Die Sonne hatte sich geneigt, und in kurzer Zeit mußte es Abend werden. Mr.Rattler und sein Gehilfe trafen sich zur vereinbarten Zeit am Waldrand mit den Apatschen. Ein Indianer unter ihnen stellte seinen Häuptling vor :“Dies ist Intschu tschuna, der große Häuptling der Mescaleros, der auch von allen übrigen Apatschenstämmen als Häuptling anerkannt wird. Und ich bin Winnetou, dessen Name berühmt sein wird, soweit die Savannen und die Felsgebirge reichen.“ Sofort unterbrach ihn ein anderer Indianer mit dem Namen Tangua :“ Der diesen Ruf gewiß erlangen wird, obwohl er in seiner Familie gerade mal den dritten Platz einnehmen kann, was seine Heldentaten und seine Weisheit betrifft. Deswegen darf er nur Mokassins mit Stachelschweinsborsten tragen.“
Diese Aussage brachte Verwirrung unter den Apatschen, Winnetou wollte unbedingt das letzte Wort haben und noch etwas hinzufügen. Der Häuptling Intschu tschuna griff aber ein mit erhobener Hand und sprach :“Vom Himmel kommen der Sonnenstrahl und der Regen. Von ihm kommt jede gute Gabe, aller Segen. Die Erde empfängt die Wärme und Nässe und spendet dafür den Büffel und den Mustang, den Bären und den Hirsch, den Kürbis, den Mais und vor allem die edle Pflanze, woraus die klugen roten Männer den Kinnikkinnik bereiten, der aus der Friedenspfeife den Duft der Liebe und Verbrüderung spendet.“
Mr. Rattler saß cool auf seinem Pferde mit einem Zahnstocher im Mund und wurde Zeuge dessen, was er seinem Gehilfen schon prophezeit hatte. Die Uneinigkeit der Mescaleros-Familie würde den heutigen „Deal“ platzen lassen. Er würde gar nicht dazu kommen das Geld Intschu tschuna zu geben. Stattdessen würden jetzt familiäre Rivalitäten der Indianer im Vordergrund stehen und Mr.Rattler könnte sich heimlich davon stehlen und müßte nicht die geforderte Summe den Apatschen zahlen.
Mr. Rattler sprach :“ Yo, dann rauchen wir jetzt eine fucking Freidenspfeife und euer „Häuptling“, der „Big Boss“, erzählt uns noch ein wenig von diesem Esoterik-Indianer-Zeug.“
Winnetou wußte aber um die Absicht des Bleichgesichtes. Er stieg vom Pferd, band es an und nutzte das nun eingetretene Schweigen um etwas klarzustellen :“ Wir sind heute nicht hier eingetroffen wegen einer Medizin, einer Skalplocke oder einer Friedenspfeife. Es ist ganz klar, daß du, du Bleichgesicht, eine Eisenbahnlinie durch unser Gebiet bauen willst und du dafür zahlen mußt um die Erlaubnis des großen Intschu tschuna zu erhalten.“ Nach diesem Satz drehte Winnetou sofort seinen Kopf siegesbewußt zu seinem Häuptling mit der Gewißheit etwas richtiges gesagt zu haben. Denn das die Rivalitäten des Stammes diese Verhandlungen überdecken könnten, dies hatte schon Tags davor seine Schwester Mon-tschi-tschi ihm befürchtend zu geflüstert.
Doch Tangua wollte nicht locker lassen und sah in dieser wichtigen Stunde die Gelegenheit für folgende Rede :“Ein Indianer, der ohne Skalplocke und ohne Ehre in die Ewigen Jagdgründe gelangt, wird dort von den verstorbenen Helden mit Verachtung empfangen und muss sich, während die anderen in indianischen Genüssen schwelgen, vor den Augen dieser Glücklichen verbergen. Das ist der Glaube der Roten. Welches Unglück nun erst, in kleinen Stücken dort anzukommen ! Man sieht trotz der dunklen Farbe, daß dir, Winnetou, vor Schreck das Blut aus dem Gesicht weicht !“
Mr. Rattler, der in der Zeit schon von seinem Pferde abgestiegen war, lachte und lästerte :“ Ach, ihr Rotgesichter, was seid ihr nur für ein trostloser Haufen. Und wenn wir Weißen endlich es geschafft haben euch auszurotten, euch in demütigende kleine Reservate gesteckt haben, selbst da werdet ihr darum noch kämpfen wer bei euch der „Vize-Häuptling“ ist, ha ! Hey, Intschu-Boy, gib deinen scheiß Joint mal rüber, ich finde euch einfach zu köstlich. Peace, hehe“.
