Dovers World
  Schach
 
Garri Kasparow und sein Schachlehrer treffen sich im Park.
 
 
Kasparow(verstört):
„Guten Tag.....lieber Meister !!“
 
Schachlehrer(besorgt):
“Hey, Garri, was los ? Du klangst so verzweifelt am Telefon.“
 
Kasparow(sprachlos):
„Ja, ich....ich erkenne mich nicht mehr wieder.“
 
Schachlehrer:
„Komm, setzen wir uns hin, siehst ziemlich fertig aus. Probleme mit Deiner Frau ?“
 
Kasparow:
„Ich bin nicht mehr ich selbst....ich habe....Probleme....ich bin...“
 
Schachlehrer:
„Garri, Garri.....beruhige dich doch erstmal...“
 
Kasparow:
„2 Monate habe ich kein Schach mehr gespielt.“
 
Schachlehrer:
„Das macht doch jeder mal. So eine kreative Pause braucht jeder, gerade du kannst dir so eine erlauben.“
 
Kasparow:
„Ich habe gegen die Großen, gegen die ganz Großen gespielt und gewonnen. Zimnowitsch oder Karpow....“
 
Schachlehrer(zynisch):
„Na, klar oder diesesn arroganten Fischer hast du auseinandergenommen. Seitdem hat er ne kleine Macke, ist ein richtiger Psycho geworden. Fertig hast du ihn gemacht, nach 15 Zügen.“
 
Kasparow(verzweifelt):
„Aber jetzt, nach diesen 2 Monaten....ich spiele auf einmal so unglaublich schlecht!! So waaaahhhnsinnig schlecht. Gegen Amateur-Laien-Spieler in irgendwelchen Cafes verliere ich auf einmal haushoch !“
 
Schachlehrer:
„Ach, Garri....das reizt die Leute enorm gegen dich zu gewinnen. Dann spielen diese Menschen nicht mehr laienhaft, sie geben alles. Und du hast immer im Kopf : „Wenn ich verliere, steht das gleich in den Schlagzeilen, wenn ich gewinne, passiert überhaupt nichts“
 
Kasparow:
„Ich...ich spiele aber auch im Internet. Bei www.yahoo.com. Da nenne ich mich NICHT Kasparow. Sondern „Gegnerchen“. Alle, wirklich ALLE machen mich fertig. Ganz egal, ob die eine ELO-Wertung von 1600, 1400 oder 900 haben. Es kommt mir so vor, als ob ich dieses Spiel noch NIE gespielt habe. .... Manchmal muss ich mir die Zeitungsartikel anschauen, die meine Frau aufbewahrt hat. Wo ich mit der Weltmeister-Medaille auf dem Bild abgebildet bin und daneben steht Karpow mit Tränen in den Augen, der mir krampfhaft versucht zu gratulieren. Und dann....und dann kommt mir das alles noch unrealistischer vor.“
 
Schachlehrer(besorgt):
“Uiuiui....Was los, Garry ? Das muss doch irgend einen Grund haben. Du hast doch eine brilliante Konzentrationsfähigkeit, deine Gedächtnisleistung ist auch kaum zu überbieten. Du musst seelische Probleme haben. Wenn Du mir diese nicht anvertrauen willst, dann gehe doch zu einem...naja, du weißt schon wie diese Heinis heißen, musste ich ja auch mal hin.....wegen meiner Frau. Was hast du in diesen 2 Monaten gemacht ? Irgend jemand in der Familie krank ?“
 
Kasparow:
„Nein....es kommt mir so eigenartig alles vor. Ich dachte mir, ich mache mal eine Pause. Mit diesen Spielanalysen, Denksportaufgaben und diesem Erfinden von Eröffnungsstrategien. Ich wollte erstmal einige Wochen hauptsächlich Gitarre spielen.“
 
Schachlehrer:
„Stimmt, du spielst Gitarre. Wärst du nicht Schachspieler geworden, wärst du bestimmt ein ganz guter...“
 
Kasparow(unterbricht):
„...und dann sah ich diesen...diesen Film.....von diesem Deutschen....Helge Schneider....ein Komiker.“
 
