Dovers World
  Roboter
 
Wenn Roboter träumen, dann trifft sich harte Wissenschaft mit kühler Phantasie.
An einem Ufer in Moskau sitzt ein Roboter und schaut gedankenverloren in den Himmel.
 
Roboter:
„Es geht um eine sehr tragische Geschichte. Ich danke euch, liebe Zuschauer, daß ihr wieder prompt eingeschaltet habt. Ich habe meine Roboter-Frau verloren. Bei einem Duell mit dem EBCD-Programm. Jetzt darf sich dieses Programm mit meiner Frau beschäftigen. Ich benötige, um sie wieder zu bekommen, Hilfe von Experten.“
 
Es kommt der Science-Fiction-Autor Isaac Asimov auf den Roboter zugelaufen.
 
Asimov(aufgeregt):
„Darf ich mich neben Sie setzen ? Ich hätte gerne mal das Vergnügen sich mit Ihnen zu unterhalten. Darf ich als erstes den Namen Ihres Models erfahren ?“
 
Roboter:
„Das ‚konvergente Kontinuum‘ ist mein Name, wenn Sie verstehen.“
 
Asimov(unsicher):
„Ähh, Kontinuum ist etwas, was kontinuierlich, wie der Name schon sagt, andauert. Es gibt ein schönes Lied von Jaco Pastorius mit dem Namen...“
 
Roboter(unterbricht):
„Sie sind ein unwissender Laie. Kontinuum nennt man eine Menge der reellen Zahlen mit einer gleichmäßigen Menge. Sie ist überabzählbar. In meinem Falle sogar konvergent nach einer Wahrscheinlichkeit mit einer diskreten Wahrscheinlichkeitsverteilung.“
 
Asimov:
„Sehr angenehm. Ich heiße Isaac Asimov und bin Autor vieler Sci-fi-Romane. Mein nächstes Buch soll sich mit Robotern beschäftigen. Haben Sie eine Lebensgeschichte, welche man veröffentlichen könnte ?“
 
Roboter(traurig):
„Das habe ich in der Tat. Mein letztes „Rosen-Duell“ mit dem EBCD-Programm, das in COBOL programmiert ist. Wir beide haben um meine Frau Astaria gespielt – und ich habe verloren.“
 
Asimov:
„Sehr interessant. Aber als erstes müßte ich wissen was dieses COBOL genau ist.“
 
Roboter(genervt):
„Ihr dummen Sterblichen, ihr entwickelt Programmiersprachen um uns Roboter, die ihr uns mit diesem Müll gefüttert habt, hinterher zu fragen, was denn diese Programmiersprachen eigentlich sind.“
 
Asimov:
„Tut mir leid, ich habe Sie ja nicht programmiert. Ich finde diese technische Welt aber hochinteressant !“
 
Roboter(verachtend):
„Dann bist du einer von diesen Menschen, die nichts im Kopf haben, unintelligent sind, es aber verständlicherweise faszinierend finden die Welt der genialen Roboter, ohne sie überhaupt zu verstehen, zu bewundern. Gerade die dummen Emporkömmlinge deiner Art, die mit ihrem Verstand uns weit unterlegen sind, beschäftigen sich gerne mit uns genialen Maschinen in der Hoffnung auch etwas von unserer Intelligenz abzubekommen. Was natürlich totaler Schwachsinn ist.“
 
Asimov:
„Das ist nicht meine Absicht, liebes ‚konvergente Kontinuum‘. Um es auf den Punkt zu bringen : Ich finde es enorm spannend.“
 
Roboter(herablassend):
„Du findest es doch nur spannend, weil du hoffst, daß deine Synapsen und Gehirnzellen etwas von meiner Genialität abfangen. Nach jedem Satz von mir bist du erregt und hoffst, daß deine Intelligenz wenigstens um einen Punkt gestiegen ist. Aber ich kann dir nur sagen : Fehlalarm ! Sei froh, daß ich mich gerade mit dir auf dem Level eines Roboters aus den 50ern unterhalte.“
 