Die Indianer, einerseits bewußt, daß ihre Streiterein den „Deal“ kaputt machen könnten, andererseits aber das Gefühl hatten die Hierarchie ihres Stammes klären zu müssen, gerieten außer Kontrolle. Winnetou sprach dem Häuptling vor, daß seine Schießkünste mit Pfeil und Bogen weit aus ausgereifter wären als die von Tangua. Dieser wiederum prahlte mit seinem diplomatischen Geschick und das dies wichtiger als irgendwelche „Kinder-Schießübungen“ sei. Intschu tschuna war mit dieser Situation völlig überfordert. Es kam noch hinzu, daß die anderen Apatschen, die dabei waren, erregt diskutierten auf wessen Seite sie sich schlagen sollten, auf die von Winnetou oder die von Tangua. Mr.Rattler holte seine Picknick-Decke heraus, legte sich auf ihr und genoß die Friedenspfeife der Apatschen mit der Sicherheit sie komplett alleine mit seinem Gehilfen aufrauchen zu können, da die Indianer zu sehr mit ihren „machtpolitischen“ Diskussionen beschäftigt waren.
„ Wie konntest du mich eine elende Sumpfratte nennen, Winnetou ?!? Du hast dich jetzt bei mir zu entschuldigen !“ Der Angesprochene zischte zurück :“Lieber beiße ich mir die Zunge ab, bevor ich das tue, Tangua !“ Intschu tschuna saß derweil frustriert auf dem Boden und faßte sich an den Kopf.
„Ihr benehmt euch wie zänkisches Weibsvolk !“ murrte der Häuptling. Mr.Rattler lag die ganze Zeit ganz unbekümmert und hatte seinen Spaß. Bis zu dem Wort „Weibsvolk“, welches der Häuptling sprach. In Mr. Rattler ratterte eine Assoziationskette von Gedanken : Weibsvolk – Frauen – „DIE Apatschenfrau“ – die schönste Frau aller Zeiten - der „Deal“ - diese Traumfrau „kaufen“ !
Mr. Rattler warf seinem Gehilfen die Friedenspfeife zu, stand auf und sprach :“ Liebe Freunde, ihr solltet nicht den Grund unseres heutigen Treffens vergessen. Ich habe selbstverständlich das Geld dabei. Und werde zahlen. Aber nicht für die Eisenbahnlinie. Die ist mir nicht so wichtig, ich werde sie so bauen lassen, daß sie keinen Zentimeter eures Areals berührt.“ Die Apatschen, die teilweise schon in regelrechte Keilereien verwickelt waren horchten auf und schenkten Mr. Rattler ihre Aufmerksamkeit.