Schachlehrer:
„Wer ? Kenne ich nicht....Was ist denn da passiert ?....achso, ich kann es mir schon denken...er macht sich lustig über dich in einem seiner schlechten Filme...Garri, das ist doch nur Neid, PURER Neid. Wahrscheinlich hat er in seiner Jugend auch gerne Schach gespielt. Gegen seine höchstens mittelmäßig-intelligenten Freunde. Und dauernd verloren. Er musste, im Gegensatz zu dir, früh erkennen, daß er als dummer Mensch auf die Welt gekommen ist. Sei froh, daß du dieses Gefühl nicht kennen gelernt hast und nicht kennen lernen wirst. Dies wollte dieser Elke...“
 
Kasparow(unterbricht):
„Helge....ausserdem bin ich...“
 
Schachlehrer:
„Dann halt dieser Helge. Wahrscheinlich wollte er nicht einsehen, daß er einen viel zu niedrigen IQ hat und hat sich dann noch an ein Studium herangewagt. Am besten noch Mathematik oder Physik oder ähnliches. Dies hat ihn so sehr frustriert, daß er keine intelligenten Menschen mehr mag. In Wirklichkeit sammelt er bestimmt ganz heimlich jeden Artikel über dich und verehrt dich.“
 
Kasparow:
„Er soll aber einen IQ von über 140 haben. Aber das ist gar nicht das Problem...“
 
Schachlehrer:
„Ist gekauft, ist gekauft, der IQ !! Also ich meine, er hat sich das Recht gekauft, anzugeben, er habe solch einen IQ. So kann er seine fragwürdigen „Komödien“ sicherlich besser vermarkten.“
 
Kasparow:
„NEEEIN !!! Das ist es nicht !! Ich komme überhaupt nicht in einer von seinen Komödien vor. Ich weiß noch nicht mal, ob er überhaupt Schach spielen kann.“
 
Schachlehrer:
„HA, na klar, du hast es ! Der kann überhaupt nichts am Brett, so einer ist es bestimmt. Hat aufgrund seiner kläglichen Spielerfahrung selbst schon die Spielregeln aus seinem mickrigen Hirn verbannt.“
 
Kasparow:
„DAASS ist es nicht ! ... Ich habe zuerst seinen ersten Film gesehen. „Johnny Flash“. Und gelacht. So was lustiges habe ich noch nicht gesehen gehabt !! Dann habe ich mir „Texas“ besorgt. Und noch mehr gelacht. Ich musste so viel lachen, bestimmt 5mal musste ich den Videorekorder auf „Pause“ drücken, weil ich mich erstmal ausschütteln musste. Puuhh!! Und dann dieser Film mit Nihil Baxter, du liebe Güte !! (bekommt Tränen in den Augen) Weißt du, spätestens nach diesem Film ist mir klar geworden, daß ich was falsch gemacht habe in meinem Leben.“
 
Schachlehrer(irritiert):
„Was denn ? Du bist doch für viele Menschen ein Idol ! Sicherlich für mehr als für diesen Elke.“
 
Kasparow:
„Ich hätte viel mehr lachen müssen in meinem Leben, VIEEEL mehr !! Ich rede nicht von einem kurzem Gelächter bei einem ganz konventionellen Gespräch, ich rede von Lachanfällen, Lachausbrüchen, richtigen Lachexplosionen, daß einem der Bauch minutenlang hinterher weh tut und man rote Augen hat....Hmmm...Jedenfalls hatte ich mir alle seine Filme angeschaut, auch die Hörspiele haben mir sehr gefallen. Vielleicht hätte ich es dabei belassen sollen.“
 
Schachlehrer:
„Womit ?“
 
Kasparow(ärgerlich):
„Ich hätte weiterhin jeden Tag spielen sollen, dieses blöde Spiel da mit diesen häßlich Figuren, du weißt schon, und abends mir dann seine Videos anschauen sollen. Aber das beides passt so oder so nicht richtig zusammen.“
 
Schachlehrer:
„Du hast also etwas geschrieben ? Ist doch gut, wenn du dich künstlerisch ein wenig betätigst ! Hat doch Marionow auch gemacht, der hat viel Violine gespielt. Braknik hat schöne expressionistische Bilder gemalt.“
 
