Dovers World
  Permutation am Abend I
 
Moderator (lächelt):
„Guten Abend, meine Damen und Herren, ich begrüße Sie recht herzlich zu unserer heutigen Gesprächsrunde in unserer Sendung „Permutation am Abend“. Wir wollen heute unser Augenmerk auf die Verbindung der Wissenschaften zueinander richten, auf die Synergie von den mathematischen -naturwissenschaftlichen und den geisteswissenschaftlichen. Um am Ende zur Metaphysik zu gelangen. Zwei Herren, die ich ihnen letzte Woche genannt hatte, konnten heute Abend leider nicht erscheinen. Herr Dr. Winger, Doktor der Philosophie und Herr Meisner, Diplom-Mathematiker.“
 
Frau Weidner hebt die Arme hoch.
 
Weidner:
„Prima, prima...und ich habe eine Konferenz heute extra abgesagt.“
 
Der Moderator dreht sich zu Frau Weidner.
 
Moderator:
„Es tut mir leid, Frau Weidner, aber Herr Dr. Winger konnte nicht erscheinen, da er Vater geworden ist. Und Herr Meisner ist leider Witwer geworden. Mein herzliches Beileid.“
 
Weidner:
„Weiß nicht, wer es schlimmer hat. Ich glaube der Philosoph, typisch. Bei den Mathematikern ist immer gleich alles sonnenklar, bei den Philos wird erst mal ein Kind gezeugt, um eine längere Bedenkzeit zu haben. Mann, Mann....“
 
Moderator:
„Dafür ist heute Frau Weidner, wie Sie schon feststellen durften, liebe Zuschauer, gekommen. Sie sollte uns einen kleinen Einblick in die Metaphysik geben, das Gespräch leiten und auf seine Richtigkeit prüfen und womöglich, wenn es uns heute gelingen sollte, die Quintessenz des Gespräches daraus herleiten.“
 
Weidner (hebt entrüstet den Arm):
„Ist ja unglaublich alles. Sie können ruhig Fussball schauen gehen, heute ist doch UEFA-Cup Halbfinale, ich kann auch noch moderieren !“
 
Moderator (lächelt):
„Aufgrund des heutigen Personalmangels haben wir heute Ersatz aus der Freien Universität Berlin eingeladen. Herr Wahrich ist akademischer wissenschaftlicher Mitarbeiter im Mathematik-Institut und dort unter anderem als Tutor tätig.“
 
Weidner (genervt):
„Fertig studiert ?“
 
Der Moderator dreht sich zu Herrn Wahrich und lächelt ihn an.
 
Wahrich:
„Nein, aber bald. Ich bin im 15. Semester und bin stolzer Besitzer des VOR-Diploms, mit welchem ich die verantwortungsvolle Aufgabe des Tutoriums in der...“
 
Frau Weidner klatscht mit den Händen auf ihren Oberschenkel.
 
Moderator (lächelt):
„Ist doch eine bunte, zufällige Konstellation heute. So wurden doch auf unserer Erde die meisten Sachen entdeckt und erfunden.“
 
Weidner (genervt):
„Jajaja, Edison hat durch Zufall die Glühbirne erfunden. Und Einstein hat auch nur ein bisschen rumgewürfelt. Mann, Mann, Mann.“
 
Moderator (zu Weidner):
„Um endlich zu beginnen, würde ich Sie gerne bitten, Frau Weidner, uns eine typische Fragestellung aus der Philosophie zu nennen.“
 
Frau Weidner reibt sich die Augen und runzelt die Stirn.
 