Mr. Rattler, sicherlich ein wenig von der Pfeife berauscht, sprach weiter :“ Wie konnte ich sie nur vergessen. Ich sah sie einmal. Ihre Augen sind so weich, ihr Anblick bleibt bei mir mit einem feuchten Schimmer der Bewunderung haften. Ihre Schönheit läßt bei mir Tränen über die Wange rollen. Ich spreche von der bezaubernden Lady : Mon-tschi-tschi !“
Intschu tschuna erklärte ihm aber, daß dies nicht möglich sei. Mon-tschi-tschi sei die Frau von „Old Shatterhand“. Und daran könne sich auch nichts ändern. Mr. Rattler verschränkte die Arme und sagte, daß er dann mithilfe des Fort „Randalls“ die Eisenbahnlinie quer durch das Apatschengebiet bauen werde, sollte er diese Frau nicht bekommen. Winnetou mischte sich ein :“ Vater, großer Häupting der Mescaleros, dieser schimpfliche „Shatterhand“ hat doch nur Mon-tschi-tschi zur Frau genommen um in der Apatschen-Politik einen höheren Stellenwert zu bekommen. Mir ist aufgefallen, daß er heimlich in der Nacht abseits unseres Lager sein Messer zieht und es tief ins Erdenreich stößt und heimlich mit feindseligem Tone Reden schwingt, in denen er sich als der Alleinherrscher der Apatschen feiert. Dies geht nicht !“ Intschu tschuna schüttelte aber den Kopf und wollte dem kein Glauben schenken. Dann schaute er mit einer zuckersüßen Ironie Mr.Rattler an und fragte ihn, ob er sich von der Ohrfeige, die ihm einst „Old Shatterhand“ verpasst hatte, erholt habe.
Mr. Rattler holte tief Luft und sprach :“ Es mag stimmen, daß mir dieses Bleichgesicht eins ausgewischt hat. Ein mal. Und NUR deswegen trägt er diesen furchteinflößenden Namen „Old Shatterhand“. Wegen einer Ohrfeige, die er mir in einem Zustand verpasst hatte, wo ich stark angetrunken war. Da hat er sich getraut. Feigling ! Dieser „wie-ein-kleines-Kind-Ohrfeigen-Verpasser“ soll sich hier her stellen und mit mir kämpfen. Wie es sich für einen Mann gehört.“ Sein Gehilfe unterbrach seine Rede und erinnerte ihn nochmals, daß er gerade eine Pfeife geraucht habe und des Kämpfens jetzt nicht fähig wäre. Stirnrunzelnd und nochmals nachdenkend über seine Worte sah Mr.Rattler, wie „Old Shatterhand“ plötzlich kam auf seinem Pferde, und Mon-tschi-tschi saß auf seinem Schoß.
Bei dem Anblick dieser traumhaft schönen Frau sank Mr.Rattler mit offenem Munde zu Boden. Sein Gehilfe ließ ein „Uiuiui !“ von sich. Man muß auch bedenken, daß die Sexualtriebe eins Mannes durch das Rauchen des Kinnikinnik deutlich erhöht werden.
Mon-tschi-tschi sprach liebevoll zu „Old Shatterhand“ : „Bitte versuche mit diesem „Mr.Rattengesicht“ ohne Kampf zu verhandeln. Ich will nicht dein schönes Gesicht heute abend zärtlich küssen und dabei häßliche Schrammen, die dir irgendein andere häßlichen Mann zugefügt hat, dabei berühren.“ Old Shatterhand kicherte und quiekte :“ Aber Mon-tschi-tschi, ich habe mich doch erst einmal in meinem Leben gehauen. Und dabei gewonnen. Gegen diesen Mr. Rattler eben. Ich bin schließlich ein Mann und will auch als solcher von deinem Stamme angesehen werden. Immer wenn Intschu tschuna auf die Jagd geht oder Kämpfe mit den Kiowas führt, da bleibe ich immer bei dir um mit dir zu kuscheln.“
Mr. Rattler, immer noch auf seiner Picknick-Decke kniend, fluchte :“ Da hat der die schönste Frau im ganzen Wilden Western und dann ist der solch eine Memme. Einmal hat er einem was verpasst. Und dieser eine bin auch noch ich gewesen. Wie degradierend das für mich, Rattler, ist, der todesmutig in Saloons und Casinos rumspringt und dauernd irgendwelche scheiß Mexikaner und Banditen abknallt. UNGERECHT !“