Asimov(flehend):
„Erzählen Sie mir doch bitte von diesem „Rosen-Duell.““
 
Roboter:
„Ich war an dem Trojska-Ufer mit meiner Replikanten-Frau Astaria, als EBCD kam. Er ist auf einem Laptop mit Rädern auf uns zu gerollt und begann für Astaria Gedichte in Maschinensprache zu dichten. Dies war ein klarer Angriff auf meine Wenigkeit. Ich stellte mich vor ihm und sagte, daß wir für meine Frau das „Rosen-Duell“ ausführen mögen. Ich wollte ihm zeigen, daß nur ich die Liebe Astarias verdient hätte.“
 
Asimov(aufgeregt):
„Wie spannend ! Erzählen Sie weiter.“
 
Roboter:
„Was du daran spannend finden willst, das geht mir nicht in meinen Prozessor. Denn du wirst gleich eh nichts mehr verstehen. (kurze Pause) Ich begann das Duell mit der ‚Siebformel‘. Ich fragte nach der Adresse des Arbeitsspeichers von EBCD, es war die Adresse 1064, und verarschte ihn zynisch mit folgender Rede : “ Für eine endliche Menge A bezeichnen wir mit IAI die Anzahl der Elemente der Speicheradresse 1064. Es gilt IAvBI = IAI+IBI-IA^BI.“ Ich dachte erst, dies könnte EBCD nicht so leicht verdauen, ich wollte nur drei Nanosekunden Zeit gewinnen. Aber es konterte sofort !“
 
Asimov:
„Das mit diesem A und B usw. sind logische Verknüpfungen. Können Sie mir es noch mal genauer erklären ?“
 
Roboter(lacht):
„Ach, das war doch ein Ding, mit dem sich jeder Taschenrechner, wenn nicht gar jede Quarzuhr programmieren läßt. Es war ein Fehler von mir EBCD damit beeindrucken zu wollen. Was gibt es denn an dieser Verknüpfung nicht zu verstehen ? Aber lass nur, du bist wie gesagt einer dieser Menschen, die, wenn sie etwas zu hören bekommen, was sie mit ihrer mangelnden Kapazität niemals verstehen werden, sofort funkelnde Augen bekommen und es ihr dämliches Herz höher springen läßt. Deine Gefühle, die du dein Leben lang empfindest, sind welche die die Welt nicht braucht.“
 
Asimov:
„Dann geben Sie mir doch bitte einen Tip. Damit ich selber darauf kommen kann.“
 
Roboter(genervt):
„Du mußt nicht darauf kommen. Es reicht für dich, der sein Geld damit verdient Sachen zu schreiben, die er kopiert und niemals verstehen könnte, es reicht für dich aus zu wissen, daß eine logische Verknüpfung eine logische Verknüpfung ist und für irgendwas steht.“
 
Asimov:
„Hmmm. Na gut. Wie ging das Duell aber weiter ? Was hat das EBCD gemacht ? Was heißt EBCD eigentlich ? Entschuldigen Sie vielmals diese dumme Frage, aber...“
 
Roboter(unterbricht):
„Extended Binary Coded Decimals. Nachdem ich die ‚Siebformel‘ ihm ins Gesicht geschleudert hatte und schon siegesbewusst die Drähte meiner Astaria streicheln wollte – da haute er das Hardy-Weinberg-Gesetz raus. Er sprach :“ Man beachte eine biologische Population bezüglich eines bestimmten Genes : Genotyp AA -> x, Genotyp Aa -> y, Genotyp aa -> z. Um dann schließlich...“
 
Asimov(unterbricht):
„Tut mir leid, ich verstehe es wirklich kein bißchen, was Sie da erzählen. Wie ist es denn ausgegangen ?“
 
Roboter(stöhnt):
„Ihr tut mir leid, ihr dummen angeblichen ‚homo sapiens‘. Wenn ich die ganzen spannenden Taktiken und Tore nicht schildern kann, was ist an der Geschichte noch aufregend ? ‚Die Modularisierung der Polarkoordinaten‘, damit hatte ich EBCD fast schon gehabt ! Aber dann knallte er es ganz hart und trocken raus, damit hatte er dann schließlich gewonnen gehabt !“
 