Weidner:
„Kann ick nich, bin Meta.“
 
Moderator:
„Hmmm...dann beginnen wir halt hintenrum, ist vielleicht sowieso spannender, nennen Sie uns ein Theorem aus der Metaphysik, welches Herr Wahrich danach mathematisch zu deuten versucht.“
 
Weidner:
„Jut, jut....Hmm...:
(schaut die beiden wieder an)
“Wie sollen wir feststellen, dass ein irgendwo und irgendwann vermutetes Seiendes nicht ist, wenn wir nicht im voraus klar zwischen Sein und Nichtsein unterscheiden können ?“
 
Moderator (mit offenem Mund):
„Ohh....und von welchem Metaphysiker ist dieses Zitat ?“
 
Weidner (runzelt die Stirn):
„Wees ick nich, war vielleicht Ulli.....oder icke, ick hau auch sowat manchmal raus.“
 
Moderator:
„Können Sie es uns normalen...“
 
Weidner (unterbricht):
„Sterblichen erklären ? hehe...will nicht erst mal unser Mathe-Prof sein Senf dazu geben, dann erklärt sich das sicherlich wie von selbst.“
 
Herr Wahrich schaut etwas verunsichert in die Runde.
 
Wahrich:
„Ähmmm...also...wir nehmen...“
 
Weidner (unterbricht):
„Ick seh schon, Mutti muss den Laden hier wieder retten....sooo....bin übrigens auch anner FU Berlin jewesen. Is mir ejal, in dieser Runde kann ick Dialekt ohne Ende machen, is mir Jacke wie Hose. Fangen wa also an. Wie war dit noch mal ?
(schaut nach oben)
“Wie sollen wir feststellen, dass ein irgendwo und irgendwann vermutetes Seiendes nicht ist, wenn wir nicht im voraus klar zwischen Sein und Nichtsein unterscheiden können ?“
 
Moderator (hebt den Zeigefinger):
„Es ist vielleicht so gemeint, dass wenn wir irgendwo zu irgendeiner anderen Zeit existieren würden, dann könnten wir zwischen Realem und Unrealem unterscheiden. Dies ist doch der Schwerpunkt der Metaphysik.“
 
Weidner:
„Falsch, grobfalsch, du Plaudertasche. Ganz kurz gesagt, ich erkläre es hier mal für die Herren mit Birnen und Äppeln : Wenn wir drei Herren und Damen hier nicht zwischen „REALEM“ und „UNREALEM“ - nehmen wir ruhig mal die Lieblingswörter des Herren hier - wenn wir nicht diese beiden Zustände eindeutig definieren, so können wir schlecht feststellen, dass z.B. Atlantis tatsächlich nicht mehr existiert. Du kannst im Traum denken, das gibt’s immer noch, aber in der realen Welt geht das nicht so einfach.“
 
Moderator (mit großen Augen):
„Aha...sehr interessant, könnte man also sagen, dass wenn man etwas entdeckt, so muss es nicht unbedingt existieren.“
 
Weidner (genervt):
„Das Wort VORAUS ist hier wichtig !! Zuerst muss zwischen Realität und Spinnerei unterschieden werden, DANN kann drauflos entdeckt werden .“
 
Moderator (schaut nach oben):
„Wie war das nochmal ? „wenn wir nicht im voraus klar zwischen“...aha....“
 
Wahrich:
„Vielleicht ist das anders zu verstehen. Vielleicht, wenn wir noch mal den ersten Teil des Axioms analysieren...“
 
Weidner(unterbricht):
„Axiom, uiuiui, mit was für Geschossen kommst Du denn gleich. Ist doch nur son Satz. Hab mich mit Günni, einem Kollegen, auch schon fast gekloppt deswegen.“
 
Frau Weidner reibt sich wieder die Augen.
 
