Markus hat eine junge Frau namens Nathalie kennengelernt. Er hat ihre Handynummer von ihr bekommen und schickt ihr jeden Tag ein Gedicht per SMS. Nach einer Weile hat er sich sehr in Nathalie verliebt und schickt ihr einen Liebesbrief. Daraufhin besucht Nathalie ihn.
Markus:
„Nathalie....ach Nathalie....hallo“
Nathalie:
„Hallo Markus.“
Markus:
„Hallo. Komm doch rein.“
Sie kommt rein und beide setzen sich ins Wohnzimmer.
Markus:
„Hasat du...ähhh...hast du dich denn schon gut eingelebt in der Invalidenstrasse ?“
Nathalie:
„Jaja, ist alles schon eingerichtet.
(kurze Pause)
Markus, ich habe heute deinen Brief bekommen.“
Markus (kratzt sich verlegen am Kopf):
„Ohh...ähhh...ja...tut mir leid aber ich musste es dir unbedingt mitteilen.“
Nathalie (schaut ihn mit großen Augen an):
„Ach Mann....da schickst du mir so tolle Gedichte, das Ballongedicht war echt gut. Dann die Unterwasserdinger, hervorragend. Dann schickst du mir ein Gedicht wo wir in Marokko verreist sind, ich habe mich da schon so darauf gefreut gehabt, du hast es ja auch richtig angekündigt.“
Markus (lächelt etwas):
„Ja, Nathalie.“
Nathalie schnieft kurz.
Nathalie:
„Und dann auf einmal, statt mir die ganze Woche von unseren Abenteuern in Nordafrika zu berichten, schickst du mir so einen Brief.“
Markus (runzelt verzweifelt die Stirn):
„Nathalie, ich...ich...“
Nathalie:
„So einen einfallslosen, profanen Liebesbrief.“
Nathalie seufzt.
Markus:
„Tutut mir leid, ich liebe dich aber...sehr sogar...“
Nathalie (dreht leicht den Kopf):
„Den Brief hast du geschrieben ?“
Markus (nickt unsicher):
„Ja.“
Nathalie:
„Und die Gedichte ? Sag mir die Wahrheit, Markus. Ich kann es mir kaum vorstellen, das jemand solche Gedichte mit Zeilen wie etwa „zwischen Schiffswand und Kanonenrohr gleiten wir, wir sind Entdecker der Meere!“
Nathalie:
„Oder „wir steigen mit Feuer und Flamme in die Lüfte, lautlos und ruhig ist die Fahrt“ der Autor eines Liebesbriefes in solch einem langweiligen Stil ist.“
Markus (schaut traurig und verzweifelt):
„Ich wollte es dir halt direkt sagen, ich dachte halt, daß wenn ich da so drum herum rede, daß dies nicht gut ist und...“
Nathalie (beugt sich etwas nach vorne):
„Markus, sag mir die Wahrheit. Wer schreibt die Gedichte. Goethe oder Kästner sind sicherlich noch kreativer gewesen, aber die Gedichte im Vergleich zu diesem lahmarschigen Liebesbrief....“
Markus (faltet die Hände zusammen):
„Aber Nathalie, ich habe doch da geschrieben, dein helles Lachen und dein dunkles Haar...“
Nathalie (unterbricht):
„Und deine eleganten Händchen. Mannomann, das hat auch schon einer mal inner Grundschule zu mir gesagt. Markus, wer ist es ? Schreibt ein Freund von dir etwa die Gedichte für dich ?“
Markus schaut auf den Boden, dabei sind seine Beine eng aneinander.
Markus:
„Nein....es ist....es ist....du wirst es mir wahrscheinlich nicht glauben, liebe Nathalie.“
Nathalie:
„Sag es mir endlich, du phantasielose Gestalt ! DEN Mann will ich lieben, für immer und ewig, nicht von seiner Seite will ich weichen, der mir so tolle Gedichte jeden Tag schickt.“
Markus (schaut sie wieder an):
„Ich glaube...ähh...ich glaube du wirst mir nicht glauben, wenn ich dir die Wahrheit sagen werde.“
Nathalie (pathetisch):
„Diese Person, dieses Abbild eines jungen Gottes, ohhh, was wird dieser lodernde Titan der Poethik mir erst für Gedichte schicken, wenn ich ihm einen Kuss gebe und ihm meine Liebe verspreche.“
Markus (runzelt die Stirn):
„Nathalie, ich habe es auch erst mal nicht geglaubt, aber ist echt ein Wunderding das ganze.“
Nathalie beugt sich nach vorne.
Nathalie (lauter):
„Jetzt sag es endlich, du Trantüte, ich muss es wissen, er soll mir ganze Epen schreiben, er soll sich an meiner Liebe ergötzen, bis in die Ewigkeit will ich...“
Markus (unterbricht):
„Nathalie, es ist mein Hase. Ja, mein Hase hat die Gedichte geschrieben.“
Markus schaut betreten auf den Boden.