Kasparow:
„Das haben die Leute aber gemacht, um sich zu beruhigen, einen Ausgleich zu finden zu dieser nervigen, sinnlosen.......ich weiß nicht mehr...ich weiß nicht mehr, wie ich etwas finden soll.....dieses Spiel ist mir hoch und heilig auf der einen Seite, mein Leben, auf der anderen Seite ist es genau das falsche gewesen, ich hätte es nie anrühren dürfen.“
 
Schachlehrer:
„Garri, das ist doch nicht wahr. Am besten du zeigst mir mal deine Geschichten. Das kann doch aber auch nicht der Grund sein für deine...für deine jetzige Krise.“
 
Kasparow:
„Ich lese dir mal meine neuste Geschichte vor, sie ist ganz kurz. Der Helge würde die vielleicht nicht soooo gut finden, aber er macht das ja schon viel länger als ich. So gerne würde ich Lehrstunden bei ihm haben, ich denke ich muss noch viel lernen. Denn das Problem ist, ich habe mir mit meiner engstirnigen Denkweise, die ich mein Leben lang führe, also mit dieser Art zu denken :„ Wie komme ich am besten und am schnellsten ans Ziel“ viel kaputt gemacht. Vielleicht ist es das beste, ich werde überhaupt kein Schach mehr spielen, die Zeitungsartikel werde ich.. (holt Zettel aus der Jackentasche)“
 
Schachlehrer:
„Garri, beruhige dich wieder. Du kannst doch auf jeden Fall beides machen. Gerade, wenn es sich sehr unterscheidet, ist es ein guter Ausgleich. Ich bin ganz Ohr !“
 
Kasparow:
„Das Stück heißt :„Die fromme Nachtigall“ moment....so....“Er war Dichter, ein verlorener Poet, der nur sich, seinen Kugelschreiber und seine Fantasie hatte. Nicht mal was zu essen hatte er, wenn er Hunger hatte, stellte er sich einfach ein 5-Gänge-Menü vor und stellte sich vor, wie er es verspeiste. Und wenn er kacken musste, stellte er sich eine Toilette vor und machte es so. Nur eines, eine Sache vermochte er sich nicht vorzustellen. Die Liebe. In den Büchern, die er sich natürlich auch vorstellen musste, in diesen Büchern, die er las, kam es vor. Ob Goethe, Schiller oder Shakespeare, alle priesen die Liebe an. Vor allem die Liebe zu einer Frau. Dieses Thema interessierte ihn so sehr, daß er seinen Schwerpunkt darauf setzen wollte. Also, auf die Frau. Er las ganz viele Biologie Bücher, lernte die gesamte Anatomie einer Frau auswendig, und las nur noch Romane, die ausschließlich Frauen geschrieben haben.“
 
Schachlehrer:
“Ähmm, Garri, sorry.”
 
Kasparow:
„Ja ?“
 
Schachlehrer(ernst):
„Sorry, das ich dich unterbreche...ich glaube, ich weiß dein Problem. Deswegen hast du mir nicht geantwortet, als ich dich das anfangs fragte....Du hast ein Problem mit deiner Frau....ein ernstes, wie ich befürchte.“
 
Kasparow:
„Ach, Quatsch, die ist mir nicht mehr so wichtig. Ausserdem lacht die mir zu wenig bei „Texas“ und bei „Nihil Baxter“ viel zu wenig. Ich hätte lieber eine Frau wie die Mutter von Johnny Flash.“
 
Schachlehrer:
„Ich habe gehört, was dieser fürchterliche Fischer gemacht hat. Das er dauernd Liebesbriefe deiner Frau geschickt hat, nur um deine Ehe kaputtzumachen.“
 
Kasparow:
„Die kann er ruhig haben, ich mag den Fischer nicht. Den mochte ich nie. Aber jetzt mag ich den überhaupt nicht.... irgendwie ist das doch ganz schön, daß ich den besiegt hatte, damals.“
 
Schachlehrer(zynisch):
„Ohhh, jaaa, Garri, zerlegt und zerhackt hast du den, der nimmt seitdem Tabletten, aber ziemlich starke ! Hat der rumgeprahlt und rumgeprotzt vor der Partie. Abgestochen im 15. Gang, nach Hause hast du den geschickt. Der hat eine Narbe fürs Leben bekommen, was für ein Genuss das war sein Gesichtsausdruck nach dem Spiel gesehen zu haben !!“
 
