Dovers World
  Extremsportler
 

Im „Aktuellen Sportstudio“.

 
Moderator(freundlich):
„Einen schönen guten Abend, ich freue mich, daß Sie heute eingeschaltet haben. Heute zu Gast ist der Sportler, der in sämtlichen Disziplinen bei den letzten olympischen Winterspielen teilnahm. Dieter Hennig.“
 
Das Publikum applaudiert.
 
Hennig:
„Danke, danke.“
 
Moderator:
„Haben Sie sich von den letzten Verletzungen schon erholt?“
 
Hennig(lächelt):
„Ja, das Bein ist aber noch vergipst und mein Arm schmerzt noch etwas. Mein rechter Fuß ist noch nicht verheilt und die Nase ist gebrochen. Mein linker Zeigerfinger bekommt bald eine Prothese und mein Schulterblatt muß noch operiert werden. Ansonsten geht es mir ganz gut.“
 
Moderator:
„Was bleibt Ihnen noch hängen von den Winterspielen?“
 
Hennig:
„Die Winterspiele von Nowosibirsk werden als Tage der besonderen Art in meiner Erinnerung bleiben. 160 Länder rund um die Welt waren der Fernsehübertragung angeschlossen, als Sergej Makarow vor 50.000 Zuschauern im Tichonow-Stadion das Olympische Feuer entzündete.“
 
Moderator:
„Sie durften die deutsche Mannschaft einführen, mit der Nationalflagge in der Hand. Was war das für ein Gefühl?“
 
Hennig(stolz):
„Ein sehr erhabenes Gefühl war es, auch imposant und ich durfte an erster Stelle laufen, da ich an so vielen Disziplinen teilnahm.“
 
Moderator:
„Wieviel waren es?“
 
Hennig:
„Sieben. Sieben mal die Möglichkeit Gold zu bekommen, sieben mal die deutsche Hymne hören. Aber soviel zählt das nicht.“
 
Moderator:
„Einmal konnte man sie auch hören dank Ihnen. Und zwar im alpinen Wettbewerb. Es war das Riesenslalom.“
 
Hennig(traurig):
„Was mich so enttäuschte war die fehlende Dramatik, die Spannung war dahin, als ich im zweiten Lauf schon wieder den Weltrekord gebrochen hatte. Ich wußte, das kann keiner mehr aufholen.“
 
Moderator:
„Und in diesem Wettbewerb haben Sie sich auch gar nicht verletzt. Viele sagen, das Slalom sei ihr Wettbewerb, ihre Disziplin, Sie sollten sich nur darauf konzentrieren.“
 
Hennig:
„Mein Sohn hatte mich fast dazu gebracht Silber zu holen und nicht Gold. Weil ihm Silber besser gefällt. Aber ich wollte nochmal testen ob ich den Text der deutschen Hymne noch kann. (singt) Deutschland ist mein Katerland, es ist so stolz und rein, Deutschland ist mein Katerland, ich bin der Scheich vom Rhein.“
 
Das Publikum lacht.
 
Moderator:
„Viele vermuten auch, daß Sie diesen Wettbewerb nicht gewonnen hätten, wenn Sie sich schon Verletzungen aus anderen Disziplinen geholt hätten. Es war gut, daß ganz am Anfang der Riesenslalom war.“
 
Hennig:
„Wenn ich schon das gebrochene Bein gehabt hätte, dann wäre es bestimmt zu einem Wimpernschlag-Finale gekommen. Es ist eine Goldmedaille, die ich zwar nicht in meine Besenkammer hängen werde, aber DIE Errungenschaft meines Lebens ist es bei Gott nun wirklich nicht.“
 
Moderator:
„Wieso nicht, wenn ich fragen darf?“
 
Hennig:
„Es hat meinem Körper nichts abverlangt, ich mußte keine Schmerzen dafür empfinden – einfach nur die Piste hin und her fahren, mehr hat es nicht gekostet. Kein Schweiß, kein Leid, das zählt für mich nichts.“
 
