Dovers World
  Der Liedermacher und Wowereit
 
In dem Festsaal des Berliner Rathauses sitzen einige Menschen, unter anderem Journalisten und Photographen. Vorne sitzt der Liedermacher Wolfgang Fischer und an dem Pult der Bürgermeister Klaus Wowereit.
 
Fischer(singt):
„Im schönsten Wiesengrunde ist meiner Heimat Haus...“
 
Wowereit(unterbricht):
„RUHE BITTE! Ruhe! Liebe Damen und Herren, ich darf Sie heute herzlich begrüßen zu einer Ehrung eines bekannten und wohltätigen Liedermachers. Die Rede ist von Wolfgang Fischer, der heute als Ehrenbürger der Stadt Berlin ausgezeichnet wird. Herr Fischer, kommen Sie bitte nach vorne.“
 
Der Liedermacher steht auf und geht zu Wowereit.
 
Fischer(singt):
„Prinz Eugen, der edle Ritter, wollt´ dem Kaiser wied´rum kriegen.“
 
Wowereit gibt Fischer eine Ehrenurkunde.
 
Wowereit(genervt):
„Hier, bitte.“
 
Fischer(singt):
„Gib, blanker Bruder, gib uns Wein und laß die Hand besehn.“
 
Wowereit:
„Damit schließe ich diesen festlichen Akt.“
 
Fischer(enttäuscht):
„Das war´s schon? Du hast doch gar keine richtige Laudatio gehalten!“
 
Wowereit(gereizt):
„Das hat auch seinen Grund.“
 
Fischer:
„Nur weil ich zur Illustrierten BLITZ gegangen bin und erzählt habe, daß du gerne rosa Socken trägst?“
 
Wowereit:
„Das war eine Unverschämtheit. Außerdem sind wir nicht per du. Für Sie immer noch Herr Wowereit.“
 
Fischer:
„Ach, sei doch nicht so. Zeig mal deine Socken.“
 
Fischer bückt sich und zieht die Hose von Wowereit hoch.
 
Wowereit(ärgerlich):
„Was soll das?!“
 
Fischer(freundlich):
„Na heute hast du Socken mit Blümchen an. Das sieht doch schon besser aus.“
 
Wowereit:
„Lassen Sie das!“
 
Fischer:
„Und dann habe ich BLITZ noch erzählt, daß du mit Angela Merkel eine Affäre hast. Obwohl du stockschwul bist. (singt) Ich bin ein Schreiner, hoble glatt, ich hoble hin und her! (spricht) Ich dachte, das ist lustig, wenn ich das erzähle. (singt) Die Liebe, die Liebe, die Liebe macht die Menschen dumm.“
 
Wowereit:
„Ich beende hiermit diese Veranstaltung.“
 
Journalist:
„Darf ich noch eine Frage stellen? Wieso bekommt Herr Fischer eigentlich die Ehrenbürgerschaft, was hat er dafür geleistet?“
 
Wowereit(genervt):
„Naja, der hat da so ein bißchen, aber wirklich nur ein bißchen, ein paar Kranken geholfen, durch Glück und Zufall, dann hat er den Armen in der Welt etwas Geld verschafft, aber nur ein bißchen Geld. Er wurde von irgendwem zu irgendwas vorgeschlagen, ich mache das nur aus...“
 
Fischer(unterbricht):
„Ich habe herausgefunden, daß man Krebs-Kranken Safran geben muß, das beseitigt die gefährlichen Krebszellen. Krebs ist jetzt sehr leicht heilbar. Dann habe ich die Afrika-Demonstrationen ins Leben gerufen, die gibt es jetzt schon fünf Jahre. Anfangs sind wir einfach auf die Straße gegangen und haben für Afrika demonstriert. Viele Menschen haben seitdem mitgemacht, und wir haben ein Spendenkonto eingerichtet, wo bis heute viele Millionen Euro eingegangen sind.“
 
Journalist(überrascht):
„Ach, das waren Sie! Wie interessant!“
 
Wowereit:
„Herr Fischer, Sie sind ohne das eigentliche Wissen auf die Straßen gegangen und haben Transparente getragen, wo dick ‚Afrika‘ draufstand. Mehr nicht. Da gehört auch viel Glück dazu.“
 