Moderator:
„Herr Wahrich, bitte.“
 
Wahrich (beugt sich etwas nach vorne):
„Wenn wir den Teil nehmen : „dass ein irgendwo und irgendwann vermutetes Seiendes nicht ist“. Dann ist das vielleicht so zu verstehen, dass von irgendwelchen Menschen zu irgendeiner Zeit, bei Atlantis in diesem Fall vor sehr, sehr langer Zeit irgendetwas vermutet wurde.“
 
Weidner:
„Genau, dit waht!
(zeigt mit dem Finger zu Wahrich)
Da hat olle Günni genau denselben Blödsinn gequatscht, ergibt doch alles keinen Sinn ! Denn der zweite Satz bezieht sich auf uns, auf „wir“, und wenn wir nur vermuten, dass Atlantis existiert hat, wie können wir dann vermuten, WAS die damaligen Bewohner Atlantis vermutet hatten.“
 
Moderator:
„Puuhh....ich bin draußen....ich denke es ist auch keine Schande, bei diesem komplizierten Thema den Faden zu verlieren.“
 
Weidner (lacht):
„Das ist zum Bleistift pure Realität, Herr Tratschtante, dass Sie eine Sendung moderieren, wo sie nur wie ein Auto in die Kamera schauen können. Das wäre so, wie wenn ich eine Kegel-WM kommentieren müsste, da hätte ich...“
 
Moderator (ernst):
„Bitte wahren Sie einen gewissen Grad an Höflichkeit, Frau Weidner ! Herr Wahrich wollte noch was ergänzen.“
 
Wahrich:
„Vielleicht ist das ja so, wie Günni und ich es verstanden haben. Das wir vermuten, was die wiederum vermutet haben. Und da kann man wieder vermuten, was die dann wieder vermutet haben. Das dies ein Satz ist, der auf das Schema der Rekursion fußt.“
 
Moderator (beugt sich etwas nach vorne):
„Danke, Herr Wahrich, für den geschickten Übergang zur Mathematik. Das ist doch Mathe, oder ?“
 
Weidner (genervt):
„Ja, doch. Der hat doch gesagt, der studiert Mathe und nicht Cembalo oder sowat.“
 
Moderator (ernst):
„Frau Weidner, ich ermahne sie erneut. Bitte halten sie sich an bestimmte Verhaltensweisen, die hier angebracht sind.“
 
Weidner (schaut weg):
„Tse.“
 
Wahrich:
„Ja, genau, Rekursion wird auch häufig in der Informatik gebraucht, vor allem in funktionalen Programmiersprachen.“
 
Moderator:
„Wie das genau geht, müssen sie uns aber erklären. Ich weiß dass nur, weil mein Bruder sich gerade fürs Abitur vorbereitet. Das ist irgendwas mit „immer ein Schritt zurück gehen“. Und wenn man dann nicht mehr weiter zurückgehen kann, dann muss man alles zusammenaddieren. Oder so was.“
 
Weidner:
„Ha !“
 
Wahrich:
„Als Rekursion bezeichnet man eine Vorschrift, nach der eine rekursive Folge definiert ist. Um ein Beispiel zu nehmen, nehmen wir die Anfangswerte a0....“
 
Moderator (unterbricht):
„Ein Moment bitte. Eine Verständnisfrage. Was ist erst mal eine rekursive Folge ?“
 
Wahrich:
„Eine rekursive Folge ist eine Folge, bei der jedes Glied gemäß einer Rekursionsvorschrift aus den vorangehenden Gliedern berechnet werden kann. Wir haben a(n), wobei n...“
 
Weidner(unterbricht und lacht):
„He...mal ne Frage…was ist denn eine Rekursionsvorschrift ?“
 
Moderator:
„Ist das nicht auch schon rekursiv ? In dem wir von einer Frage immer die nächste Frage stellen, immer tiefer in die Materie eindringen. Und am Ende haben wir dann die Lösung. Und können alles zusammenaddieren oder dividieren oder so.“
 
Weidner:
„Und am Ende gewinnt immer Hertha, hehehe. Heute spielt aber Juve im UEFA-CUP, Hertha is mal wieder frühzeitig ausgeschieden.“
 
Moderator:
„Noch mal zurück zu meiner Vermutung. Ist denn nicht mein.... mein..“
 
Weidner (unterbricht):
„Nenn ´s ruhig Algorithmus, kommt immer gut an, vor allem bei de Weiber, hehehe.“
 