Moderator:
„Warum haben Sie nicht noch im anderen Slalomturnier, im Super-G, teilgenommen.“
 
Hennig(gelangweilt):
„Ich habe an den Vorbereitungen teilgenommen, bin in jedem Lauf ohne Mühe bester gewesen, die Zuschauer haben die Fahnen geschwungen, die Kinder meinen Namen gerufen, die Frauen ihre BH´s mir hinterhergeworfen – und das obwohl es mir kaum etwas abverlangt hat. Das langweilt, das ist so, wenn man im Dartwerfen immer ins Rote trifft, keine Abwechslung. Wenn mir dabei mal ein Dartpfeil ins Auge fliegen würde und ich pfeilschnell ausweichen müßte, das wäre schon spannender.“
 
Moderator:
„Seien Sie doch froh, daß es Ihnen nicht so erging wie Max Trinkl, der nach einem schweren Sturz ins Krankenhaus mußte.“
 
Hennig(begeistert):
„Was für eine atemberaubende Abfahrt ist er doch gefahren, mehrere Abfahrtsfahnen hat er mitgenommen – und dann der Sturz! Spektakulär! Dreifacher Überschlag, die Skier sind zerbarst und sein Helm flog meterweit die Piste runter. Was für eine Augenweide. Ich bin abends gleich zu ihm in die Klinik gefahren und wollte ihm meine Goldmedaille schenken. Er hat abgelehnt, wie schade.“
 
Moderator:
„Kommen wir zur zweiten Disziplin an der Sie teilnahmen. Das Rodeln, der Bobsport. Leider konnten Sie nur da den vorletzten Platz belegen.“
 
Hennig:
„50 Meter in 4,79 Sekunden. Nach dem Startrekord sah ich die Konkurrenz nur noch vor mir. Mein Schlitten schleuderte von links nach rechts, es war mir nicht mehr wichtig, ob ich eine Medaille bekommen würde, nein, es begann – der Überlebenskampf, das eigentlich aufregende am Sport.“
 
Moderator:
„Deutschland konnte aber auch da Gold feiern, da Hackl Schorsch die beste Zeit fuhr. Wie verstehen Sie sich mit ihm?“
 
Hennig(abwertend):
„Überhaupt nicht. Er rodelt glanzlos, nur auf Vorsicht aus, keine spektakulären Bandenchecks, nichts was einem das Herz stehen läßt. Ich bin dagegen einmal mit voller Wucht an die Bande gefahren und habe dabei meinen Zeigefinger unter den Schlittenkufen gehabt. Der ist jetzt ab. Wenn der vorletzte Platz schon einen ganzen Finger kostet, dann muß der erste Platz eine ganze Hand kosten. Der hat sich doch noch nie verletzt, der fährt schnurgerade seine Strecke.“
 
Moderator:
„Die B.Z. meinte mal, daß sie den Wintersport mißbrauchen, sie machen aus dem Sport einen Actionfilm, in dem Sie sich nur darstellen wollen.“
 
Hennig:
„Diese Journalisten haben doch gar keine Ahnung, die wissen doch nicht was das bedeutet eine Piste mit einem Bob zu rodeln. Ich wurde schon ohne Nerven geboren, ich bringe eine geradezu unheimliche Wettkampfstärke mit. Man darf nicht vergessen, wo der Sport herkommt. Aus dem Überleben, unsere Vorfahren mußten sich vor Gewittern und wilden Tieren schützen – und überleben! Nicht der, der sich als erster verstecken konnte, der feige und schnell flüchten konnte war bei ihnen der wahre Gewinner. Die wahren Helden waren die Menschen, oder besser gesagt noch Urmenschen, die am meisten Widerstandskraft hatten und am meisten überlebt hatten. Dafür gab es auch keine Medaille.“
 
