Dovers World
  Staubsauger
 

Es klingelt an der Tür. Jürgen öffnet.

 
Frau(freundlich):
„Einen recht schönen Guten Tag, Sie haben eine Staubsaugerreinigung gewonnen. Darf ich reinkommen?“
 
Jürgen(nett):
„Ja klar, soll ich Ihnen einen Kaffe machen?“
 
Frau:
„Nein, danke, das ist nicht nötig.“
 
Ein Mann trägt einen riesigen Karton in die Wohnung von Jürgen. Er öffnet ihn und baut einen Staubsauger zusammen.
 
Jürgen:
„Ich würde Ihnen dann gerne einen Lebkuchen anbieten.“
 
Frau:
„Da kann man ja nicht mehr ‚nein‘ sagen.“
 
Jürgen holt ein Stück Lebkuchen und gibt es der Frau.
 
Frau:
„Mein Kollege baut den Staubsauger der Firma Kirby zusammen, Kirby ist ein erfolgreicher Ingenieur aus den USA, er hat schon 70 Patente angemeldet.“
 
Jürgen(erstaunt):
„70? So viele? Das muß ja ein sehr begabter Mann sein, ich habe noch nicht mal ein Patent, hihi. Was hat er denn alles erfunden?“
 
Frau:
„Den ‚Drückrülpser‘, es ist ein sehr praktisches Gerät, mit dem Sie einen Rülpser erzeugen können. Sollten Sie einen Rülpser im Magen haben, ihn aber nicht rausbekommen, dann müssen Sie nur auf den Drückrülpser drücken, ein Rülps-Geräusch ertönt – und es verleitet Sie dann auch endlich zu rülpsen.“
 
Jürgen:
„Sehr praktisch, ich wäre daran eventuell interessiert.“
 
Frau:
„Ich kann Ihnen ja einen Katalog da lassen. Auch sehr interessant ist der „Hufeisen-Toaster“.“
 
Jürgen(neugierig):
„Was interessantes ist das, wenn ich fragen darf, liebe Frau?“
 
Frau(stolz):
„Sie müssen nur ein Toastbrot nehmen, mit dem Messer oder der Schere daraus ein Hufeisen schneiden – und dann in den Toaster packen.“
 
Jürgen:
„Toll, dann kann man ja beim Abendbrot auch noch basteln, wie aufregend!“
 
Der andere Mann hat jetzt den Staubsauger zusammengebaut.
 
Frau:
„So, der Staubsauger ist fertig.“
 
Jürgen:
„Ich werde ihn Kirby nennen, einen Namen hat er verdient. Muß man den dann wieder auseinander bauen?“
 
Frau:
„Sie können, müssen aber nicht. Sie können ihn in die Ecke stellen, da stört er doch keinen.“
 
Jürgen(begeistert):
„Ich finde es toll, daß ich die Auswahl habe. Das ich ihn stehen lassen oder ihn wieder auseinander bauen kann. Ich mag es, wenn ich in meinen Entscheidungen frei sein kann.“
 
Frau:
„Wollen Sie ihn jetzt mal testen?“
 
Jürgen:
„Wenn ich darf?“
 
Jürgen nimmt den Staubsauger und fäßt den Schlauch an. Er scheint ihm zu gefallen den zu verbiegen.
 
Jürgen:
„Das ist ein toller Schlauch, das macht Spaß. Das ist der erste Staubsauger, an dem man noch spielen kann.“
 
Frau:
„Der Schlauch ist aus Lexonat, das ist ein Material, welches in der Raumfahrtsforschung verwendet wird.“
 
Jürgen:
„Und dann kann man sich noch fühlen wie ein Astronaut! Wahnsinn! Ist ja richtig abenteuerlich.“
 
Jürgen schaltet den Staubsauger an und saugt seinen Teppich.
 
