Wer kennt die Katze nicht, dieses kleine Raubtier mit funkelnden Augen und feinem Fell, wachsam und wißbegierig, manchmal auch neugierig, ein ähnlicher Gesellschafter des Menschen wie ein Hund. Doch wollen die Katzen nicht mehr als das ? Ein Status NEBEN dem Menschen über diesen nervigen Tölen ! Oder sogar ein Status ÜBER den Menschen ! Deshalb müssen die Katzen eine weltweite Gemeinschaft bilden, zusammenhalten - und eine Religion, einen Katzen-Gott ernennen !
Wer könnte das aber sein ? Das haben sich die Katzen auch gefragt und es wurde als erstes ‚Agouti‘, die Norwegische Waldkatze, vorgeschlagen. Das hohe Gremium, welches den Katzen-Gott ernennen sollte, tagte in New York und nannte sich UNOCAT-Sicherheitsrat. Der Generalsekretär Katzi Annan eröffnete den Convent und bat Agouti den Saal zu betreten. Katzi Annan fragte Agouti, wieso sie sich als Katzen-Gott vorgeschlagen hat.
Agouti sprach mit eindrucksvollen Gesten : „In einer Nacht unter dem Feigenbaum erlangte ich durch Meditation die Erleuchtung : Über meine früheren Leben, über Geburt und Tod der Lebewesen, über die Unwissenheit, die mich an diese Welt gefesselt hat, und über den ewigen Kreislauf der Wiedergeburt. Die UNWISSENHEIT muß gepredigt und von allen Katzen befolgt werden. Sie sollen dumm sein und mir gehorchen, sich unter dem roten Gebetsteppich in meinen Tempeln vor Angst verkriechen und jede Woche einen Ablaßbrief mit der Summe 1.000.000 Katzterzen an mich zahlen. Es sollen sich bei dem Klang meines Namens die Haare jeder Katze sträuben, und sie sollen jedes ihrer Kinder Agouti nennen. Überall werden Statuen von mir aufgestellt, es wird nur eine Zeitung geben, die unter meinem Namen laufen wird und wenn alle Katzen demütig sind und mir gehorchen, dann werde ich die Menschheit unterjochen ! Ich, Katzen-Gott Agouti, habe gesprochen !“
Katzi Annan berichtigte Agouti sofort, denn der hohe Rat der UNOCAT werde entscheiden, wer dieser Katzen-Gott endgültig sein werde. Agouti wurde nach draußen gebeten, denn das Gremium wollte sich beraten. Agouti spreizte ihre kräftig entwickelten Krallen und wollte das Ergebnis auf der Stelle wissen. Sie wollte auf der Stelle mit der Götterkrone geweiht werden und für den Rest ihres Lebens die größte Katze auf der Welt sein. Agouti mußte aus dem Saal herausgezerrt werden. Die Tür schlug zu und man hörte nur noch ein wehleidiges Fauchen.
Der Rat war sich nach kurzer Zeit einig : Eine Katze wie Agouti darf auf keinen Fall die Katze sein, die von allen Katzen angebetet werden soll. Die Agouti-Religion würde einen Götterstaat wie es die Menschen im Iran unter Chomeini hatten zur Folge haben. Die nächste Katze wurde hereingebeten. Es war ein Kater mit dem Namen ‚Schwarzer Perser‘. Ganz bedacht und vorsichtig ging er zum Rednerpult und begann ziemlich leise und verhalten zu sprechen. Annan forderte ihn auf etwas lauter zu sprechen.