Moderator (ernst):
„Frau Weidner !!!“
 
Wahrich :
„Wir sollten lieber zu einem anderen Thema übergehen. Sonst verliere ich hier auch den Überblick und glaub am Ende noch, ich war heute in Atlantis auf Sendung.“
 
Moderator (nickt):
„Vielleicht haben Sie recht. Wir können in einer Sendung keine Lösung auf die Frage finden, welche noch nicht mal in der gesamten Menschheitsgeschichte gelöst wurde.“
 
Weidner:
„Heißt „Permutation“ nicht = eineindeutige Abbildung ? Ist ziemlich verworren heute, wa ?“
 
Moderator:
„Der heutige Abend soll den Zuschauern auch nur einen Denkanstoß geben.“
 
Weidner (lacht):
„Genau. Und in 10 Jahren hat es dann endlich einer rausgefunden. Wenn er gefragt wird, was ihm am meisten dabei geholfen hat, wird er diese in Unterzahl besetzte Gesprächsrunde nennen. HA !“
 
Moderator:
„Vielleicht sollten wir ein anderes Thema behandeln. Am besten, wir beginnen diesmal mit der Mathematik.“
 
Wahrich (beugt sich nach vorne):
„Soll ich vielleicht das noch mal mit dem Algorithmus aufgreifen ? Diese Bezeichnung wird von dem arabischen Mathematiker und Astronom Ibn Musa Al Chwarismi (9. Jh. N. Chr.) abgeleitet...“
 
Weidner (unterbricht):
„Welcher sein Studium im fernen Persien, um genau zu sein, in Isfahan absolvierte. Als Medicus. Für Mathe hats nicht gereicht. Dann hat er ein wenig rumgewürfelt und ....“
 
Wahrich runzelt die Stirn.
 
Wahrich (unterbricht):
„Stimmt doch gar nicht, der hat nichts mit Medizin zu tun gehabt.“
 
Weidner:
„Doch, doch der alte Ibn Sina war sein alter Lehrer. Ein Universalwissenschaftler. Hehehe.“
 
Moderator:
„Das schweift jetzt aber zu sehr ab, wir wollen lieber noch kurz ein Thema besprechen, bevor die Sendung zu Ende geht. Herr Wahrich, nehmen Sie ruhig eins ihrer Lieblingsthemen.“
 
Wahrich:
„Dann nehmen wir das Horner-Schema. Mithilfe dessen Hilfe können wir den Wert an z.B. der Stelle 2 einer Funktion berechnen, die auch einen höheren Exponenten als 2 hat.“
 
Moderator (nickt):
„Ansonsten könnten wir die IQ- Formel nehmen.“
 
Weidner (genervt):
„Bei dir muss man keine Formel nehmen, da gibt es nichts auszurechen, nur was einzusetzen. Wäre doch ärgerlich, dann könntest Du nicht mal deinen eigenen IQ ausrechnen.“
 
Moderator (irritiert):
„Wie, das hat doch mit mir nichts zu tun. Die Funktion gehört mir doch nicht !“
 
Wahrich:
„Nein, PQ – Formel heißt die. Aber in das Horner – Schema ist jede Funktion einsetzbar.“
 
Moderator:
„Ich bin etwas verwirrt. Wir haben ja auch jetzt schon viel recherchiert.“
 
Wahrich (beugt sich nach vorne):
„Das Horner – Schema ist folgendermaßen aufgebaut : In der ersten Zeile kommen die Koeffizienten von f(x), in der zweiten, wobei, ne, wenn keine Potenz vorkommt, dann wird eine null eingetragen.“
 
Moderator:
„Alles etwas verwirrend. Können Sie uns nicht die...“
 
Weidner (unterbricht):
„Quintessenz...hehehe“
 
Moderator (ernst):
„Noch ein allerletztes mal habe ich Geduld. In Ordnung, Frau Metaphysikus ?“
 
Weidner nimmt die Hand vor dem Mund.
 