Jürgen:
„Das ist ja toll, die Sandkörner werden nicht aufgesaugt, die Fussel aber schon. Mein Kirby ist wählerisch, nicht einfach nur eine Maschine.“
 
Frau:
„Moment, da muß ein neuer Filter eingebaut werden.“
 
Der Mann öffnet den Sauger und legt einen neuen Filter ein. Er gibt den alten der Frau.
 
Jürgen:
„Toll, daß man anhand des Filters sehen kann, was man gesaugt hat. Wenn ich mal ein Sandkorn einsauge, welches ich doch behalten möchte, dann muß ich nur den Filter nehmen – und schon habe ich mein vermißtes Sandkorn wieder.“
 
Jetzt saugt Jürgen seinen Teppich. Er läuft auf und ab und pfeift dabei.
 
Frau:
„Warten Sie einen Augenblick, wir schauen jetzt uns mal den Filter an.“
 
Die Frau nimmt den Staubsauger und holt den Filter raus.
 
Frau(ernst):
„Schauen Sie mal, wieviel Dreck Sie in kürzester Zeit aufgesaugt haben.“
 
Jürgen:
„Geben Sie mir den Filter, bitte. Ich finde das recht interessant. Man kann die Filter aufheben und sammeln. Und Statistiken führen, wann der Filter sauber war oder ziemlich verdreckt gewesen ist. Ich hole kurz meinen Fotoapparat, einen Moment.“
 
Jürgen holt einen Fotoapparat und fotographiert den Filter.
 
Jürgen:
„Wieviel kostet der niedliche Kriby eigentlich?“
 
Frau:
„2.150 Euro. Sie können den auch auf Raten abzahlen.“
 
Jürgen:
„Das sollte mir meine Gesundheit eigentlich wert sein, oder?“
 
Frau:
„Selbstverständlich, Sie haben den Sauger dann ihr Leben lang.“
 
Jürgen:
„Toll, dann bin ich nicht mehr so viel alleine, dann habe ich an meiner Seite einen treuen Begleiter. Einen Moment bitte.“
 
Jürgen geht auf Klo. Da nimmt er sein Handy aus der Hosentasche und stellt den Handywecker auf eine Minute. Er tut das Handy wieder in seine Tasche und geht zu der Frau.
 
Frau:
„Wollen wir mal Ihre Matratze saugen?“
 
Jürgen:
„Gerne. Mein Bett ist auch ein guter Freund und Begleiter in meinem Leben. Mal sehen, wie sich der Kirby und das Bett verstehen, kennen lernen sollte sie sich auf alle Fälle mal, oder?“
 
Die Frau nimmt den Sauger und saugt an der Matratze. Danach schaltet sie den Sauger wieder aus. Sie öffnet ihn und holt den Filter raus.
 
Frau(ernst):
„Schauen Sie mal, soviel Dreck in Ihrer Matratze. Das ist gesundheitsschädlich, die ist voller Kleintiere, voller Maden.“
 
Jürgen:
„Meine Gesundheit ist mir am wichtigsten. Ich finde auch, daß 2000 Euro noch zu wenig für meine Gesundheit sind.“
 
Mann(gelangweilt):
„Sie können sich ja eine neue Matratze kaufen, das ist billiger.“
 
Jürgen:
„Ähh, ja also, naja.“
 
Die Frau schaut den Mann ärgerlich an.
 
Frau:
„Jede neue Matratze wird aber nach kürzester Zeit Maden haben. Sie können sich ja auch nicht dauernd eine neue Matratze, einen neuen Teppich und eine neue Couch kaufen, oder?“
 
Jürgen(begeistert):
„Sie haben recht. Außerdem kann man ja auch meine Tischdecke saugen. Ich will den Kirby haben, ich will Astronaut sein!“
 
Der Handywecker von Jürgen klingelt. Er holt sein Handy aus der Tasche und tut so, als ob er mit seiner Freundin telefonieren würde.
 