Nathalie (runzelt die Stirn):
„Dein Hase ? Willst du mich jetzt etwa veräppeln ?“
Markus (mit großen Augen):
„Ich habe es doch auch erst mal nicht geglaubt. Hast du schon mal einen Hasen gehabt ?“
Nathalie:
„Nein.“
Markus (zählt mit der Hand ab):
„Es ist so : In einen Hasenstall gehört Futter, Wasser und Heu. Und unter das Heu...“
Nathalie (unterbricht und spricht langsamer):
„kommt Zeitungspapier ! Ich ahne es, Markus, das kann nicht die Wahrheit sein.“
Nathalie schaut Markus mit großen Augen und offenem Mund an
Markus:
„Mein Hase hat unsere Sprache über die Zeitung gelernt. Der hat ja auch die ganze Zeit dafür Gelegenheit gehabt.
Heute brauche ich ihm nur ein Blatt mit koreanischen Schriftzeichen zu geben, der entziffert die komplette Sprache innerhalb von 15 Minuten !“
Nathalie (langsam):
„Ohhh Gott, WAHNSINN !! Ist der intelligent !“
Markus:
„Unglaublich, nicht ? Ich habe halt manchmal laut in meinem Zimmer geredet, wenn ich an dich gedacht habe. Und einmal, das war vor ein paar Wochen, da wollte ich dir einen Liebesbrief schicken.“
Nathalie (schaut ihn ärgerlich an):
„Du uninteressanter, unromantischer...“
Markus:
„Ich habe den Brief damals schon fertig gehabt, wollte noch mal daran feilen...“
Nathalie (schaut ihn ärgerlich an):
„Was gibt es denn da bitte schön zu feilen, an so einem kitschigen eintönigen Liebesbrief ?“
Markus:
„Ich nahm meinen Hasen auf den Schoß, setzte mich an den Computer und auf einmal.....(Markus hebt die Hände) auf einmal hat der angefangen auf der Tastatur rumzuspringen und Gedichte zu schreiben !“
Nathalie (neugierig):
„Wie heißt er ?“
Markus:
“John. John Shaft !”
Nathalie (schaut nach oben):
„Ach Johnny-Boy, ich würde ihm die perfekte Liebe versprechen.
(sie schaut wieder Markus an)
Ihr menschlichen Männer gefallt mir sowieso nicht so gut mit euren muskulösen Beinen und eurem stinkenden Bart !“
Markus:
„Zum Glück habe ich immer die Süddeutsche oder die Berliner Zeitung gelesen. Hätte ich ihm immer die Bild oder die B.Z. reingepackt, ohhje, das wäre ein richtiger Schwachkopf geworden.“
Markus hebt die Augenbrauen und nickt dabei.
Nathalie (stöhnt):
„Ihn will ich heiraten, nur ihn will ich mein ganzes Leben lang lieben !
Kann ich ihn jetzt sehen ?“
Nathalie steht auf.
Markus:
„Naja, Nathalie, du musst ja bedenken, daß er nur ein Hase ist. Ich glaube nicht, daß er dich lieben wird. Ich glaube der wollte mir nur zeigen, daß er besser ist als ich. Der ist, das ist meine Theorie, der ist nur sauer auf mich, daß ich ihm nur dieses billige Futter von Kaisers kaufe, statt schönes gesundes Futter vom Tierhändler.“
Nathalie faltet die Hände und schaut sehnsüchtig nach oben.
Nathalie:
„Bei mir soll er nur das beste vom besten.....ok, ich glaube du hast recht. So soll es auch sein, die Liebe, die man am meisten liebt bekommt man nicht.
(sie schaut wieder Markus an)
Darf ich ihn mal sehen ?“
Markus (steht auf):
„Ja, klar. Aber versprich dir nicht zu viel davon.“
Markus:
„Schau Nathalie, da ist er !“
Nathalie geht zum Stall und beugt sich.
Nathalie:
„Ach Gott, ist der süß ! Ich nehm den mal raus, ich will den mal....ach was erzähle ich dir da, dich Einfaltspinsel brauche ich nicht zu fragen, das ist eine Sache zwischen mir und John !“
Sie öffnet den Stall und nimmt den Hasen raus. Sie streichelt ihn.
Markus (schaut traurig):
„Aber Nathalie, ich liebe dich wirklich, ich...“
Nathalie (gereizt):
„Jaja, setz dich hin und schreib mir lieber ein paar von deinen Liebesbriefen, ich will in der Zeit meinen Johnnyboy streicheln !“
Markus:
„Hmmmm“
Markus schmollt. Nathalie setzt sich mit dem Hasen auf das Bett.
Nathalie (lächelt):
„So, du kleiner, du schreibst mir also tagein tagaus diese niedlichen Vierzeiler.