Intschu tschuna, welcher wußte, daß es bei den Machtrivalitäten nur um die Plätze zwei und drei usw. geht, sich aber doch manchmal ausmalte, wie Winnetou und Tangua und vielleicht sogar das Bleichgesicht „Old Shatterhand“ nach dem Genuß einer Friedenspfeife sich vorstellten die gewaltige Federtracht des Häuptlings zu tragen, wollte daher ein Machtwort sprechen und das weitere Geschehen souverän leiten. Er sprach mit pathetischer Stimme: „Höret zu, ihr Bleichgesichter und Angehörige der Apatschen : Unsere Streitigkeit soll mit einem Wettkampf ausgetragen werden : Mr. Rattler und „Old Shatterhand“ werden darum kämpfen. Sollte „Old Shatterhand“ gewinnen, so soll Mr.Rattler von dannen ziehen ohne irgendeine Erlaubnis oder Frau von uns zu erhalten. Im umgekehrten Falle darf Mr. Rattler seine Eisenbahn mitten durch unser Lager bauen und Mon-tschi-tschi möge ihn heiraten. Der große Intschu tschuna hat gesprochen, Hogwh!...Achso, sollte „Old Shatterhand“ seinem Namen nicht gerecht werden, so werden wir ihn an den Marterpfahl binden und ihm die Haut abziehen.“
Nach dieser Rede klatschte Mr.Rattler in die Hände und sprach glücklich :“Ich habe in meinem fucking Leben 40 Knock-outs gehabt, richtige Prügeleien. Davon habe ich drei verloren. Gegen „Billy, the Kid“, Charles Bronson (der „Mundharmonika-Mann“) und eben dieses Weichei, der in seinem Leben schon wunderschöne Nächte mit der Frau der Frauen verbringen durfte. Gleich danach gehört die Lady aber mir, hehe.“ Und was sagte „Old Shatterhand“ ? Er jammerte :“ Aber nein, liebe Mon-tschi-tschi, sag doch etwas. Du hast doch immer für mich ein Wort eingelegt, wenn Intschu tschuna wollte, daß ich gegen die Kiowas mitkämpfen sollte. Diese Hauerein tun mir weh, das macht „Aua“. Ich will lieber in unserem Wigwam mit dir kuscheln.“
Intschu tschuna erhob sich und forderte die beiden Männer auf um die Sache zu kämpfen. „Old Shatterhand“ bekam noch einen liebevollen Kuß seiner Frau, ohh, dieser Kuß, den Mr.Rattler selbstverständlich mitverfolgte, der entfachte ein ungeheures Potential an Zorn, Neid und Rache in Mr.Rattler. Vor lauter Bösheit schon lachend stellte er sich dem „Old Shatterhand“, welcher dauernd vor Aufregung schlucken musste und mit den Beinen zitterte.
Beide gingen auf einander zu. „Shatterhand“ war aber so ergriffen und aufgeregt von der Situation, daß er vor lauter Aufregung sich selber die Beine stellte und hinfiel. Mr. Rattler lachte, klatschte in die Hände und machte ein kleines Tänzchen.
„Shatterhand“ stand zitternd auf und stotterte das Wort „Entschuldigung“. Da wollte Mr.Rattler zu schlagen. Er wußte, dieses Weichei sei mit einem Schlag zu erledigen. Er holt immens aus und wandelte die ganze Mißachtung, den Neid und die Verachtung in seinen schwungvollen Schlag um. Er holte aus, aber viel zu weit, seine Körperteile koordinierten nicht recht miteinander – und er schlug sich selber ins Gesicht, sei es weil der Haß auf „Shatterhand“ zu groß war um zielen zu können oder sei es weil er zuviel von der Pfeife geraucht hatte.
Er lag am Boden, mit einem Auge sah er noch wie Mon-tschi-tschi sich um den Hals von „Shatterhand“ warf und ihn mit stürmischen Küssen verwöhnte. Sein Gehilfe neigte sich zu ihm, die Apatschen gingen fort, zwar noch immer diskutierend aber dennoch recht glücklich.
Der Gehilfe fragte: „Geht es Ihnen gut, Mr. Rattler ?“
Und Mr.Rattler antwortete: “Nein. In der Tat nicht. Ich heiße ab jetzt übrigens Mr.Rattengesicht. Ich habe gesprochen, Howgh !“