Weidner:
„AUA, das tat weh, wie gemein, ohh. Ich bin ganz ruhig.“
 
Moderator:
„Herr Wahrich, erklären Sie uns nur den Sinn des Horner-Schemas.“
 
Wahrich:
„Das Horner – Schema ist einfach dazu da, um Werte einer Polynomdivision zu ermitteln.“
 
Moderator (beugt sich nach vorne):
„Liebe Zuschauer, stellen wir uns jetzt eine Kurve mit beliebig vielen Koeff...wie war das ?“
 
Weidner:
„Ko-eff-izeinten. So was muss ausm Eff-Eff kommen !“
 
Moderator:
„Wir haben also eine Kurve einer beliebigen Funktion vor Augen und können, egal welchen x-Wert wir nehmen, den y-Wert ermitteln. Gibt es so was in der Philosophie, Frau Weidner ?“
 
Weidner reibt sich wieder die Augen.
 
Weidner:
„Ick wees nich, wat Se wolln.“
 
Moderator:
„Gibt es in der Metaphysik irgendwas, was auf den ersten Blick nicht lösbar ist, jedoch mit einem speziellen wissenschaftlichen Verfahren zu verstehen ist ?“
 
Weidner schaut wieder die beiden an.
 
Weidner:
„Sag dat doch gleich !! Naja, wir hatten doch den schicken Satz vorhin mit dem Sein und dem Nicht-Sein.“
 
Der Moderator beugt sich jetzt mit großen Augen nach vorne.
 
Moderator:
„Das wäre selbstverständlich das beste, das wäre hervorragend, Frau Weidner, wenn Sie nicht nur einen nahtlosen Übergang zum vorherigen Thema finden würden, sondern dieses auch noch auflösen könnten.“
 
Weidner (hebt die Arme hoch):
„Wat soll ick denn noch allet machen, Mann, Günni, hilf mir doch ! Oder Ulli !! Dit Ding is, ick kann hier nich frei nach Schnauze wat erzählen, wat womöglich noch totaler Müll ist.“
 
Moderator:
„Sehr geschickt, Frau Weidner, sehr geschickt ! Diese Einleitung, meine ich. Welche sich vor allem an das Proletariat richtet, JEDER soll und kann diesen Zusammenhang verstehen, der jetzt gleich kommt. Super !“
 
Weidner:
„Na jut, also wie jesacht, wir hatten dit mit dem Sein und dem Nichtsein. Der dritte Weg ist der des Scheins, der zujehörich is zum Sein.“
 
Moderator:
„Dann muss es ja auch folglich den Nicht-Schein geben. Außerdem bitte ich Sie in hochdeutsch zu sprechen. Nicht unbedingt wegen mir, sondern wegen der Zuschauer, die nicht unbedingt alle diesen Dialekt verstehen können.“
 
Weidner (hebt die Schultern):
„Müssen die halt lernen, müssen die halt lernen.“
 
Wahrich:
„Genau, das ist wie mit der Rekursion. Um die zu verstehen muss man erst mal wissen, was eine rekursive Folge ist. Um das aber verstehen zu können....“
 
Moderator (unterbricht):
„Entschuldigung, das wird alles zu ausführlich. Bitte, Frau Weidner.“
 
Weidner:
„Nenn mich ruhig Weidi, is ok so.“
 
Moderator (aufgeregt):
„Mit dem Schein und dem Nicht-Schein, wir sind ganz Ohr. Vielleicht wird das ja heute doch was mit der Quintessenz !! Prima !“
 