Fischer:
„Und das mit den Krebskranken?“
 
Wowereit:
„Sie haben in der Küche ein bißchen rumexperimentiert, da ist ein Glas Safran umgefallen, oder so, naja, Sie haben gar nicht Medizin studiert, das war nur Glück, geben Sie es zu.“
 
Fischer(stolz):
„Ich habe viel Literatur dafür gelesen. Ich habe endoskopische Ultraschalldiagnostik mit der Angiographie im Robert-Koch-Institut durchgeführt. An Gewebeproben habe ich die Szintigraphie angewandt und...“
 
Woweriet(unterbricht):
„Glück, Glück, Sie haben ja mal im Lotto auch noch gewonnen gehabt.“
 
Fischer:
„Ich habe vier Monate die gesamte Astrologie studiert und so die Lottozahlen ermittelt. (singt) Glück auf, Glück auf! Der Steiger kommt und er hat sein helles Licht bei der Nacht.“
 
Wowereit:
„Na gut, Sie haben ein Heilverfahren für Krebs erfunden und Geld für Afrika gesammelt.“
 
Fischer:
„Es ist ein sehr leichtes und billiges Heilverfahren. Und es wurden durch mich viele Millionen Euro für Afrika gesammelt.“
 
Wowereit:
„Also gut, Sie haben ein leichtes und billiges Heilverfahren für Krebs erfunden und viel Geld für Afrika gesammelt. Das war´s aber auch schon.“
 
Journalist(bewundernd):
„Das ist eine tolle Leistung.“
 
Fischer:
„Außerdem habe ich dem Trainer von Hertha BSC viele Tips gegeben und deswegen ist Berlin Deutscher Meister geworden.“
 
Journalist(überrascht):
„ACH, Sie waren das! Ich habe nur gehört, daß ein Freund vom Trainer da geholfen hat, dessen Namen kannte ich aber nicht. Das ist doch erstaunlich, Herr Wowereit!“
 
Wowereit:
„Das ist doch nur Fußball, so ein sinnloses Gekicke.“
 
Journalist:
„Wissen Sie denn nicht mehr den Festzug durchs Brandenburger Tor? Da waren 500.000 Menschen bei der Meisterschaftsfeier!“
 
Wowereit:
„Na gut, Sie, Herr Fischer, haben ein leichtes und billiges Heilverfahren für Krebs erfunden und viel Geld für Afrika gesammelt und haben Berlin geholfen Deutscher Meister im Fußball zu werden. Das war´s aber auch wirklich schon.“
 
Fischer(grinst):
„Und zu guter Letzt : Vor zwei Wochen habe ich im Schach gegen den amtierenden Weltmeister Kramnik gewonnen! Jetzt staunen Sie aber, nicht?“
 
Journalist:
„Ach, das waren Sie? Ich habe davon gehört, doch dachte ich, daß der Weltmeister aus den Siebzigern, der Amerikaner Robert Fischer, gegen Kramnik gewonnen hat. Das ist ja eine erstaunliche Leistung, oder, Herr Wowereit?“
 
Wowereit(stöhnt):
„Also gut, Sie, Herr Fischer, haben ein leichtes und billiges Heilverfahren für Krebs erfunden und viel Geld für Afrika gesammelt und haben Berlin geholfen Deutscher Meister im Fußball zu werden und haben im Schach gewonnen. Mehr nicht.“
 
Journalist:
„Gegen den amtierenden...“
 
Wowereit(unterbricht):
„(stöhnt) Also gut, Sie, Herr Fischer, haben ein leichtes und billiges Heilverfahren für Krebs erfunden und viel Geld für Afrika gesammelt und haben Berlin geholfen Deutscher Meister im Fußball zu werden und haben im Schach gegen den amtierenden Weltmeister Kramnik gewonnen. Das war´s aber jetzt auch wirklich schon.“
 
Fischer(singt):
„Gott gnad dem großmächtigsten Kaiser fromme, Maxifischerian!“
 
Journalist(überwältigt):
„Ein toller Mann, viele gute Sachen hat er in die Wege geleitet. Er hat wirklich eine schöne Laudatio verdient.“
 
Fischer:
„Genau, vergiß mal das Interview von mir in der BLITZ. Ich habe da auch noch verraten, daß du gerne in deiner Freizeit ‚Blinde Kuh‘ spielst.“
 
Wowereit(ärgerlich):
„Also wirklich!“
 
Die Menschen in dem Saal lachen.
 