Moderator:
„Kommen wir zur dritten Disziplin: Eishockey. Sie durften als Linksverteidiger für das deutsche Team antreten. Leider ist unsere Mannschaft in die B-Klasse abgestiegen.“
 
Hennig(stolz):
„Hier konnte ich mir im Spiel gegen die Russen, sie spielen neben den Kanadiern den härtesten Eishockey, eine gebrochene Nase holen. Ein vorzüglicher Bandencheck des Eiskünstlers Burey hat mich gegen die Bande geworfen, ein lauter Knall, das Schreien der entsetzten Zuschauer und die Scheibe war zerbrochen. Blut auf dem Eis, die Kameras schwirrten um mich und jetzt hätte nur noch aus den Lautsprechern AC/DC gefehlt, wie es der Brauch in Nordamerika ist.“
 
Moderator:
„Sie erzählen so begeistert von ihrer Verletzung, ich habe langsam den Eindruck, die Presse hat recht, was sie über sie schreibt.“
 
Hennig:
„Na gut, wenn Sie es darauf ankommen lassen wollen: Ich nehme bald an den olympischen Sommerspielen teil, an zehn Disziplinen. Eine wird davon das Boxen sein. Wollen wir eine Runde Sparring treiben? Sie bekommen auch den ersten Schlag.“
 
Es geht ein Raunen durch das Publikum.
 
Moderator(ärgerlich):
„Sie bekommen nach der Sendung eine Anzeige von mir. Wegen Drohung körperlicher Verletzung.“
 
Hennig:
„Habe ich das mit Burey etwa gemacht? Ich habe mir das Photo des Bandenchecks eingerahmt, es hängt jetzt in meinem Schlafzimmer.“
 
Moderator:
„Haben Sie denn auch mal im Eishockey einen gefoult?“
 
Hennig(freudig):
„Natürlich, gegen Japan konnten wir 10:0 gewinnen, was die Fouls betrifft. Ich habe einen Japsen an den Kragen genommen, habe ihm ins Gesicht gespuckt, die Hosen runtergezogen und in den Magen getreten. Mit stolz erhobenem Haupt wurde ich vom Schiedsrichter vom Spiel gesperrt, ich habe nach dem Spiel auch diesen Japaner in der Klinik besucht und viel Schmerz und Leid gewünscht.“
 
Moderator(entsetzt):
„Was sind Sie nur für ein Mensch. Kommen wir zur nächsten Disziplin. Eiskunstlauf. Auch da haben sie sich verletzt, den Arm haben Sie sich verrenkt.“
 
Hennig:
„Ja, genau, meine Eiskünste, die das Eis zum Schmelzen brachten. Das Kruzifix um den Hals hat nie gefehlt und ich habe mich vor jedem Start gekreuzigt. Auf das ich diesen Lauf auch heil überlebe. Ich hatte auch eine Affäre mit der Eisläuferin Tara Lipinksi, sie bewunderte meine Sportphilosophie.“
 
Moderator(abwertend):
„Sie haben im Eiskunstlauf die schlechtesten Noten bekommen, Ihnen wird nachgesagt, daß sie erstmal richtig Schlittschuh laufen lernen sollten.“
 
Hennig:
„Ist mir doch egal, Hauptsache ich hatte den Adrenalinkick, die Aufregung, den starken Willen zu Überleben. Wenn ich da an meinen Sturz nach der Weinmeister-Pirouette denke, fabelhaft. Da war...“
 
Moderator(unterbricht):
„Ist Ihnen das nicht langsam peinlich? Die ganze Welt lacht doch über Sie. Kinder sammeln die Überraschungseier, wo sie stets als schlechter Sportler abgebildet sind.“
 
Hennig(zufrieden):
„Ich habe aber auch meine Fans. Ich habe eine Homepage mit einem Forum. Eine attraktive Frau, ich glaube es ist sogar eine Schauspielerin, schreibt dort Unmengen an Sketche für mich. Sie hat einmal geschrieben, sie wäre der Co-Trainer von Hertha BSC und ich sollte als Maskottchen an der Außenlinie stehen, mit einer Fahne wedeln und bei einem Tor ein Salto schlagen.“
 