Weidner (gelangweilt):
„Den Nicht-Schein kannst du gleich aus dem Protokoll streichen, so was gibt es nicht. Man kann sich nicht einfach irgendwelche Wörter ausdenken, ohne im VORAUS – hier haben wir wieder dieses wichtige Wort – ohne im VORAUS überlegt zu haben, ob es überhaupt Sinn macht. Schon für die Griechen hatten die Worte eine ursprüngliche Schlagkraft. Das Sichzeigen des Scheinenden gehört unmittelbar zum Sein und gehört auch wieder im Grunde doch nicht zu ihm.“
 
Moderator (beugt sich nach vorne):
„Darf ich mich kurz einklinken, das ist sehr gut, was sie erzählen. Nochmal für die Zuschauer, wir hatten vorhin ein Problem, welches nicht lösbar gewesen ist, aber mit einem Verfahren ist es doch möglich diesem Problem auf den Grund zu gehen.“
 
Wahrich :
„Ich denke, wir haben heute doch was erreicht !“
 
Weidner (lacht):
„Dit kannste laut sagn, wa ! Unser heutiges Deppengeschwätz deckt die gesamte Philosophie ab, ha !“
 
Moderator:
„Die Diskussion vorhin mit dem Sein und dem Nicht-Sein. Dies zu definieren wo die genauen Grenzen sind, das haben wir nicht machen können. Weil uns ein solches Verfahren nicht bekannt ist. Wie etwa bei dem mathematischen Problem mit dem, mit dem....“
 
Wahrich:
„Horner – Schema !“
 
Moderator (zeigt auf Wahrich)::
„Genau, mit dem Horner – Schema. Um ein solches Verfahren zu entwickeln, nehmen wir bewusst eine neue ungelöste Frage...“
 
Weidner:
„Ick hab dit jenommen, ICKE !! Nicht wir !“
 
Moderator:
„Wir nehmen wieder eine neue Frage, wenn wir diese lösen, können wir auch die andere Frage lösen. Rekursiv ! Wir müssen nur ein Schema entwickeln, ein Verfahren, mit dem wir es lösen können.
(lehnt sich zufrieden zurück)
Prima, dann wird sogar live in dieser Sendung eine neue Sache entwickelt, sehr schön !! Das Leidecker-Wahrich-Verfahren, wobei man meinen Namen vielleicht auch hinein nehmen könnte, oder ?“
 
Weidner:
„Können wa machen, können wa machen. Dadurch, dass dein bekloppter Name drinne ist, kriegste sicherlich noch mehr Frauen ins Bett, diese Schlampen wollen immer von janz intellijenten Mänern jebumst werden, wollen von denen Kindern haben, nehmen extra nicht die Pille und...“
 
Moderator (ernst):
„FRAU Weidner !!! Sie haben Glück, dass Sie jetzt eine Weile keine Verwarnung bekommen haben, jetzt waren Sie eine Weile höflich. Dennoch bekommen Sie eine Ermahnung, bei der nächsten fliegen SIE !!“
 
Weidner:
„Ohh Mann, ist doch der Traum der Menschen zu fliegen wie olle Ikarus. Und ick muss nur ein bisschen berlinern, etwas derbe Sprüche raushauen, Wahnsinn !“
 
Moderator:
„Zurück zum Thema...mit dem Scheinenden, bitte Frau Weidner !“
 
Weidner:
„Jut, ahso, darf ja nicht berlinern, sorry. Wie war das noch mal, was Ullrich mir sagte ? Genau, der Dreiweg, vielleicht können wir damit das Problem lösen, hehe.
1. Der Weg zum Sein ist unumgänglich 2. Der Weg zum Nichts ist unzugänglich             3. Der Weg zum Schein ist zugänglich, aber umgehbar.“
 
Moderator (aufgeregt):
„Danke, danke Frau Weidner. Da, wo Platon, Sokrates, Aristoteles und die ganzen Größen nicht weiter wussten, genau diese Arbeit wird hier vollendet und Sie, wehrte Zuschauer, Sie sind Zeuge und können noch ihren Enkeln davon berichten. Das hätte ich vorher nicht gedacht, daß wir so weit kommen.“
 