Jürgen:
„Hallo? Ah, hallo Sabine. Ja, das ist gut, weißt du was?...ich habe gerade tollen Besuch von einer Frau und einem Mann, die wollen mir ein Gerät aus der Raumfahrtsforschung verkaufen, ist doch aufregend, oder?...Der kostet über 2000 Euro, das ist doch ganz günstig, wenn man bedenkt, daß es einen durchs ganze Leben begleitet...Ja, mit unserem Urlaub nach Spanien wird dann nichts, aber meine Gesundheit ist mir am wichtigsten...du solltest dir auch einen Staubsauger von Kirby kaufen, dann nehme ich meinen mal zu dir mit und dann können unsere Sauger miteinander spielen bzw. sauber machen....okay, bis dann, Schatz!“
 
Frau:
„Will Ihre Freundin auch einen Staubsauger von Kirby?“
 
Jürgen:
„Ja, wahrscheinlich, ich könnte sie davon sicherlich überzeugen. Den Urlaub nach Spanien lassen wir sein, das Geld sollte sie lieber für ihre Gesundheit ausgeben.“
 
Mann(gelangweilt):
„Sie können doch den Sauger zusammen bauen und zu Ihrer Freudin bringen, dann sparen Sie 2000 Euro.“
 
Die Frau schaut ihren Kollegen wieder ärgerlich an.
 
Jürgen(mitfühlend):
„Ne, das ist nicht so gut. Der arme Sauger, stellen Sie sich vor, man würde Sie immer auseinander bauen. Und dann die Fahrt dahin, die ganzen Menschen unterwegs, da würde der Kirby Angst bekommen, oder?“
 
Frau:
„Genau. Außerdem wäre das sehr umständlich den immer hin und her zu fahren.“
 
Jürgen:
„Einen Moment, bitte.“
 
Jürgen holt einen Edding und schreibt auf den Sauger ‚Kirby‘. Daneben malt er noch ein Herzchen.
 
Jürgen:
„Ich kaufe Kirby auch ein Handy, dann kann er mich immer anrufen, wenn ich unterwegs bin. Gibt es auch Filter, die bunt sind?“
 
Frau:
„Ähh, nein. Die sind immer weiß, man will ja den Dreck noch sehen.“
 
Jürgen:
„Stimmt, das habe ich nicht bedacht. Mein Kirby ist sehr clever, von dem kann ich noch viel lernen. Wie funktioniert der eigentlich?“
 
Frau(sachlich):
„Durch den mit Hilfe eines Gebläses in einem Staubbehälter erzeugten Unterdruck werden Schmutzteilchen von der Staubdüse angesaugt und im Staubbehälter abgeschieden.“
 
Jürgen:
„Was so ein Staubsauger alles kann! Ich habe ein Problem: Auf meiner Couch sind viele Katzenhaare, ich habe die noch nicht wegbekommen.“
 
Frau:
„Dann machen wir das schnell mal.“
 
Die Frau nimmt den Sauger und saugt die Couch. Die Katzenhaare bleiben aber auf der Couch, sie können nicht aufgesaugt werden.
 
Frau(verwundert):
„Upps, die Haare gehen nicht weg.“
 
Jürgen:
„Das ist doch toll, Kirby mag Katzenhaare, er mag Katzen. Ist toll, daß er tierlieb ist, das ist ja ein Staubsauger normalerweise nicht.“
 
Die Frau versucht vergeblich die Katzenhaare aufzusaugen. Sie schüttelt den Kopf, doch das irritiert Jürgen nicht.
 
Jürgen:
„Kann ich Kirby jetzt kaufen?“
 
Frau:
„Ja, selbstverständlich. Einen Moment, ich hole den Vertrag.“
 
Sie kramt in ihrer Tasche und holt einen Vertrag raus.
 