Moderator:
„Kommen wir zur nächsten Disziplin. Eisschnellauf. Wieder eine Sportart, wo man Schlittschuh laufen muß. Sie wurden letzter. Mit Abstand sogar letzter.“
 
Hennig:
„Es war spektakulär, ich bin schon falsch in die Kurve hineingelaufen. Als die Rücklage kam, konnte ich nur noch die Bande anpeilen um mit möglichst viel Wucht hineinzuknallen.“
 
Moderator:
„Das haben Sie auch getan. Der Lauf wurde abgebrochen und Sie sind als einziger nicht die vollen vier Runden gelaufen. Haben Sie sich da auch verletzt?“
 
Hennig:
„Ja, das Schulterblatt habe ich mir gebrochen. Das Interview hier langweilt mich mittlerweile.“
 
Moderator:
„Weil Sie sich hier nicht verletzen können?“
 
Hennig:
„Genau, wenn Sie bei Ihren Fragen ein Messer auf mich werfen würden, dann wäre das alles viel spannender. Es sollte so was auch im Alltag passieren, beim Einkaufen wird man beschossen, S-Bahn fahren geht nur noch auf dem Dach des Zuges und wenn man über Rot bei der Ampel geht, dann düst sofort ein Polizeiwagen auf einen zu. Die Straßenpolizisten sollten sowieso mehr schießen, wenn man was falsch im Straßenverkehr gemacht hat. Wozu haben die den ihre Pistolen?“
 
Moderator(ernst):
„Wie Sie sagten, Sie haben auch Ihre Fans. Sie sind für einige Jugendliche ein Idol. Was ist, wenn junge Menschen Ihnen nacheifern?“
 
Hennig:
„Das würde doch ihr Leben bereichern. Sie würden an Erfahrung gewinnen und nicht einfach vor dem Fernseher sitzen und sich mit Popcorn vollstopfen.“
 
Moderator:
„Hätten Sie nicht ein schlechtes Gewissen, wenn wegen Ihnen ein Mensch sterben würde, nur weil Sie ein Idol für ihn sind?“
 
Hennig:
„Nö. So ist das auch mit den Urmenschen gewesen, der Tod war bei ihnen viel präsenter als in unserer Zeit. Wer stirbt heute schon einfach so? Das passiert doch nur den wenigsten, die meisten werden über 70 Jahre alt, haben ein Gebiß zum rausnehmen und sabbern beim Essen. Die Menschen von heute sind doch viel zu verwöhnt, was für Abenteuer können die ihren Kindern erzählen? Die Menschen von heute erleben nichts mehr, sie verfallen in ein gemütlichen Trott, das ist gegen unsere Natur, gegen unsere Bestimmung.“
 
Moderator:
„Kommen wir zur letzten Disziplin. Die auch die gefährlichste ist. Sehr viel Unfälle sind da bisher noch nicht passiert, denn dann hätte man diese Sportart aus dem Wettbewerb gestrichen. Aber wenn Unfälle passieren – dann können das schon ganz schlimme sein.“
 
Hennig(glücklich):
„Das Skispringen, ne? Da habe ich mich schon die ganzen Winterspiele darauf gefreut. Denn das ist endlich mal eine Sportart, die schnell tödlich enden kann.“
 
Moderator:
„Sie haben im Vorbereitungsturnier, wo man sich für Olympia qualifizieren konnte, den Rekord gebrochen.“
 
Hennig:
„Wenn ich da schon gestürzt wäre, dann hätte ich ja bei den Winterspielen nicht teilnehmen können. Den Sturz wollte ich mir noch aufheben.“
 