Fischer:
„Und daß du Poster von der ‚Bravo‘ und dem Heft ‚Mädchen‘ sammelst. Und daß du mit den Spielsachen in den Überraschungseiern spielst.“
 
Wowereit:
„Unverschämt sowas!“
 
Fischer:
„Und das du gerne Seelachs mit Erdbeermarmelade ißt.“
 
Die Menschen im Saal lachen noch lauter.
 
Journalist:
„Wieso haben Sie so viel über Herrn Wowereit in dem besagten Interview erzählt, Herr Fischer?“
 
Wowereit(neugierig):
„Das würde ich auch gerne wissen.“
 
Fischer:
„Ich wurde gefragt, über welche Person ich am meisten lachen kann.“
 
Journalist:
„HAHAHAHA!“
 
Wowereit(gereizt):
„Ich beende hiermit diese Veranstaltung.“
 
Fischer:
„Hast du nicht was vergessen?“
 
Journalist:
„Genau, die Laudatio.“
 
Wowereit(stöhnt):
„Also gut, Sie, Herr Fischer, haben ein leichtes und billiges Heilverfahren für...“
 
Journalist(unterbricht):
„Eine richtige Laudatio hat Herr Fischer verdient, nicht einfach nur eine trockene Aufzählung seiner Taten!“
 
Fischer(singt):
„Als die Wowereits frech geworden, zogen sie nach Deutschlands Norden.“
 
Wowereit(verkrampft):
„Na gut, na gut (Pause) Heute ist ein besonderer Tag, an dem wir uns erinnern sollten, welche Aufgabe jeder Bürger dieser Stadt hat. Zu helfen, dafür zu sorgen, daß die Lavendelblüten in den Toaster passen und das Weidekraut die Coladosen schmückt. Der stolze Berliner Ritter steht auf dem Honigpodest und besingt die Liebe zum Regenbogen und zum Büchersekt, welchen er genießt und trinkt zum Wohlwollen aller. Der heutige Tag ist ein Festtanz der Plastikbienen und Maibüchsen, den wir auf unsere Art huldigen wollen. Ein besonderer Tag für einen besonderen Menschen, das hat er verdient und er bekommt den Beinamen Mondkönig. Guter Mond, du gehst so stille in den Abendwolken hin, bist so ruhig, und ich fühle, daß ich ohne Ruhe bin.(Pause) Herr Fischer, kommen Sie bitte nochmal nach vorne, das wir sie alle sehen können, in voller Gestalt, so erhaben und edel, wie ein schäumendes Wurstfaßbier.“
 
Wolfgang Fischer kommt nochmal nach vorne. Die Menschen im Saal applaudieren.
 
Fischer(glücklich):
„Danke, danke.“
 
Journalist:
„Sagen Sie uns doch, was ist ihr nächstes Projekt, was ist ihr nächstes Ziel?“
 
Fischer:
„Ich will Bürgermeister dieser Stadt werden, von Berlin, der schönsten Stadt in unseren Gefilden.“
 
Journalist:
„Sie wollen Bürgermeister werden? Da müssen sie ja bei der nächsten Wahl gegen Wowereit antreten.“
 
Fischer(prahlend):
„Den schlage ich locker. Was hat der schon zu bieten?“
 
Wowereit(ärgerlich):
„So, das reicht jetzt. Halten Sie noch ihre Dankesrede, Herr Fischer, und dann ist gut.“
 
Fischer(stolz):
„Es ist ein erhabenes Gefühl, heute hier zu stehen und von allen umjubelt zu werden. Zwar hat mich ein peinlicher Bürgermeister ausgezeichnet, der gerne abends vor dem Einschlafen das Lied aus der ‚Sendung mit der Maus‘ pfeift und seine Haare mit Babywindeln trocknet...“
 
Wowereit(unterbricht):
„Na sagen Sie mal, was fällt Ihnen ein? Bleiben Sie schön sachlich!“
 
