
(es klopft, eine Blondine, wunderschön und tolle Figur, betritt den Raum)
 
Nina:
„Entschuldigung ? Hier ist doch das Maler-Atelier „Ein mal zwei“ ?“
 
Markus:
„Ja, richtig, du bist Nina, nicht ? Komm herein, setz dich, dein Kollege ist schon da. Ihr könnt euch ja schon mal bekannt machen.“
 
Nina:
„Ich wollte erst mal fragen ob ich, äh, das ist doch Akt-Malerei, oder ?“
 
Markus:
„Ja ?“
 
Nina:
„Und da müssen wir auch nackt sein, oder ?“
 
Markus:
„Das ist bei der Akt-Malerei so üblich, liebe Nina.“
 
Nina:
„Ich wollte fragen, ob der Adam von meinem Freund gestellt werden kann. Ich würde ihn gerne anrufen, denn ich habe da so Hemmungen.“
 
Markus:
„Brauchst du nicht haben. Keiner wird sehen bei diesem Bild, wer da jetzt genau die Eva ist. Außerdem wird dein Kollege Carsten...“
 
Christian:
„Christian !“
 
Markus:
„Entschuldige, außerdem werdet ihr euch wahrscheinlich nicht noch mal begegnen. Niemand wird davon erfahren.“
 
Nina:
„O.k. Außerdem brauche ich das Geld. Kann ich es jetzt schon haben ?“
 
Markus:
„Na klar, hier (gibt ihr 50 € ) .“
 
(Nina nimmt das Geld und geht zu Christian, der sie mit leuchtenden Augen anschaut. Sie wendet den Blick ab und entkleidet sich. Christian holt tief Luft, es ist im ganzen Raum zu hören. Sofort dreht sich Nina zu Christian um und schaut ihn verstört an.)
 
Christian(Hand vor dem Mund):
„Mist ! Da fällt mir gerade ein, ich habe dem Schauspieler Thorsten Waldbach vergessen die Antwort zu, ach egal, das mache ich später.“
 
(Nina schaut ihn an, jetzt aber eher neugierig statt irritiert. Christian beginnt sich auszuziehen, Nina zieht sich weiter aus.)
 
Markus:
„Achja, das Malen, meine Leidenschaft. Mein „Abendmahl“ oder meine „Malediven“, beides Bilder, die jetzt übertroffen werden sollen von dem Garten „Eden“. Oder mein Bild „mal Indi, mal Pakistani sein“, ein Bild, welches auch eine politische Botschaft den Leuten in Asien übermitteln soll, jeder kann doch den anderen verstehen, sie können doch ihre Atombomben zusammen bauen und in Frieden wettrüsten. (lacht) So, Spaß beiseite, seid ihr bereit ?“
 
(Christian und Nina sind beide nackt, beide verbergen ihre Genitalien mit der Hand)
 
Christian:
„Wie...wie sollen wir uns jetzt hinsetzen oder hinstellen oder...“
 
Markus:
„Achja, richtig. Carsten, setz dich bitte da auf den Stuhl und du, Nina, setzt dich auf seine Beine, etwas versetzt. Das wird ein natürlich-naturalistsiches Bild.“
 
(Beide setzen sich so hin, wie es Markus gesagt hat. Nina schaut etwas nervös, Markus sitzt hinter ihr und lächelt glücklich)
 
Nina:
„Wie heißen Sie eigentlich ?“
 
Markus:
„Michael Schmidthuber, mein Künstlername ist aber : Pik-Asso. Und dieser Pik-Asso wird jetzt Adam und Eva malen. So, wo sind meine Pinsel ? Das Genie weiß nie, wo soll es mit den Pinseln hie, sag ich immer (lacht).“
 
(Christian streichelt Nina)
 
Nina:
„Lassen Sie das ! Das ist, ist unverschämt, was Sie da machen.“
 
Christian:
„Entschuldigen Sie, ich könnte mich gerade nicht beherrschen. Solch eine Schönheit hatte ich noch nie gesehen, schon gar nicht auf dem Schoß...“
 
Nina:
„Und schon gar nicht nackt, ne ? Ausserdem spüre ich da was erregiertes unter meinem Hintern, UNTERLASSEN SIE DAS.“
 
