Endlich, nachdem 300 000 Zuschauer anderthalb Stunden gewartet haben, erscheinen sie auf der Bühne – die Rolling Stones ! Seit über 40 Jahren treten sie auf. Sie fangen an zu spielen, doch das Publikum ist enttäuscht. Schon bei so mancher Performance ließ die Qualität ihres Auftrittes zu Wünschen übrig. Diesmal gehen sie zu weit, sie spielen jeder mit seinem Instrument einen anderen Rhythmus und Mick Jagger trifft mit seiner Stimme nicht einen Ton korrekt. Da geht der Manager auf die Bühne.
Manager(aufgeregt):
„Ey, Jungs, sowas könnt ihr hier nicht bringen. Die Leute haben Eintritt gezahlt und wollen nicht solch eine fürchterliche Rocky-Horror-Picture-Show sehen. Keith, wie oft habe ich dich gebeten kein Heroin vor dem Auftritt zu spritzen. Das selbe gilt auch für dich, Mick !“
Mick Jagger(arrogant):
„Ach, laß uns doch unser Ding machen. Die Beatles sind tot, die haben überhaupt nichts verkraftet. John Lennon hat 1981 dieses lächerliche Attentat nicht überlebt, George Harrison ist jetzt auch abgekratzt und Paul McCartney ist sicher der nächste. Der bekommt bestimmt bald ein Herzinfakt, wenn er seine neue Olle bumst. Wir dagegen, die rebellischen und legendären Rolling Stones, leben alle – bis auf Brian Jones. Wir nehmen sogar noch hardcore-Drogen und krepieren trotzdem nicht !“
Keith Richards(zynisch):
„Außerdem würde niemals solch eine Nebelkrähe wie die häßliche Yoko Ono es schaffen unsere Band zu spalten. Wir würden der sofort eine scheuern und ihre verkrüppelten Bilder kaputtmachen.“
Mick:
„Wir sind keine Weicheier, die auf irgendwelches Weibsvolk hören. Wir waren immer stärker, progressiver und besser als die Beatles !“
Manager(mit verschränkten Armen):
„Die Beatles haben dafür ihre Auftritte sauber über die Bühne gebracht !“
Keith:
„Na und ? Was ist besser : Haargenau wie im Studio Lieder auf der Bühne spielen, die total langweilig und uninteressant klingen und höchstens Bewunderung in einer Kindertagesstätte auslösen können oder geile, mit einfachen Mitteln Lieder spielen die unter der Haut gehen – und halt etwas ‚anders‘ bei Live-Konzerten klingen ?“
Mick:
„Wir waren immer besser. Dieses ‚Hey Jude‘-Gewinsel oder diese nervige ‚Let it be‘-Melodie ! Zum Kotzen !“
Keith(prahlt):
„‘Angie‘ oder ‚under my thumb‘ sind viel besser !“
Manager(sicher):
„Die Beatles waren eindeutig die besseren Komponisten ! Außerdem waren die nicht so eitel und arrogant wie ihr ! Und noch was : Die hätten das niemals gemacht was ihr gemacht habt – mit Brian Jones meine ich.“
Keith legt seine Gitarre ab und geht langsam auf den Manager zu.
Keith(langsam):
„Was meinst du damit genau, Meister ?“
Manager:
„Na denn habt ihr doch liquidiert, klaro ! Der wollte nämlich noch einige Prozente nach seinem Bandaustritt haben. Die ihr ihm nicht zahlen wolltet. So sieht das aus !“
Mick(lacht):
„Hey, Keith, kannst du dich noch daran erinnern, wie du den einen Typen, ich glaube es war im Marquee-Club, abgeknallt hast, weil er den selben Mist erzählt hat ?“
Keith:
„Hier auf der Bühne mache ich so etwas nicht. Aber es war sehr ungeschickt von ihm, es ins Mikrofon gesagt zu haben. 300 000 Leute wissen es jetzt. Mick, unsere Zeit ist abgelaufen, wir sollten es zugeben. (schaut auf den Boden)“
Mick(fraglos):
„Wie die Glocke geläutet wird, so klingt sie. Was machen wir jetzt nur ? Ich hätte das mit dem Marquee-Club nicht sagen sollen, ich hoffe das Publikum hat es nicht richtig gehört.“
Manager:
„Ihr seid eine blutrünstige Bande von eiskalten Killern, die jeden abknallen, der sich euch in den Weg stellt. Doch jetzt könnt ihr mir nichts antun. Die ganzen Zuschauer und das Fernsehen. Viele Millionen Menschen wissen es jetzt – ihr habt mindestens zwei Leute auf dem Gewissen. Wen habt ihr noch abgeknallt ?“
Mick:
„Sagen wir es, Keith ? Vielleicht vermarktet sich das ganze ganz gut und wir können, obwohl wir im Knast sitzen werden, noch Profit daraus machen.“
Manager(verachtend):
„Das mußte kommen ! Du bist ein herzloser Geldhai, Mick !“
Keith:
„Ok, Mick, erzählen wir es der ganzen Menschheit. Sollen sie ruhig wissen, wen sie da jahrzehntelang anhimmeln und anbeten.“
Mick und Keith richten sich zum Publikum.