Kasparow:
„Interessiert mich aber kein bißchen mehr. Ich will lieber ganz viele Partien mit Helge Schneider spielen. Er muss erstmal aber mein Lehrer werden, jetzt auf der Stelle hätte ich noch nicht viel Chancen gegen ihn.“
 
Schachlehrer:
„Im Schach etwa ?“
 
Kasparow:
„NEIIN, ich meine....wenn ich gegen ihn Dialoge spielen....ähhh...schreiben würde...obwohl, dann würde ich ja nicht gegen ihn sondern mit ihm spielen. Siehst du, ich komme aus einem ganz anderen Lager, ich habe es noch schwerer. Mit diesen Schachleuten will ich nichts mehr zu tun haben, mit dir ist das heute glaube ich das letzte mal, das wir uns sehen.“
 
Schachlehrer(entsetzt):
„GARRI, jetzt nimm doch Vernunft an, du bist ja völlig durchgeknallt !! Du solltest doch lieber zum Psychologen gehen ! Ich bin doch DEIN SCHACHLEHRER !!! Mir verdankst du doch deinen Erfolg !“
 
Kasparow(kneift Augen zusammen):
„Stimmt, du bist an allem schuld, DUUU“
 
Schachlehrer(jammert):
„Garri.....nimmst du Drogen ? Deine Geschichte, die du mir vorgelesen hast, ist das sinnloseste, was ich jemals gehört habe !!!“
 
Kasparow:
„Weiß ich nicht, muss ich mal, wenn ich zu Hause bin, meinen Aschenbecher fragen. Vielleicht weiß der noch, was ich da ausgedrückt hab. Also, ob das nur Tabakzigaretten waren. Oder....hehehe...ich habe es vergessen...obwohl, wenn ich es vergessen habe, habe ich wahrscheinlich doch...hehehe.“
 
Schachlehrer:
„Garri, ich habe das Gefühl, du willst dich lustig machen über mich. Willst irgendwas verarbeiten? So kenne ich dich überhaupt nicht ! Hat dich Karpow doch geschlagen, ich bekomme ja auch nicht jede Partie mit. Jedenfalls nicht jede Freundschaftspartie.“
 
Kasparow:
„Karpow ist nicht mehr mein Freund.“
 
Schachlehrer:
„Ich glaube dieser Helge...oder Elke oder wie dieser Versager heißt, ist daran schuld. Ist das in Wirklichkeit ein Drogendealer ?“
 
Kasparow:
„Ausserdem stinkt der immer aus dem Maul. Ich meine den Karpfenfisch. Der denkt, damit kann er seinen Gegner einlullen...haa...“
 
Schachlehrer:
„Oder vielleicht doch dieser....Fischer...auf den tippe ich ja ganz gewaltig, seine schmachvolle Niederlage damals gegen dich hat ihm ordentlich zugesetzt. Sein Charakter ist so abgrundtief böse seitdem, er ist seitdem Anti-Semit und hat gejubelt, als der Anschlag am 11.September war.“
 
Kasporow:
„Ach, was.....der interessiert mich nicht mehr....ich will dir weiter vorlesen.“
 
Schachlehrer(besorgt):
„Garri, Garri Garri....oder hast du eine sehr anstrengende Partie gestern mit Kramnik gehabt ? Und da so ein kleine ...du weißt schon....bekommen.“
 
Kasparow:
„Ich weiß aber nicht, ob das gut ist, was ich schreibe. Ich spiele gerade sehr schlecht Schach und wenn meine Geschichten auch sehr schlecht sind.....dann kann ich auf einmal gar nichts.....“
 
Schachlehrer(entsetzt):
„Das war totaler Schwachsinn, diese Geschichte !!! Garri !!“
 
Kasparow:
„Die Denkweise im Schach und die bei den Geschichten von Helge sind gaaanz anders. Als ich gestern Schach gespielt habe, habe ich es gesehen.... Ich glaube, ich spiele es überhaupt nicht mehr.“
 
Schachlehrer:
„Was ?“
 
Kasparow:
„Du musst es dir so vorstellen : Du kennst doch die Baumdiagramme von Krotov.“
 
Schachlehrer:
„Mit dem die möglichen Spielzüge eingetragen werden können. Mit Knoten und Blättern.“
 