Fischer(schmollt):
„Ich habe dich bei der Laudatio auch nicht unterbrochen.“
 
Wowereit:
„Für Sie immer noch HERR WOWEREIT!!“
 
Journalist:
„Das stimmt, Herr Bürgermeister. Lassen Sie ihn ausreden.“
 
Wowereit:
„Grrmfff.“
 
Fischer(glücklich):
„Von diesem Tage werde ich meinen Enkeln erzählen, die zahlreich sein werden. Im Gegensatz zu unserem Bürgermeister, der nie eigene Kinder haben wird. Was weniger dran liegt, daß er schwul ist. Auch wenn Schwule Kinder kriegen könnten, würde er keine haben. Denn das setzt Liebe voraus, und die bekommt man nur, wenn man bewundert wird. Doch wer soll ihn schon bewundern? Ein Mensch, der in Kreuzworträtsel Smiles malt, der im Lotto pro Tip nur drei Zahlen ankreuzt und der bei Oddset tippt, daß Erzgebirge Aue gegen AC Mailand gewinnt, was gar nicht stattfindet. (singt) Der Wowi in dem grünen Wald, der sucht des Schatzes Aufenthalt. Doch den Schatz hab ich stets bei mir in diesem grünen Waldrevier. Ich sing mein Lied aus voller Brust, der Hirsch tut einen Satz vor Lust.“
 
Wowereit:
„So, jetzt ist es gut. Ich beende diese...“
 
Journalist:
„Sind Sie etwa schon fertig, Herr Fischer?“
 
Fischer:
„Noch lange nicht!“
 
Wowereit:
„Machen Sie endlich hin.“
 
Fischer(grinst):
„Wußten Sie eigentlich, daß der Wowereit immer seine Benjamin-Blümchen-Kassetten in ein CD-Player zu tun versucht und sich wundert, warum das nicht geht? Oder daß er sich seinen Aschenbecher auf seinen Kopf aufsetzt und in seinen Hut ascht? Oder daß er Bier aus einer Nuckelflasche trinkt und bei Deutschlandspielen die Hymne von Hawaii singt? Oder daß er....“
 
Journalist:
„HAHAHAHAHA!“
 
Wowereit(stöhnt):
„Also gut, Sie, Herr Fischer, haben ein Heilverfahren für den Fußball erfunden und viel Geld fürs Schach gesammelt und haben Afrika geholfen Deutscher Meister im Krebs zu werden und...“
 
Fischer(singt):
„Kommet, ihr Hirten, ihr Männer und Frauen! Kommet, das schaun! Eia popeia, was raschelt im Stroh? Die Gänschen gehen barfuß und haben kein´ Schuh!“
 
Journalist:
„Bei der nächsten Wahl wähle ich Sie, Herr Fischer, und nicht den Wowereit.“
 
Fischer(singt):
„Ha,ha, ha! Juch, nun sind wir da!“
 
Wowereit(resigniert):
„Also, gut, es soll so sein. Der traurige Ganove soll sehen, wenn seine Zeit gekommen ist. Die Zigarette soll vom Baumbett fallen und der holprige Papagei soll den Kugelschreiber verschlucken. Auf das neue Helden den alten Barden ablösen und die Margarine im Moor versinkt. Was hat der geizige Reiter vom Saturn zu bieten, wenn der holde schwarzbraune Stier den Opel besteigt? Was kann das Handy verrichten, wenn doch am gelben Schwanenhals das Amulett des Jakobs hängt? Wer gibt dem Proleten sein Gummibrot, wenn doch eh das Herz des Pavians verschlossen ist? Ich gebe auf und lege mein Amt nieder. Soll der Krebs-Afrika-Fußball-Heiler unsere Stadt regieren und auf die oberste Stufe der Siegessäule steigen! ADIEU LIEBE STADT!“
 
Klaus Wowereit verläßt den Raum und Wolfgang Fischer setzt sich eine Krone aus Pappe von McDonalds auf. Die Menschen im Saal klatschen und applaudieren dem neuen Bürgermeister von Berlin.
Am nächsten Tag beschließt Wowereit auch Ehrenbürger von Berlin zu werden. Er braucht einen Erfolg. Also geht er zum Mensch-Ärgere-Dich-nicht-Club in Mahlsdorf am Rande von Berlin um dieses Spiel zu trainieren. Sein Ziel : Gegen den amtierenden Weltmeister in Mensch-ärgere-dich-nicht anzutreten, gegen Herrn Sesamgasse.
 
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