Mick:
„Tut mir leid, Leute, heut gibt es kein Konzert. Vielleicht spielen wir am Ende noch ein Lied, aber jetzt ist die Zeit gekommen, wo wir enthüllen müssen. Am besten, Keith, du fängst an. Mit Brian Jones.“
Keith(traurig):
„Brian war unser erster Mord. Der Typ war total abgedreht, ist auf irgendeinem LSD-Trip hängengeblieben. Da mußten wir ihn rauswerfen. Er stellte uns aber Bedingungen, die wir nicht erfüllen wollten. Deswegen legten wir ihn um und warfen ihn in seinen Swimmingpool.“
Mick:
„Du hast nicht ganz recht. Unser erster Mord war ein anderes Ding. 1963. In Dallas. Dieser Auftrag vom KGB.“
Keith:
„Achja. (lacht) J.F.Kennedy. Als wir noch nicht so richtig den Fuß in der Musikszene gefaßt hatten, da kam uns dieses Angebot der Sowjets genau richtig.“
Mick(cool):
„Liebe Zuschauer, ihr seht was für Bösewichte wir eigentlich sind. Aber das ist gerade das coole an uns. Nicht diese Hippe-tralala-flower-power-Kacke von den Beatles. Wir sind harte Männer der Tat !“
Keith:
„Mit dem Mord an Kennedy haben wir uns fast übernommen. Nach 1963 haben wir erst mal keine Morde an Prominente gemacht. Wir hatten Glück bei Kennedy. Daß das FBI den unschuldigen Oswald gefaßt hat.“
Mick:
„KGB und KpdSU, vor allem unter der Fuchtel von Breschnew, haben uns dauernd neue Aufträge gegeben. Pablo Picasso, Truman und andere haben wir in den 70ern niedergestochen...“
Keith:
„Oder abgeschossen. Obwohl wir in den 70ern schon längst Millionäre waren konnten wir vom Töten nicht lassen.“
Mick(glücklich):
„Ich bereue auch nichts. Liebe Zuschauer, ihr könnt euch nicht vorstellen, was für ein geiles Gefühl das ist einem Menschen ins Gesicht zu sagen :“Ich komme im Auftrag von Breschnew und werde dich abschießen.“ Wie da die Leute anfangen zu weinen, zu jammern, alles mögliche versprechen und probieren – ich habe mich immer wie ein Gott dabei gefühlt.“
Keith:
„Kommen wir jetzt zum Jahre 1981. Es ist das Jahr der Wende, daß Ende der 70er, der Zeit, in der im Äther noch Restgedanken der Freiheit und der Liebe schwebten – angeblich gute Sachen, aber nicht für uns, Mick, oder ?“
Mick(prahlt):
„Du sagst es, Keith. 1981 war unser Jahr. Unsere Taten in diesem Jahr, der Doppel-Mord und dann diese Krankheit – 1981 hat uns gleich zu zwei Alben inspiriert.“
Keith:
„Bon Scott von AC/DC, dem haben wir Nikotinsulfat in sein Bier geschüttet. Hat er natürlich nicht überlebt, ist eins der giftigsten Dinger die es gibt.“
Mick(impulsiv):
„Dann John Lennon. Schade, daß wir es nicht so machen konnten wie bei Picasso. Bei Picasso konnten wir sein Überlebenskampf so richtig genießen. Angst vor dem Tod macht übrigens hyper-kreativ. Picasso hat auf einmal vom feinsten spontan gedichtet und um sein Leben dabei gebettelt. Eins seiner letzten Gedichte, die er uns aufgesagt hat um uns zu zeigen wie sehr er das Leben liebt – eins dieser Gedichte haben wir in einen Song von uns eingebaut.“
Keith:
„‚No Use in Crying‘ hieß der Song, richtig ?“
Mick:
„Genau. (lacht) Aber Picasso knallten wir in den 70ern ab, Johnny-Boy war in dem besagten 1981 dran. Oder, Keith ?“
Keith:
„Nicht ganz. Dezember 1980 um genau zu sein. John Lennon knallte ich einfach so in New York auf der Straße ab. Dann gab ich einem Typ meine Knarre und bin abgehauen. Als dieser Typ vor Gericht gesagt hat, ich, der große Keith Richards sei der Mörder – ha, die haben den Typen in die Klapsmühle gepackt.“
Mick(glücklich):