(jetzt schaut sie ärgerlich Markus an)
Markus, mach den Computer an und setz ihn vor die Tastatur. Weil sprechen kann er ja leider nicht.“
Markus:
„Ok.“
Markus schaltet den Computer an.
Nathalie (schaut dabei den Hasen an):
„Du arme süßer Hase, dieser Eierkopf da hat eine Stimme und bringt es nur fertig peinliches Zeug zu erzählen. Aber wenn du eine Stimme hättest, du würdest mir so prächtige Lieder jeden Tag vorsingen ! Ungerecht das ganze !“
Markus:
„Nathalie, ich glaube nicht das er was will von dir. Dieser Bengel will mir nur eins auswischen, mehr nicht.“
Nathalie schaut wieder ärgerlich Markus an.
Nathalie:
„Hast du endlich den Computer angeschaltet ? Das wird doch wohl nicht zu schwer sein den Power-Knopf zu finden.“
Markus:
„So, ich habe „word“ geladen, leg ihn vor die Tastatur.“
Nathalie streichelt den Hasen und legt ihn vor die Tastatur.
Nathalie (schaut verstört):
„guzncgcfiq4q7zncjfh9883“. Was soll das denn bedeuten ?“
Markus:
„Ja, das hätte ich dir noch sagen sollen. Der ist viel weiter als wir. Vor 2 Jahren hat er angefangen die Zeitungen zu lesen. Jetzt hat er sich angewöhnt Geschichten in komprimierter Fassung zu erzählen. „guzncgcfiq4q7zncjfh9883“ ist sicher wieder eins seiner Gedichte in kryptscher Form.“
Nathalie:
„Und wie hast du, du unintelligenter Junge, das entziffern können ?“
Markus:
„Ähhh, gar nicht, ich habe einfach gewartet. Irgendwann merkt mein Hase, daß wir nicht schlau genug sind für ihn, dann wird er in unserer Sprache schreiben.“
Nathalie:
„2o84375dk^8532084ut8329“......dauert das noch lange ?“
Markus:
„Es müsste gleich so weit sein.“
Nathalie (hebt die Augenbrauen):
„Ohhh, jetzt kommt was : „Liebe denkt in süßen Tönen, denn Gedanken stehn zu fern...“
Markus schaut traurig auf den Boden.
Markus:
„Aber wie gesagt, der macht das nur um mich zu ärgern. Der liebt nur sich, seine umwerfende Genialität und seinen Stall. Ich dagegen...“
Nathalie (hebt die Hand und unterbricht).:
„Halt die Klappe ! „Nur in Tönen mag sie gern Alles was sie will verschönen !“ Ohh Mann ist das schön, John. Mach Platz, du du Trantüte, ich will was zurückschreiben . Oder versteht der das was ich sage ?“
Markus:
„Das weiß ich auch nicht. Immer wenn ich ihm was sage, tut er so als ob er mich nicht hören würde und kaut an seinem Heu.“
Nathalie:
„John, verstehst du mich ? Hmmm...ich schreibe ihm mal was...
(sie schaut zu Markus)
Kannst du bitte wegschauen, das geht dich nichts an, das ist was zwischen mir und John !
Markus:
„Ja gut...du hast übrigens schöne Augen“
Nathalie:
„ohh, er schreibt wieder. „wir stranden am Ufer, vor uns entblößt sich der Anblick eines grünschimmernden Waldes , so leuchtend grün wie deine Augen“ Ach, das hast du schön geschrieben, John. Mach bitte weiter, John !“
Nathalie streichelt dabei den Hasen.
Markus (schmollt):
„Du hast so einen schönen Mund, Nathalie.“
Nathalie:
„Sei ruhig, du Dummkopf ! Dieser Moment gehört dem wahren Poeten. „Liebe Nathalie, wenn ich deinen sinnlichen Mund erblicke und du ihm zarte Worte entlockst dann ist es als ob ich wie ein Falke in der Luft schwebe.“
Markus:
„Nathalie, das macht der nur um mich zu ärgern, ehrlich.“
Nathalie gibt dem Häslein einen Kuss und verwandelt sich in einen Hasen.
Markus springt auf und schaut die beiden Hasen an.
Markus:
„Huch, was ist das denn ? Nathalie ? Was ist mit dir passiert ? Jetzt seid ihr beiden ja zusammen. John, du bist ein Arschloch. Ich war echt ziemlich verliebt in die kleine und du nimmst sie mir einfach weg. Naja, immerhin habe ich ja Nathalie bei mir.
(er streichelt den Hasen, der kurz davor noch Nathalie war)
Ich werde jetzt jeden Tag auch Gedichte schreiben üben. Ihr könnt mir ja dabei zuhören.
(er setzt sich an den Computer und beginnt ein Gedicht zu schreiben)
„Eene meene miste...“