Markus:
„Lieber Carsten...“
 
Christian:
„Christian !“
 
Markus:
„Lieber Christian, bitte bleiben Sie ruhig. Wir drehen hier keinen Pornofilm oder dergleichen, bitte konzentrieren Sie sich auf etwas anderes, schauen Sie auf den Blumenstrauß, der an dem Fenster steht oder irgendwo anders hin. Also ehrlich !“
 
(Markus geht hinter die Leinwand und pinselt an ihr rum)
 
Christian:
„Was sind Sie von Beruf ?“
 
Nina:
„Das geht Sie nichts an.“
 
Christian:
„Naja, ich bin Student der Pharmazie und bin jetzt im 18. Semester, allerdings schon im Hauptstudium. (Nina schaut genervt weg) Ich wollte schon immer Apotheker werden, den Menschen freundlich und aufgeschlossen helfen und sie beraten...“
 
(Hinter der Leinwand holt Markus sein Handy raus und wählt die Nummer von Christians Handy. Gleich darauf klingelt das Handy.)
 
Christian:
„...auch mit älteren Menschen verstehe ich mich blenden, bin fürsorglich und...upps, mein Handy ! Einen Moment bitte (Nina steht auf, Markus stöhnt laut und Christian geht zu seiner Hose und holt sein Handy raus. Markus legt dann auf.) Hallo ? Ach, Thorsten Waldbach, entschuldige, ich wollte dich anrufen. Ja. Hmmm. Ich weiß, ich weiß, ne, also was ich dir jetzt zu diesem Zeitpunkt sagen kann, daß du die Rolle trotzdem bekommst. Höchstwahrscheinlich. Ja. Der Thomas weiß jetzt halt nicht, wie, ach am besten wir treffen uns heute, dann kann ich dir, jetzt gleich ? Ne, das geht nicht, im bin gerade beim Maler. Obwohl warte mal...(schaut zu Markus) Machen wir heute eigentlich eine Pause ?“
 
Markus:
„Ja, doch, aber erst in einer halben Stunde.“
 
Christian:
„Kann da ein Freund von mir kurz vorbeikommen.“
 
Markus:
„Naja, ok, wenn er gleich nach der Pause wieder geht, dann ja.“
 
Christian:
„O.k. (geht wieder ans Handy) Thorsten, Mann, du bist ja überglücklich, ne ? Wie gesagt 100 % ist es noch nicht, aber fast. Komm einfach in die Finnländische Strasse 12, „Atelier Ein mal zwei, Maler : Pik-Asso“, ok ? Bis dann !“
 
(Markus geht wieder zum Stuhl, Nina schaut ihn immer noch irritiert an, lächelt aber etwas. Beide setzen sich wieder in die vorhin beschriebene Stellung.)
 
Nina:
„Sag mal, du kennst den Schauspieler Thorsten Waldbach ?“
 
Christian:
„Ja, ist ein alter Freund von mir, wir haben uns im Buddelkasten kennen gelernt.“
 
Nina:
„Dann hast du es doch nicht nötig, so einen Job hier zu machen, oder ?“
 
Christian:
„Ich will kein Geld von Thorsten, ich mache das aus Freundschaft. Der Thomas Weingarten will mir auch ab und an Geld geben, das will ich aber nicht.“
 
Nina:
„Thomas Weingarten ? Der auch „Der Rächer mit dem Becher“ gemacht hat ? Oder „Die Liebe im Aquarium“ ?“
 
Christian:
„Ja. Ich kenne durch sie noch andere Schauspieler und Regisseure, mir wurde auch von Thomas schon empfohlen Schauspieler zu werden, er meint ich habe Talent und ein großes Potential. Aber ich will lieber mein Studium zu Ende bringen, Menschen helfen und, entschuldige.“
 
Nina:
„Was denn, Christian ?“
 
Christian:
„Spürst du es denn etwa nicht ? Unter deinem Po ? Sorry, aber du bist...“
 
Nina:
„(streichelt kurz das Bein von Christian) Ach, du bist doch auch nur ein Mensch. Ich weiß, ich habe gewisse Reize, dann sind wir auch noch nackt. Das kann schon passieren. Entschuldige bitte mein Ausraster vorhin, ich bin so aufgeregt gewesen. So etwas habe ich halt noch nicht gemacht, weißt du.“
 