Moderator:
„Bei diesem Qualifikationsturnier sind Sie sehr weit geflogen und konnten die besten Haltungsnoten verbuchen. Und dann war es soweit, das Skispringen in Nowosibirsk. Sie durften als neuer Weltrekordhalter als erster springen.“
 
Hennig(enttäuscht):
„Mein Sturz war unspektakulär, ich bin von der Chance gesprungen und habe gleich ein Salto geschlagen. Ich hätte erst eine Weile richtig fliegen müssen und dann mich überschlagen müssen.“
 
Moderator:
„Das hätten Sie auch beim zweiten Sprung getan, wenn der Präsident der olympischen Spiele Sie nicht gesperrt hätte.“
 
Hennig:
„Meiner Meinung nach ein schlechter Präsident, er weiß noch nicht mal, wo der Sport herkommt, was für eine Philosophie dahinter steckt.“
 
Moderator:
„Sollten Sie Ihre Meinung zum Sport nicht ändern, so der Präsident, dann dürften Sie nicht mehr bei Olympia teilnehmen.“
 
Hennig:
„Ich verstehe mich nicht so gut mit ihm, das ist ja kein Geheimnis. Ich wurde für den Fackellauf mit dem olympischen Feuer vorgeschlagen, ich wollte das aber nur machen, wenn ich von Griechenland bis Nowosibirsk den gesamten Fackellauf alleine hätte machen können. Ohne trinken, ohne was zu essen. Der Präsident hat dies abgelehnt, seitdem verstehen wir uns nicht mehr so gut.“
 
Moderator:
„Es gibt Gerüchte, daß Sie über eine Fußballkarriere nachdenken. Stimmt das?“
 
Hennig(ablehnend):
„Ach, ne, ich mache es doch nicht. Bei jedem Foul gibt es gleich eine Karte, meine Sportphilosophie wird vom FIFA-Gremium als unsportlich angesehen. Das muß nicht sein.“
 
Moderator:
„War es schon immer ihr Wunsch Sportler dieser Art zu sein?“
 
Hennig:
„Ja, aber zuerst wollte ich Stuntman werden. Auch sehr gefährlich und daher auch sehr faszinierend. Meine ersten Stunts habe ich in dem Film „Die Fliege“ machen können. Naja, Stunts kann man das auch wieder nicht nennen. Ich mußte einen Handstand auf dem Stuhl machen und sowas. Gymnastikübungen waren das, mehr nicht. Aber Jeff Goldblum konnte das nicht.“
 
Moderator:
„Sie haben doch auch Stunts in einem James Bond Film gemacht, oder?“
 
Hennig(begeistert):
„Ja, ich mußte mich vor einem Zug werfen und auf den Gleisen unten liegen bleiben, bis der Zug vorbei gefahren ist. Das war sehr prickelnd.“
 
Moderator:
„Warum sind Sie dann nicht Stuntman geblieben, wenn es Sie so reizt mit Ihrem Leben zu spielen?“
 
Hennig:
„Weil ich mich im Sport verletzen kann. Beim Stunt in einem Film muß alles sauber über die Bühne gehen, da darf man sich nicht sonderlich verletzen.“
 
Moderator:
„Ich verstehe Sie nicht.“
 
Hennig:
„Wenn Sie mir ab und an eine runterhauen würden, dann würde mir dieses Interview hier auch mehr Spaß machen.“
 
Moderator:
„Wurden Sie in Ihrer Kindheit geschlagen? Sind Sie vielleicht deswegen etwas traumatisiert?“
 
Hennig:
„Nein, leider war meine Mutter eine sanfte Frau. Mein Klassenkamerad hatte aber das Vergnügen gehabt solch eine gewaltige Mutter, eine ‚Mother of Violence‘ zu haben. Sie können sich gar nicht vorstellen, wie aufregend es für diesen Jungen war, das schlechte Zeugnis nach Hause zu bringen. Da gab es eine Menge an Kloppe! Ich habe mal mein Zeugnis gefälscht und nur Fünfen und Sechsen reingeschrieben. Meine Mutter hat mich da aber nur getröstet und in die Arme genommen.“
 