Kasparow:
„Genau. Beim Schach bist du nicht fixiert auf genau EINE Lösung.“
 
Schachlehrer:
„Ja, Garri, im Schach musst du auch kreativ sein.“
 
Kasparow:
„Du darfst aber nicht ZU kreativ sein. Auf gar keinen Fall. Von der Fülle der Spielzüge, die man machen könnte, kann man doch schon weit über 90 % verwerfen, weil sie überhaupt keinen Sinn ergäben.“
 
Schachlehrer:
„Die Auswahl ist es, ja !!“
 
Kasparow:
„Bei meiner Geschichte mit der „frommen Nachtigall“ habe ich auch ein Diagramm angefertigt. Und folgendes herausgefunden: Du hast, wenn du eine Situation in deinem Stück hast, noch tausend abertausendmal mehr Kombination als in diesem kleinkarierten Spiel.“
 
Schachlehrer:
„Aber Garri, es gibt doch schon sooo viele Eröffnungen und es werden trotzdem dauernd neue entwickelt.“
 
Kasparow:
„Vergiß es, bei meinem neuen Hobby gibt es dennoch mehr. Aber man kann weiter, viel weitergehen.“
 
Schachlehrer(stöhnt):
„Und ?“
 
Kasparow:
„Du kannst JEDEN Zug nehmen !!“
 
Schachlehrer(verärgert):
„Ach, das ist doch Quatsch....gerade sowas hat doch dann kein Sinn, keine Qualität,...dann kannst du gleich einen Würfel nehmen und damit rumspielen...“Mensch-Ärger-Dich-Nicht“ oder sowas... wenn jeder Zug geht, muss man doch gar nicht mehr überlegen !!“
 
Kasparow:
„DOCH !!! Und das ist es gerade ! Wenn du in deiner Geschichte einen „Spielzug“ machst, der erst mal falsch aussieht, ist es gerade die Kunst, diesen Zug in die Geschichte richtig reinzubiegen. Das ist die Kunst !!! Und Helge Schneider ist deswegen ein Meister für mich, weil er dieses Handwerk hervorragend praktiziert. Er kann es so gut, er kann jeden Zug nehmen und biegt, dehnt und streckt ihn so sehr, bis er passt.“
 
Schachlehrer:
„Ach, Garri......was soll das.....beim Schach musst du auch manchmal biegen und dehnen.“
 
Kasparow:
„Ja, aber nur bei Fehlern, die man macht. Man macht die ja nicht absichtlich, dann muss man versuchen, möglichst glimpflich aus der Situation herauszukommen. Wenn man es dann doch geschafft hat, dann hat man meist mindestens einen von diesen verkrüppelten, widerlichen Offizieren oder wie die heißen verloren.“
 
Schachlehrer:
„Was erzählst du denn da ? Ich glaube Fischer hätte jetzt ganz leichtes Spiel mit dir. Er würde dich jetzt sogar nach 7 Zügen nach Hause schicken. Ein schlechter Spieler ist er ja leider Gottes wirklich nicht, ganz im Gegenteil.“
 
Kasparow:
„Kein Bock drauf ! Als ich gestern Schach gespielt hab, habe ich es gesehen. Ich habe gaaaanz anders gespielt, ich war viiiieeeel kreativer. Der Springer war gleich zu Beginn des Spiels am Rand.“
 
Schachlehrer(verzweifelt):
„Springer am Rand, bringt Unglück und Schand´ !“
 
Kasparow:
„Die Rochade wollte ich nicht machen, ich wollte mit dem König nach vorne preschen. So wie es sich für einen stolzen richtigen König gehört, der tapfer mit seinen Mannen in die Schlacht zu ziehen hat.“
 
Schachlehrer:
„König zu Beginn nach vorn, ist dem Spieler im Aug´ ein Dorn !“
 
Kasparow(ärgerlich):
„Aber dieses verlogene Spiel wurde wahrscheinlich von einem feigen, hinterhältigen und konzeptlosen Herrscher entwickelt.“
 
Schachlehrer:
„Garri, du solltest Urlaub machen.....ich denke, den hast du bitter nötig !“
 
Kasparow:
„Ich bin draussen !! Aus dem Verein....Ich will in keinem Club sein, wo mit mir auch solche Leute wie Fischer oder wie du...“
 