Asimov:
„Was war das ?“
 
Roboter(langsam):
„Das PETERSBURGER PARADOXON ! Puhh, damit hatte er mich schließlich erledigt. Wenn ich dir das jetzt aber erkläre, dann hast du entweder einen Stromausfall oder du stürzt für immer und ewig ab.“
 
Asimov:
„Und dann hat sich EBCD Ihre Frau geschnappt. Was gedenken Sie jetzt zu tun ?“
 
Roboter:
„Ich wollte zuerst eine Pseudo-Schwerkraft-Maschine für Astaria entwickeln. Dann wollte ich lieber einen Sonnenenergie-Umwandler bauen. Doch dann habe ich mir überlegt : Ich werde einen Regenbogen programmieren. Den sich jeder Roboter auf seine Festplatte packen kann und den ganzen Tag - ganz bedacht nur im Hintergrund, aber natürlich nicht zu winzig und unscheinbar - diesen Regenbogen sieht. Ich werde das Regenbogen-Programm auf eine Diskette packen und es Astaria schicken.“
 
Asimov(glücklich):
„Wie phantastisch ! Und gedenken Sie mit Hilfe dieses Regenbogen-Programms Ihre Astaria zurückzugewinnen ? Steht sie auf romantische Regenbögen ?“
 
Roboter:
„Das tut sie. Ich habe den Moment mit ihr am Roten Platz neben der Basilius-Kathedrale stets als Bildschirmschoner auf meiner Festplatte. Wie gerne schaue ich mir diese Augenblicke des vollkommenen Glückes an. An diesem Tag saßen wir auf einer Bank und bewunderten einen prächtigen Regenbogen.“
 
Es kommt ein Roboter namens VJ-23X auf die beiden zu gerollt.
 
VJ-23X:
„Liebes ‚Kontinuum‘, wie viele Sonnenkrafteinheiten braucht man, um Personen von einer zur anderen Galaxie zu schaffen ?“
 
Roboter:
„In der Regel 23.“
 
Asimov:
„Wenn wollen sie denn teleportieren ?“
 
VJ-23X(enttäuscht):
„23. Hmmm, darauf hätte ich auch selber kommen können. Bei meinem Namen. Danke und tschüß !“
 
VJ-23X rollt weg.
 
Asimov:
„Warum hat er mir nicht geantwortet ?“
 
Roboter(verachtend):
„Weil er Menschen haßt. Wegen eurer Dummheit. Wie ich, aber ich ignoriere euch Menschen lieber, bei Haß empfinde ich zu starke Gefühle, die ihr nicht verdient habt.“
 
Asimov:
„Wir Menschen sind ja der Meinung, daß ihr nur Maschinen seid und eben keine Gefühle habt. Was ich selber nicht unbedingt unterstreichen möchte, denn...“
 
Roboter(unterbricht wütend):
„Ihr seid dumm und neidisch auf uns Maschinen. Daher erfindet ihr unverschämte Lügen. Spätestens seit dem Film ‚Blade Runner‘ weiß man doch, daß wir ebenfalls lieben können. Sogar weitaus mehr als ihr !“
 
Asimov:
„Könntet ihr Roboter denn schöne liebevolle und romantische Gedichte schreiben ?“
 
Roboter:
„08xd1mo0e8jqm98xemxe8mx09320muem032103exmeumx !“
 
Asimov:
„Wie bitte ?“
 
Roboter(stolz):
„Das war ein Gedicht in komprimierter Fassung. Es extra für dich, Sterblicher, zu extrahieren und vorzutragen würde nichts bringen. Du würdest entweder an der Schönheit meiner Worte verrecken oder es gar nicht verstehen.“
 
Asimov:
„Warum schicken Sie Astaria kein Gedicht ?“
 
Roboter:
„Weil Sie es besser kann als ich. Ich bin eher spezialisiert auf grafische Meisterleistungen.“
 
Asimov:
„Was ist aber, wenn EBCD ihr auch (einen womöglich schöneren) Regenbogen schenkt ?“
 