Moderator:
„Na dann ist es vielleicht so: Sie hatten eine viel zu sanfte und ruhige Kindheit, es hat sich bei Ihnen Agression gestaut und jetzt kommt bei Ihnen alles raus.“
 
Hennig:
„Versuchen Sie jetzt einen auf Psychologen, oder was? Ja, vielleicht waren meine Eltern etwas zu milde zu mir, mein Vater war Pazifist und Pfarrer, er hat Sprechstunden gegeben, für die er nicht mal bezahlt wurde.“
 
Moderator:
„Was sagen Ihre Eltern jetzt zu Ihnen?“
 
Hennig:
„Sie sind stolz auf mich. Stolz darauf, daß...daß...naja, wegen der einen Goldmedaille eigentlich nur. Meine atemberaubenden Stürze und Verletzungen finden sie nicht besonders schön.“
 
Moderator:
„Wir haben mal ins GuennessBuch der Rekorde reingeschaut. Den Rekord in Verletzungen, meist Selbstverletzungen, hält ein Inder.“
 
Hennig(neugierig):
„NAME?“
 
Moderator:
„Brachman Mahavishnu Banand. Er verletzt sich jeden Tag, egal ob beim Kochen oder beim Fensterputzen. Er leidet unter einer masochistischen Krankheit.“
 
Hennig(agressiv):
„Arschloch!“
 
Moderator:
„Wie bitte?“
 
Hennig:
„Penner!“
 
Moderator:
„Halten Sie sich mal am Riemen, ich zeige Sie wirklich nach der Sendung an. Bedenken Sie doch, dies hier ist eine Live-Sendung.“
 
Hennig(wütend):
„Hauen Sie mich doch endlich! Ich will der am meisten Verletzte der Welt sein. Oder muß ich mir selber eine runterhauen?“
 
Moderator:
„Liebe Zuschauer, wir beenden hiermit das Interview. Wie war heute das Spiel der Eisbären? Sie mußten gegen die Frankfurt Lions unbedingt...“
 
Hennig steht auf und haut sich eine runter. Danach tritt er dem Moderator auf den Fuß.
 
Moderator(entsetzt):
„Aua! Was fällt Ihnen ein?“
 
Hennig:
„Sie müssen sich jetzt verteidigen, schließlich ist so ihr Überlebensinstinkt. Los treten Sie mich! Oder soll ich sie mal richtig beleidigen?“
 
Moderator:
„Bitte verlassen Sie das Studio!“
 
Hennig geht zu einem Publikumsgast. Er zeigt auf ihn und spricht.
 
Hennig(laut):
„Dieser Mensch kann nicht lesen! Er war immer der dümmste in der Klasse, eine Freundin bekam er auch nie. Stets gedemütigt und ohne die Einsicht zu bekommen als dummer Mensch auf die Welt gekommen zu sein, wollte er sich einmal im Fernsehen sehen, damit er den Kindern, die er nie bekommen wird, weil sich keine Frau von ihm schwängern lassen will...“
 
Der Publikumsgast steht auf und haut Hennig eine runter. Es gibt jetzt Aufruhr im Publikum. Ordnungshüter stürmen ins Studio und beruhigen die Situation.
 
Hennig(glücklich):
„Ja, ich wurde verletzt! Juchu! Dabei hätte ich noch ausweichen können, aber der flinke Herr hat ganz schnell zugeschlagen. Ich muß ins Krankenhaus, jawohl! Da bin ich so gerne, das Bett wird für einen gemacht, kochen muß man nicht und Miete muß man auch nicht zahlen. Wissen Sie was, lieber Herr? Ich schenke Ihnen meine Goldmedaille von den Winterspielen, die haben Sie mehr verdient als ich bei diesem langweiligen Slalom. Sie haben sich doch jetzt auch bestimmt die Hand verletzt, oder?“
 
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