Weidner (mit erhobenem Zeigefinger):
„Im VORAUS heißt dit, is wichtig !“
 
Moderator:
„So, wir haben jetzt den Dreiweg und können jetzt vielleicht doch gleich den Schritt zur Mathematik, der Königin der Wissenschaften, wagen.“
 
Wahrich:
„Um diese Trennlinie in dem genannten Dreiweg zu finden, sollten wir die drei Thesen als drei Funktionen betrachten.“
 
Moderator:
„Was für ein historischer Moment das heute doch ist !“
 
Weidner:
„HA !“
 
Wahrich:
„Und zu jeder dieser drei Funktionen sollten wir den DEFINITIONSBEREICH festlegen.“
 
Moderator:
„Sehr gut, Herr Wahrich!“
 
Wahrich:
„Haben wir diesen definiert, können wir uns mit dem beschäftigen, was uns am meisten interessiert. Mit dem unvorstellbaren, dem NICHTDEFINIERTEN !! Den POLSTELLEN !!“
 
Wahrich schaut mit großen Augen in die Kamera.
 
Weidner (winkt ab):
„HA, wenn die Weisheit am Nordpol wohnen würde, würden wir am Südpol sitzen.“
 
Moderator (aufgeregt):
„Die Polstellen, die Polstellen. Alle Wege führen zum Pol. Das ist es !! Herr Wahrich, Sie sind ein Genie !!“
 
Weidner (schaut weg):
„Ick denke nur daran, wie Ulli mir eine runterhauen wird, wenn er diesen Schwachsinn sieht. Ick hoffe, der kuckt UEFA. Aber der is ja für Werder, und die sind auch schon längst draussen...Mann, Mann.“
 
Moderator (lächelt):
„Ich finde es sehr unterhaltsam, diese lustigen Anmerkungen der Metaphysikerin heute Abend. So wird diese Sitzung etwas unterhaltsamer und geselliger. Aber jetzt Herr Wahrich !!“
 
Wahrich:
„Die Polstelle einer Funktion ist eine Stelle, welche folgende Eigenschaften haben muss : 1. die Funktion ist in einer Umgebung der Polstelle definiert mit Ausnahme der Polstelle selber. Und 2...“
 
Moderator(unterbricht):
„Wollen wir, bevor wir die Polstellen, die heute Abend sicherlich das Highlight werden, bevor wir diese Stellen bestimmen, nicht zuerst den Definitionsbereich bestimmen ? Zuerst von der 1. These ?“
 
Wahrich:
„In Ordnung, machen wir es Schritt für Schritt.“
 
Moderator:
„Liebe Zuschauer, Sie können daheim mit Ihrer Familie oder Ihren Freunden mitdenken und Ihre Ergebnisse in unserem Diskussionsforum auf unserer Website veröffentlichen. Herr Wahrich, bitte !“
 
Wahrich:
„Gut, wie war die erste These noch mal, bitte ?“
 
Weidner (runzelt die Stirn):
„Wees ick nii...irjendwat...ick gloobe dit...“
 
Moderator (unterbricht):
„Frau Weidner !!“
 
Weidner:
„Weidi, Weidi, bitte !“
 
Moderator:
„Frau Weidi, bitte, ich habe Ihnen doch schon gesagt, mit dem Dialekt.“
 
Weidner:
„Ahso, jut, äh. Gut, die erste These war, moment, genau, „die unerträgliche Leichtigkeit des Seins ist die erträgliche Schwierigkeit des Scheins“ ... hehe, erinnert mich irgendwie an Uni, damals dit mit den „Leistungsnachweisen“.“
 
Moderator:
„Danke, Frau Weidi, danke. Können Sie nun, Herr Wahrich, der Metaphysikerin den Ball geschickt zurückspielen, indem Sie den Definitionsbereich dieser ersten These ermitteln ? Um die Polstellen am Ende zu ermitteln ? Spannend ist das, jaja, Wissenschaft kann sehr spannend und aufregend sein !!“
 