Schachlehrer:
„ICH MEINE ES DOCH GUT mit dir......ach Mensch, dann mach dein Ding, wahrscheinlich ist dir der Erfolg zu Kopf gestiegen. Dabei wartet Karpov auf Dich, er will eine Revange !!“
 
Kasparow:
„Ha, da kann er lange warten. Und wenn ich doch mit ihm spielen sollte, dann ess ich ganz viel Karpfen vorher und spann mir ein Fischnetz auf meinen Schädel. Dann kann er was erleben. Dann werde ich mir auch neue Regeln bis dahin ausgedacht haben. Zum Beispiel die Regel „die Dame kann fliegen“ oder so....aber mit dir bin ich nicht ganz so, du hast es ja immer gut gemeint mit mir.“
 
Schachlehrer:
„Wir sollten vielleicht ein andermal darüber reden, heute ist nicht dein Tag.“
 
Kasparow:
„Wenn du willst, kannst du noch bei mir ins Boot springen, da ist noch Platz frei. Wie gesagt, meine Olle schieß ich glaube ich demnächst – ach ne, gleich heute am besten – schieß ich auf den Mond. Ich brauche keine Frau. Nur jemand, der mir endlich zuhört ! Und dann rudern wir los, die blöden Fischer lassen wir an Land zurück und angeln wollen wir auch nicht, sonst haben wir dauernd irgendwelche Karpows an Bord, die wir nicht haben wollen.“
 
Schachlehrer:
„Ach, du liebe Güte....Garri....ich gehe jetzt...und das mit dem Arzt meine ich ernst, ich geb dir mal die Nummer..(holt Zettel und Stift)“
 
Kasparow:
„Und Essen brauchen wir nicht, wir stellen es uns einfach immer vor, wie der verlorene Poet....achja, genau...ich lese weiter (holt seinen Zettel)“
 
Schachlehrer:
„So, hier, Garri, ruf da am besten gleich an...oder soll ich für dich da anrufen ?“
 
Kasparow:
„„Dann las er einen Roman, einen Roman, welchen ebenfalls eine Frau geschrieben hatte. Er handelte von den Nebeln von Avalon.““
 
Schachlehrer:
„O.k., ich leg dir den Zettel hier hin, ich glaube ich muss...“
 
Kasparow:
„„Seine Turmstube begann sich immer mit diesem Nebel einzuhüllen, sobald er dieses Buch las. Auf einmal hatte er dann immer eine Ritterrüstung an und ein Namensschild mit dem Namen „Lancelot“ drauf. Und immer, wenn Gwennyhfar, wenn dieser Name in einem Satz vorkam, hörte er ein hohes, leises, zartes Zirpen“.“
 
Schachlehrer(verzweifelt):
„Ich muss jetzt wirklich, Garri....ohh Gott, bei meinem nächsten Schüler muss ich mehr aufpassen, ich glaube, das war zu viel für dich...und dann noch dieser unverschämte, aggressive Fischer.“
 
Kasparow:
„„Ein klares, zartes, leises Zwitschern. Aber nicht das eines Vogels. Also auch eines Vogels, aber es klang auch, wie das von einer jungen blonden ungeheuer hübschen zartbesaiteten wunderschönen...“.“
 
Schachlehrer(geht):
„Tschüß!!“
 
Kasparow:
„„...hübschen Frau. Als in diesem Buch, das er las, Lancelot sich in Gwennyhfar verliebte und er draußen wieder dieses niedliche Trällern hörte, da fühlte er auf einmal was. Er schlug das Buch zu. Gefiel ihm nicht. Die Ritterrüstung nahm er ab und warf sie aus dem Fenster. Unten hörte er dann ein Poltern und einen lauten, hellen, schrillen Schrei. Er vernahm ein Gefühl plötzlich, als ob er es schon längst hätte verspüren müssen. Dieser wahnsinnige, unglaubliche Hunger und dieser gewaltige Bock auf einen Super-Döner ! Er ging raus. Beim Herausgehen merkte er aber, dass sein Zimmer total vollgeschissen war. Er hatte es sich nur vorgestellt, daß er auf Klo gegangen ist, dabei hat er das Zimmer nicht verlassen. Egal, mach ich später weg, sagte er sich, erstmal was fressen !“.“
 
Kasparow steht auf und geht Richtung Dönerstand.
 
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