Christian:
„Schau mal, die Blume am Fenster, ist die nicht schön ?“
 
Nina:
„Das ist Kamille, nicht ?“
 
Christian:
„Ja, es riecht nicht nur sehr aromatisch und hat weiße Zungenblätter, sondern auch gelbe Blüten. So gelb wie dein leuchtendes blondes Haar.“
 
Nina:
„Sorry, Christian, aber ich habe einen Freund, weißt du. Das ist nicht böse gegen dich gemeint, ich will dir das nur schon vorher sagen. Ich bin übrigens Journalistin, zur Zeit leider arbeitslos. Warum studierst du eigentlich schon so lange ?“
 
Christian:
„Weil ich, weil ich (Pause) weil ich immer so viel helfe. Andre, ein Freund von mir, hatte mal einen schweren Unfall, da habe ich dann die Uni beiseite gepackt. Dann ist die Mutter von einem sehr guten Freund von meinem Bruder gestorben, da habe ich auch die Uni vernachlässigt. Und dem Thorsten ist...“
 
Nina(dreht sich um):
„...die Frau verstorben. Vor zwei Jahren, ein Autounfall. Aber, aber warum hat dann Thorsten nicht einen anderen...“
 
Christian:
„Ich habe mich gerne um ihn gekümmert. Thorsten hat auch meine Hilfe am meisten bevorzugt, weil ich ein sehr guter Freund von ihm bin und ich auch kein Geld dafür haben will.“
 
Nina:
„(dreht sich wieder um) Entschuldige nochmal meinen Ausraster (Pause) Komisch ist das aber schon. Also, daß du die beiden kennst, ist schon ein ganz schöner Zufall nicht ? Kommt Thorsten Waldbach eigentlich jetzt wirklich her ?“
 
Christian:
„Ja. Ich kenne den Thomas Weingarten persönlich und da habe ich bei seinem neusten Projekt den Thorsten vorgeschlagen. Ich kann das auch ganz gut, mich für jemanden einsetzen, den ich gut kenne und mag. (Pause) Dein Freund muß ein unglaublich glücklicher Mensch sein. Ich verspüre solch ein Glücksgefühl, dich auf dem Schoß zu haben und mit dir zu reden, Nina. Er hat das ja jeden Tag. Vielleicht sogar sein Leben lang.“
 
Nina:
„Das ist erst mal nur eine Beziehung, mehr nicht. Aber wir lieben uns schon etwas länger, weißt du. Du hast doch bestimmt auch eine Freundin, oder?“
 
Christian:
„Mir ist die richtige noch nicht über den Weg gelaufen. Meine letzte Freundin hat es gestört, daß ich mich so sehr für meine Freunde und Bekannte eingesetzt hab. Neben der Uni habe ich leider auch sie manchmal zu sehr vernachlässigt.“
 
Nina:
„Ich hätte dafür schon Verständnis. Aber trotzdem komisch das ganze. (lacht) Tut mir leid, Christian, ich kann das ganze erst glauben, wenn ich den Thorsten hier sehe.“
 
Christian:
„Ich kann das verstehen, Nina. Darf ich ? (streichelt die Arme ganz sanft von Nina).“
 
Nina:
„O.k., wenn du weiter nichts machst (kichert).“
 
Christian:
„Du hast so schöne, elegante Arme, deine zarten Häärchen auf deinem Arm glänzen und leuchten so, es ist wie ein Weizenfeld, welche sich beim Wind auf und ab bewegt, wenn ich deine Arme streichle. Schade, daß ich gerade in diesem Moment nicht in deine azurblauen Augen schauen kann, Nina.“
 
(es klopft. Markus schaut von der Leinwand.)
 
Markus:
„Na, das scheint ja dein Schauspieler-Freund zu sein. Ein bißchen früh. Naja, egal, machen wir die Pause halt jetzt schon.“
 
(Nina und Christian stehen auf und ziehen sich schnell an. Daraufhin bittet Markus denjenigen herein.)
 
Thorsten(macht die Tür auf und bleibt stehen):
„Tut mir leid, daß ich jetzt schon gekommen bin. Ich will es jetzt unbedingt wissen.“
 
Markus:
„Ja, kommen Sie rein und setzen sich.“
 
(Thorsten kommt rein und setzt sich. Dabei schaut er auf den Boden. Nina traut ihren Augen nicht und streichelt Christian. Dann gibt sie ihm kurz einen Kuß.)
 