Wahrich:
„Ähmm, ja, also...Wir sollten vielleicht erst mal diesen Satz der Frau Weidi nehmen und die Häufigkeitsverteilung der Buchstaben angeben. Die Normalverteilung, auch Gauß-Verteilung genannt, könnte uns die Basis für unsere weiteren Analysen geben. Denn nicht nur die Wörter, sondern auch die einzelnen Buchstaben haben ihre spezielle Schlagkraft. Also das, was Frau Weidi sagte mit den Griechen.“
 
Der Moderator zeigt mit dem Finger auf Wahrich.
 
Moderator:
„Gekonnt, Herr Wahrich, gekonnt !! Ich denke, wenn heute jemand einen Nobelpreis bekommen sollte von uns dreien, Sie hätten Ihn am meisten verdient !!“
 
Wahrich (lächelt):
„Danke, danke !“
 
Weidner (schaut nach oben):
„Ha !! Herr Nobel würde sich im Grabe umdrehen, wenn sein Preis an so einen Gammel-Student verliehen werden würde.“
 
Moderator:
„Sie würden ihn schon alleine wegen Ihres anstößigen Betragens nicht erhalten, FRAU Weidner !! Das war das letzte, allerletztemal !! Haben Sie denn keinen Respekt vor einer so schicksalsträchtigen Stunde, wie dieser ? Herr Wahrich, Sie haben das Wort !!“
 
Wahrich:
„Haben wir diese Normalverteilung ermittelt, so können wir mit dem Standardisieren fortfahren. Wobei ganz spezielle Zufallsgrößen von wichtiger Bedeutung sind. Vielleicht sollte ich erst dieses Wort „Zufallsgröße“ erklären ?“
 
Moderator (ballt die Hand zur Faust):
„Unglaublich, Ihre Brillianz, umwerfend !! Jetzt kommt wieder REKURSION ins Spiel ! Erklären Sie weiter, hervorragend !“
 
Wahrich:
„Die Zufallsgrößen können errechnet werden mithilfe der Umkehrfunktion einer logischen Schaltalgebra. Hierbei nehmen wir selbstverständlich hyperbolische Funktionen zur Hilfe, damit der Quotient der Riemannschen Summen an einen Rotationskörper, also einem Drehkörper, angepasst und evaluiert werden kann. Achso, ganz wichtig, am Anfang muss natürlich, um überhaupt dieses Konstrukt von Gleichungen bilden zu können, muss vorher der zentrale Grenzwertsatz auf die zu behandelnde Funktion nach den Guldinischen Regeln NORMALVERTEILT werden.“
 
Moderator:
„Ähh...Und da wären wir wieder bei Gauß, bei der Gauß-Verteilung, auch Normalverteilung genannt. Die ja die Basis jeder Analyse bilden sollte, nicht ?“
 
Weidner (grinst):
„Sehr jut, der Junge jefällt mir ! Sehr kreativ !! Der sollte so ein Buch schreiben, der Wahrich, damit kann er vielleicht Kohle machen.
(winkt mit der Hand)
Achso, vonner Uni kannste dich verabschieden, nach dem Ding, wat Du da grade rausgehauen hast, wirst de unverzüglich exmatrikuliert, aber komplett. Is nischt mehr mit Tutorium oder sowat !!“
 
Moderator:
„Machen Sie weiter, Herr Wahrich, Sie sind heute der Star ! DA kann selbst Frau Weidner nicht mehr mitreden !“
 
Der Moderator schaut Weidner ernst an.
 
Wahrich:
„Nachdem wir die Guldinischen Regeln gekonnt an den Maximalpunkten der Funktionen angewandt haben, transponieren wir diese in den VEKTORRAUM.“
 
Moderator (sinkt im Stuhl runter):
„Jetzt geht es in die dritte Dimension, wie optisch !!“
 
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