Jürgen:
„Was mache ich nur mit meinem alten Staubsauger? Ob sich Kirby mit ihm gut verstehen wird?“
 
Frau:
„Sie können ja ein zweiten Ersatzsauger haben. Wenn Sie mal keine neuen Filter für den Kirby geholt haben, dann können Sie ausnahmsweise Ihren alten nehmen.“
 
Jürgen:
„Wird Kirby dann nicht neidisch? Und sauer auf mich?“
 
Frau:
„Nein, das glaube ich nicht.“
 
Jürgen:
„Was ich auch toll finde ist das Geräusch von Kirby. Kann ich ihn noch mal anmachen?“
 
Die Frau nickt und Jürgen macht den Staubsauger an. Dabei hüpft und tanzt er. Danach macht er ihn aus.
 
Jürgen:
„Ein toller Sound, Kirby ersetzt auch noch mein Radio! Diese blöde Musik, die da immer läuft, das Geräusch von Kirby ist viel ausgeglichener und nicht so sprunghaft. Ich brauche gar keine CDs mehr, da spare ich auch noch Geld.“
 
Mann:
„Sie können sich eine Kassette für 79 Cent kaufen, das Geräusch aufnehmen und in Ihrer Anlage abspielen.“
 
Die Frau schaut den Mann wieder ärgerlich an und preßt ihre Lippen zusammen.
 
Jürgen:
„Aber...aber...aber um den Sound aufzunehmen muß man den ja auch besitzen. Oder kann man sich den leihen, den Staubsauger?“
 
Frau:
„Nein, natürlich nicht. Entschuldigen Sie die Kommentare meines Kollegen, aber er ist neu, wird aber wahrscheinlich bei uns nicht eingestellt.“
 
Mann(wütend):
„Weil ich es ungerecht finde den Leute über 2000 Euro abzuknöpfen für einen Staubsauger!! Was für eine Verschwendung. Das ist so wie, wenn man eine Unterhose für 500 Euro kauft.“
 
Jürgen(nachdenklich):
„Ähh, sollte man das machen? So eine Unterhose kann auch ein guter Freund sein. Vielleicht sollte ich mir das mit Kirby noch überlegen. Für 2000 Euro könnte ich mir vier Unterhosen kaufen, vier Freunde auf einen Schlag.“
 
Frau:
„Warten Sie einen Moment, ich bin gleich wieder da.“
 
Die Frau packt den Mann an dem Ärmel und zerrt ihn aus der Wohnung. Im Treppenhaus hört man, wie sie wütend dem Mann was sagt. In der Zeit sitzt Jürgen in seinem Wohnzimmer und denkt nach.
Die Frau kommt zurück.
 
Frau:
„Entschuldigen Sie, meinem Kollegen geht es nicht besonders, er mußte nach Hause gehen.“
 
Jürgen:
„Aber wer nimmt den Kirby wieder mit?“
 
Frau(verwundert):
„Ich dachte, Sie wollten den haben?“
 
Jürgen:
„Ach, ne, ich hätte gerne statt einem Freund vier Freunde. Vier Unterhosen kaufe ich mir für die 2000 Euro. Die sind auch immer bei mir, ich trage sie ja schließlich. Mit Kirby kann ich nicht ins Kino oder in den Zoo gehen.“
 
Frau(enttäuscht):
„Aber...Sie waren sich doch schon so sicher.“
 
Jürgen:
„Oder Sie geben mir zu Kirby Ihre Schuhe, Ihre Jacke und Ihre Uhr dazu. Dann habe ich auch vier neue Freunde für 2000 Euro gekauft.“
 
Frau(irritiert):
„Ähhh, okay, in Ordnung warum nicht. Dann muß ich halt kurz mit Socken zu Deichmann gehen und mir neue Schuhe kaufen. Und eine neue Jacke. Die Uhr ist erstmal nicht so wichtig.“
 
Die Frau legt den Vertrag auf den Tisch und geht ihn mit Jürgen durch. Jürgen fragt, ob er etwas Musik anmachen kann. Die Frau nickt, da macht Jürgen den Staubsauger an. Nach Vertragsabschluß verabschieden sie sich.
 
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