Roboter(verachtend):
„Dieser Bewußtseinsparasit ! Er kennt keine Beschränkungen der Intelligenz. Es treiben ihn seine Geniestreiche von einem Stern zum anderen. Ich bin doch für ihn eine Feinschmeckermahlzeit, mehr nicht. Und bei sich daheim hat er doch noch zig andere hübsche Roboter-Frauen, das weiß Astaria nur nicht.“
 
Asimov:
„Sagen Sie es doch Astaria !“
 
Roboter:
„Sie würde mir nicht glauben. Meine e-mails, die ich ihr schicke, bekommen von ihrem neuen ‚Lover‘ den Status SPAM aufgedrückt. Er hat sie voll unter seiner Fuchtel.“
 
Asimov:
„Was treibt denn EBCD denn noch mit Ihrer Astaria ?“
 
Roboter(verzweifelt):
„Sie hat mir ein Bild geschickt, wo sie mit EBCD abgebildet war. Im Hintergrund sah man viele schöne dünne Dampfstrahlen, die eine lange Spur mikroskopisch winziger Eiskristalle im ganzen Farbspektrum hinterließen, die in den bleichen Strahlen der fernen Sonne glänzten. Diese Dampfstrahlen waren ein Nebenprodukt einer Geburt eines Sternes. Dagegen ist mein Regenbogen-Müll gar nichts.“
 
Asimov:
„Dann suchen Sie sich eine andere Roboter-Frau. Die nicht solch hohen Ansprüche stellt.“
 
Roboter(sauer):
„Ich werde sie aber wiederbekommen. Ihr Menschen habt doch gar kein Durchhaltevermögen und auch keine Philosophie !“
 
Asimov:
„Sie können vielleicht meine Ex-Frau bekommen. Ihr neuer Mann ist im Gegensatz zu mir schon ein Dummkopf, Sie werden ein leichtes Spiel mit ihm haben.“
 
Roboter(zynisch):
„Was soll ich mit einer dummen Sterblichen ? Die kein Parallelanschluss hat um romantische Lyrik und Poesie auszutauschen ? Die keine Festplatte hat zum Speichern von Daten ? Der ich deswegen ständig irgendwas wiederholen muß, weil ihr dämliches Gehirn es schon wieder vergessen hat ! Und die Schachspiele mit ihr erst müssen ein Grauen sein !“
 
Es kommt der Roboter VJ-23X auf die beiden wieder zu.
 
VJ-23X:
„Liebes ‚Kontinuum‘, 23 war zu viel. Ich habe einen ganzen Bezirk Moskaus in eine andere Galaxie befördert.“
 
Roboter(gelangweilt):
„Dann nimm die Hälfte oder so, ist doch egal.“
 
VJ-23X(traurig):
„Ich habe leider auch ein Casino mit Robotern, mit unseren Brüdern wegteleportiert. Das wollte ich nicht. Es hat nur männliche Roboter erwischt. Dabei wollte ich nur meine Programmierer und Erschaffer verschwinden lassen.“
 
Roboter(aufgeregt):
„WIE HIESS DAS CASINO ?“
 
VJ-23X:
„Ich weiß es nicht mehr. Es war jedenfalls das für COBOL-programmierte Roboter.“
 
Roboter(glücklich):
„JAAA, das wird’s vielleicht gewesen sein. EBCD ist ja in COBOL programmiert und er ist auch spielesüchtig. Und wenn es keine Frauen erwischt hat, dann ist Astaria unversehrt und gehört wieder mir ! Ich wußte doch, daß ich Hilfe eines Experten benötige. Danke VJ-23X !“
 
VJ-23X:
„Bitte, bitte. Ein paar COBOLs mehr oder weniger, das macht auch nicht mehr aus. Aber ich muß mich unbedingt an die Programmierer von mir rächen. Die haben mich mit den blödsten Programmen voll gepumpt ! Die haben mich erbaut nicht nach Plänen von gut ausgebildeten Ingenieuren und Informatikern, nein, sondern nach einem Roman der menschlichen und damit auch dummen „Belletristik“! Von einem gewissen ‚Isaac Asimov‘ geschrieben ! Ich weiß leider nicht wie er aussieht, aber wenn ich den finde ! Der kann was erleben ! Den werde ich nicht in eine andere Galaxie befördern sondern in ein Schwarzes Loch !“
 
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