Der schwarze Perser sprach :“Katzishatta heißt wörtlich ‚erleuchtete Katze‘. Ich habe mich verliebt in diese erleuchtete Katze. Sie ist die Idealgestalt der Katzen und wird eine große Bedeutung bei den Katzen erlangen. Jede Katze wird, wenn diese Katze der Gott wird, mit stolz erhobener Brust sagen : Ich bin eine Katze, und ich bin stolz darauf ! Dieser Katzen-Gott verzichtet auf das Nirvana, um anderen Wesen zur Erlösung zu verhelfen. Er wird vom Pöbel prächtig gekleidet sein, um seine Weltlichkeit im Gegensatz zur Schlichtheit hervorzuheben. Und diese Katze ist auch deswegen die beliebteste der ganzen Welt, weil sie unsagbar schön ist. Ihr versonnener Gesichtsausdruck berührt einen mit einer zarten Melancholie, die runde Kopfform mit den kräftigen Wangen, dem gerundeten Kinn und der kurzen Nase gibt einem den Donnerhall des perfekten Glanzes, der einen schockiert und zwei Schritte zurückgehen läßt, den man bekommt Angst, daß man den Anblick dieser wahren Schönheit, bei der Gott, der die Welt in einer Woche erschaffen hat, bei dieser Katze jedoch drei ganze Wochen gefeilt und gezaubert hat, man bekommt Angst, daß der Anblick dieser Katze die restlichen Lebewesen als verkrüppelte und verkorkste Kreaturen hinstellt, man bekommt Angst, daß man diesen Anblick dieser Katze nicht überlebt weil sie so unglaublich schön ist. Diese Katze, von der ich die ganze Zeit rede und die ich euch, liebes Gremium, als Katzen-Gott wärmstens empfehlen will – bin ICH ! Der Schwarze Perser !“
Ein Raunen ging durch den Saal und Der Schwarze Perser wurde rausgeschickt. Auch hier war sich der Rat nach kurzer Zeit einig, daß der Perser-Kater nicht geeignet ist für den Posten des Katzengottes. Er hat sich was Selbstverherrlichung und egoistische Glorifizierung betrifft mehrmals überschlagen. Etwas entmutigt und von der eigenen Erwartung bisher nicht im mindesten betätigt bat Katzi Annan den dritten Kandidaten herein. Sie hieß ‚Maine Coon‘ und schritt mit einem Admiralshut auf die Rednerbühne zu. Im gleichen Takt wedelte ihr buschiger, waschbärähnlicher Schwanz von links nach rechts. Schließlich begann sie nach tiefem Luft holen mit energischer Stimme : “Bei Nacht sind alle Katzen grau. Damit will ich ausdrücken, daß wir alle in einem Boot sitzen und niemand es sich erlauben darf oder dürfte oder sollte sich als einen ‚Katzen-Gott‘ zu bezeichnen. Ich, Maine Coon, bin nicht im geringsten interessiert ein solches Götzenbild für die Katzenwelt zu werden. Ich habe mich hier nur angemeldet um etwas auszusprechen, was mir auf dem Herzen liegt. Da sämtliche Sender mich gerade ausstrahlen, vor allem der berühmte CTV, der stets kolossale Einschaltquoten vorzuweisen hat, der...ach, komme ich zum eigentlichen : Katz aus dem Haus, rührt sich die Maus ! Wir sollten uns zusammenschließen, aber nicht um irgendwen als Gott auszuwählen, sondern um unseren Feind Nr.1 zu töten : Es ist nicht der Hund, auch nicht der Hamster, es ist -> Die Maus ! Können wir es nicht erreichen dieses Tier zu besiegen ? Müssen wir uns es gefallen lassen, daß die Menschen über uns spotten indem sie eine Zeichentrickserie produzieren wo ein gewisser Versager mit dem Namen Tom es nicht auf die Reihe bekommt diese scheiß Jerry zu erledigen ? Wenn die Katze fort ist, dann tanzen die Mäuse. Und wenn wir es irgendwann endlich geschafft haben die Maus zu erledigen – dann werden wir Grund zum Tanzen haben. Denn dann werden die Menschen neue Serien produzieren, wo wir vergöttert werden, und es wird für uns das allerbeste Futter produziert. Leckere Seebarschfilets mit zarter Dillsauce oder Pökelfleisch mit Paprikawürze ! Denn das ist klar : Ein devotes und ergebenes Leben unter dem Menschen würde uns das eine oder andere Privileg verschaffen. Laßt uns Frieden schließen mit den Hunden, denn sie sind bei den Menschen auch sehr beliebt ! Laßt uns unser Streben nach Autonomie und Unabhängigkeit vergessen, wir sind erschaffen worden um dem Menschen zu dienen. Der Katzen Lebenssinn ist der Mäuse Tod !“
Mit stolzen Schritten und dem Bewußtsein genau das richtige ausgesprochen zu haben verließ Maine Coon den Saal. Diesmal ging die Besprechung des UNOCAT noch schneller. Denn so etwas hatte man nun wirklich nicht im Sinn : Eine völlige Kapitulation und totale Abhängigkeit von den Menschen.