Christian:
„Tut mir leid, lieber Thorsten, ich kann jetzt doch nicht. Ich habe eine ganz tolle Frau gerade kennen gelernt und möchte jetzt gerne mit ihr mich weiter unterhalten. Du bekommst die Rolle zu 99 %, und ich rufe dich gleich morgen vormittag an, dann machen wir einen neuen Termin, ok?“
 
Thorsten(schaut auf den Boden):
„Ja, ist schon gut. Du hast mir so oft in meinem Leben geholfen, du mußt dich dafür jetzt nicht entschuldigen, mein Freund.“
 
Nina:
„Ich fand Ihren Film „Liebe im Aquarium“ umwerfend ! Ganz toll. Normalerweise würde ich jetzt ein Autogramm von Ihnen haben wollen, mich mit Ihnen länger unterhalten wollen – aber ich habe gerade einen ganz tollen Mann kennen gelernt.“
 
Christian:
„Komm, Nina, mein Vögelchen, lass uns in ein schickes Cafe gehen.“
 
Nina:
„Wir können auch zu mir gehen, ich habe noch Rotwein zu Hause. Da kannst du mir alles erzählen, über deine Pharmazie, deine Freunde...“
 
(Nina und Christian gehen Arm in Arm raus. Und schließen die Tür. Jetzt schaut Thorsten vom Boden auf und sieht Markus an.)
 
Thorsten:
„Warum dieses ganze Spiel eigentlich ? Warum diese Losung mit den vier Sätzen, die ich jedesmal sagen und dabei auf den Boden reumütig schauen muß ?“
 
Markus:
„Das muß halt so sein, ist doch ganz geheim, unser Ding mit der Susanne.“
 
Thorsten:
„Die beiden wissen doch nicht, warum ich eigentlich hier bin, oder ?“
 
Markus:
„Nein, nein. Der Christian ist mein Kumpel, er sitzt immer nackt neben den Schauspielerinnen, die ich natürlich auch nackt male.“
 
Thorsten:
„Ich will Susanne ! Endlich ! Ich bin schon das dritte mal hier, ich will es endlich haben, das Bild !“
 
Markus:
„Ich habe wie gesagt nur die Kopie, das Original wollte sie haben. Das ist jetzt schon vier Jahre her, da war sie noch gar nicht berühmt, wie ich dir vorgestern sagte. Aber die Kopie ist 1:1, ihre Schönheit ist auf dem kopierten Bild unverkennbar.“
 
Thorsten:
„Schwarze Haare und blaue Augen, und das so schön, so etwas habe ich noch nie gesehen gehabt. In der Vorabendserie, wo wir beide mitgespielt haben, hatten wir leider nicht so viel miteinander zu tun gehabt, geschweige den eine Bettszene. Ich habe mich auch nicht getraut, sie direkt zu fragen, ob wir uns mal treffen können. Ihre Schönheit hat mich jedesmal versteinert und gelähmt !“
 
Markus:
„Das Bild kannst du haben, aber...“
 
Thorsten:
„Was aber ?“
 
Markus:
„Ich habe es heute leider mit der anderen Mappe in die Kunsthochschule mitgenommen, weil ich einige Farben noch nachsetzen wollte, sie da gelassen – und vergessen mitzunehmen.“
 
Thorsten:
„VERDAMMT !! SCHON wieder kann ich es nicht nach Hause nehmen !“
 
Markus:
„Morgen aber 100 %, dafür lege ich meine Hand ins Feuer, morgen ist das Bild deins !“
 
Thorsten:
„Aber wirklich, ja ?“
 
Markus:
„Du bekommst auch Rabat, weil du solange warten mußtest.“
 
Thorsten:
„Geld spielt mir keine Rolle, ich würde dir fast mein gesamtes Vermögen geben, wenn ich das Bild endlich habe. Also gut, dann bis morgen !“
 
(Thorsten geht aus dem Atelier. Markus pustet kurz Luft raus und geht zu der Leinwand. Jetzt sieht man das Bild, an dem er die ganze Zeit gepinselt hat. Es sind nur ein paar Striche mit Ölfarbe, mehr nicht.)
 
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