„Das beste Ding war aber der Virus. Den gab es zwar schon vor 1981. Aber wir konnten damit einen Typen, einen Homosexuellen infizieren, der über 1000 Sexualpartner hatte. Dadurch hat sich der Virus weltweit erst entfalten können.“
Keith:
„Du hast Recht, Mick. AIDS ist unser Coup gewesen. Zur Zeit gibt es ca.42 Millionen Infizierte, wer weiß wie viel schon draufgegangen sind.“
Mick:
„Auf unserer Afrika-Tournee 1979 sahen wir eine dänische Wissenschaftlerin, die sich damit infiziert hatte. Wir waren zufällig in der Nähe eines Hospitals und hörten davon. Erzähle du weiter, Keith, das AIDS-Ding war dein Big-Deal !“
Keith(cool):
„Ich habe das irgendwie im Instinkt gehabt, daß die Frau eine todbringende nicht heilbare Krankheit hat. Ich mußte sie nur ansehen und da wußte ich es einfach. Sofort nahm ich eine Spritze und entnahm ihr Blut. Dann habe ich diesem Schwulen Steward im Flugzeug, Gate Dugan hieß der glaube ich, damit in den Arsch gespritzt. Das wars !“
Publikum:
„BBUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUHHHHHHHH !!!!!!!!“
Manager(wütend):
„Bastarde ! Schweine ! Auf euch wartet der Todesstuhl !“
Keith(besorgt):
„Shit, Mick. Vielleicht hätten wir das alles doch nicht beichten sollen.“
Mick(unruhig):
„Beruhigt euch !! AIDS ist doch heilbar ! Glaubt den Wissenschaftlern nicht !! HIV ist doch kein Virus, welches in den Körper eindringt und dieser nach ein paar Stunden tot ist, wie bei der Pest etwa. Man muss nur die T-Helferzellen des...“
Keith(unterbricht):
„Bist du wahnsinnig, Mick ? Wenn du das jetzt sagst, dann hast du alle Wissenschaftler, Forscher und Politiker am Hals !“
Mick(flehend):
„Keith, wir müssen unsere Schandtaten wieder gut machen ! Sonst verkaufen sich unsere Platten nicht mehr ! Du hast doch mal AIDS gehabt und dieser Luc Montaigner konnte dich heilen. Es ist an der Zeit, daß alle Menschen erfahren, wie es geht !“
Keith(stöhnt):
„O.k., du hast das Wort. Ich bewundere deinen Mut.“
Mick:
„Man muß bei AIDS nur die Zellmembran der T-Helfer-Zellen mit einem Protein so ändern, daß sie einerseits noch ihre Aufgaben erfüllen können, andererseits die gp41-Moleküle des HIV in diese Zelle nicht eindringen können. Gleichzeitig muß man hinter dem System der Mutationen – es gibt eins ! Zufällig mutiert es nicht ! Gott hat nichts zufällig erschaffen ! Schon Einstein hat gesagt :“Der Alte würfelt nicht !“ – gleichzeitig muß man hinter das System des Polymorphismus von HIV kommen. Stephen Hawking hat diesen Code auch schon längst geknackt.“
Keith:
„Bisher wissen nur Eingeweihte davon. Seit 1995 gibt es dieses Heilverfahren. Die westliche Welt will aber den Kontinent Afrika ausrotten, das ist es !! Asien und Osteuropa, da ist AIDS jetzt auch gewaltig im Anmarsch.“
Mick:
„Die „paar“ AIDS-Tote in der „ersten Welt“ nimmt man da in Kauf. Meist sind es hier ja auch Homosexuelle und Drogensüchtige, Leute, die die Politiker sowieso weg haben wollen. Letztere kosten dem Staat nur Geld.“
Keith(pathetisch):
„Jetzt haben wir es euch gesagt. Und wenn wir trotzdem auf den Todesstuhl kommen – dann haben wir wenigstens eine gute Tat in unserem Leben getan.“
Mick:
„Ist immerhin sehr wichtig für unser Image. Schließlich wollen wir auch nach unserem Tode unsere Platten verkaufen.“
Keith(euphorisch):
„Die Sonne dreht sich mit leichter Bewegung, mit einem sanften Knall heben wir ab. Angezogen von einem Stern mit brennenden Ozeanen.“
Die Stones spielen „2000 light years from home“.