Bevor der nächste Kandidat hereingebeten wurde fragte Annan den Rat, ob man es vielleicht belassen sollte einen Katzen-Gott zu ernennen. Man könnte den längst verstorbenen Katzen-Helden ‚Der gestiefelte Kater‘ anbeten und die UNOCAT würde den Feldzug der Katzen gegen die Menschen organisieren. Nach einer kurzen Beratung des Gremiums stimmte man Katzi Annan zu. ‚Britisch Kurzhaar‘ erhob sich und sprach :“ Dann wollen wir es so machen wie es Annan vorschlug. Um endlich die Menschen den Katzen unterzuordnen. Doch es wäre ratsam sich mit anderen Tieren zu verbünden. Wenn wir eine große Gemeinschaft gebildet haben, wie bekämpfen wir den Menschen ? Da gibt es bei uns ein Sprichwort, welches uns die Antwort gibt : Der Katzen Scherz ist der Menschen Tod ! Wir werden eine Comedy-Gruppe nominieren, die bei den Menschen im Fernsehen zu sehen sein wird. Und wir werden solch geniale und ultrawitzige Sketche produzieren, daß die Menschen sich im wahrsten Sinne des Wortes totlachen werden ! Ich denke, dies werden wir schaffen, ich habe mich nämlich mit den ‚besten‘ Komikern der Menschen beschäftigt – und es ist wirklich nicht so doll, was da kreiert wurde. Das können wir Katzen weitaus besser ! Die besten unter den Menschen sind die ‚Monty Pythons‘, bei uns Katzen würden die allerhöchstens in einer Regional-Sendung irgendwann wochentags mitten in der Nacht laufen. CTV oder SuperCTL würden das sicherlich nicht ausstrahlen. Wir werden eine Komiker-Truppe ernennen ! Was haltet ihr davon, hohes Gremium ?“
Nach einer andächtigen Pause erschallte im ganzen Saal ein tosender Applaus. Man war sich sofort einig, Britisch Kurzhaar war derjenige, nachdem man gesucht hat. Nur der Karthäuser applaudierte nicht, sondern verschränkte die Arme und fragte :“Was für Witze sollen es denn sein, die den Menschen vor Lachen umbringen sollen ?“ Alle schauten Britisch Kurzhaar an und dieser sprach einen Witz, den ich, Dover, Euch Zuschauern jetzt nicht erzählen kann. Ich habe nur die ersten vier Wörter des Witzes gehört und mußte schon auf der Stelle in eine Heilanstalt. Aber seid euch eins gewiß, liebe menschlichen Zuschauer : Die Katzen werden mit ihren Witzen uns alle erledigen ! Vielleicht sollten wir uns mit Drogen vollpumpen und unser Hirn demolieren, damit wir die Genialität der Katzen-Witze erst gar nicht verstehen können !
Diese von mir beschriebene UNOCAT-Sitzung hat sich vor drei Jahren ereignet. Demzufolge ist es sehr wahrscheinlich, daß die Katzen demnächst bei uns Menschen bei ProSieben oder Sat1 auf Sendung gehen werden.
„Durch die Katz´ werden wir alle zu Nuts“