Es war einmal eine Witwe, die hatte zwei Töchter, davon war die eine schön und fleißig, die andere häßlich und faul. Sie hatte aber die häßliche und faule, sie hieß Charly, viel lieber, weil sie ihre rechte Tochter war und die andere, sie hieß Maruschka, mußte alle Arbeit tun und der Aschenputtel im Haus sein. Eines Tages ging die wunderschöne Maruschka wieder in den Wald um Pilze zu sammeln. Da traf sie den Bummel-Bammel-Bären, wie er mit seiner Tatze aus einem Glas Honig schleckte. Als er sie sah, da freute er sich und sprach : „Siehst du dort den großen Baum, daran ist ein kleines Schloß, das schließ mit diesem Schlüssel auf, so wirst du einen Schatz dort finden !“ Er gab ihr einen kupferfarbenen Schlüssel.
Maruschka, ganz neugierig, näherte sich dem Baum. Auf einem Ast saß ein alter schwarzer Rabe, der fragte :“ Mein Kind, was suchst du ? Etwa den Schatz ? Hast du auch den Schlüssel ? Du mußt dann nur ein Rätsel beantworten !“ Maruschka legte ihren Korb zur Seite und hörte gebannt zu. Der Rabe sprach : “Was ist das, einer schlug keinen und schlug doch zwölfe ?“ Maruschka überlegte, grübelte und sagte :“Ich habs !“ Der Rabe, hochmütig wie er war, lachte und fragte :“Einer schlug keinen, was ist das ?“ Maruschka antwortete : “Ein Rabe, der von einem toten und vergifteten Pferd fraß und davon starb !“ Verwundert über die pfiffige Antwort fragte der Rabe weiter : “Und schlug doch zwölfe, was ist das ?“ Maruschka sagte mit einem Lächeln : „Das sind zwölf Mörder, die den Raben verzehrten und daran starben !“
„NEEIN !“ schrie der Rabe und flog von dannen. Maruschka öffnete mit dem Schlüssel das Schloß, der Baum öffnete sich und darin lag – eine Gitarre ! Sofort spielte sie fröhliche Lieder, der Bummel-Bammel-Bär tanzte, es kam das Rotkäppchen, welches dazu lieblich zu singen begann und Rapunzel erschien mit ihren langen prächtigen Haaren, fein gesponnen wie Gold. Sie begleitete Maruschka mit ihrer kleinen Harfe.
Charly, die andere Tochter der Witwe bewunderte sich indes in ihrem Spiegel und sprach : „Spieglein, Spieglein an der Wand, wer ist die schönste im ganzen Land ?“ Der Spiegel antwortete : „Charly, ihr seid die schönste hier, aber Maruschka in dem Walde mit ihren Musikern ist doch noch tausendmal schöner als Ihr.“ Wütend schlug Charly gegen den Spiegel und verfluchte Maruschka. „Na wenn diese Heuschrecke heute nach Hause kommt, fertig werde ich sie machen !“
Zur selben Zeit spielten Maruschka und ihre Freunde im Walde schöne Lieder. Es kam dazu ein junger Trommler, welcher sich anschickte nach Herzenslust auf seiner Trommel zu wirbeln. Und schließlich kam noch ein kleines Männlein, das tapfere Schneiderlein. Es sprach :“ Ei, was seid ihr für lustige Gesellen ! Euch will ich lustige Kostüme schneidern, weltberühmt sollt ihr werden. Wie nennt ihr euch ?“ Maruschka hörte auf zu spielen und überlegte. Dann sagte sie : „Die Pankower Waldmusikanten“.
Die Witwe tröstete zur selben Zeit ihre Charly und sprach : „Keine Sorge, Charly, mein Engel, dafür wird Maruschka, diese blöde Zecke, büßen ! Komm mit mir, wir werden alles Glas und Porzellan in der Küche zerbrechen und auf den Boden werfen. Maruschka soll dann hinterher alles aufräumen !“ Charly war sofort wieder glücklich und rief :“ Auja, ein Mordspaß wird das machen ! Das hat sie verdient, diese blöde Kuh !“
Gleichzeitig spielten die „Pankower Waldmusikanten“ ihre Lieder. Es kam der Gevatter aus seinem Schnick-Schnack-Schuppen und sprach :“ Ihr spielt wundervolle Lieder, sie können gar Kranke heilen. Doch bitte ich euch jetzt aufzuhören, meine armen alten Ohren sind müde und überlastet. Aber nichts desto trotz will ich ein Autogramm haben. Von dir, Maruschka !“ Maruschka schrieb kunstvoll ihren Namen auf ein Stück Papier und gab es dem Gevatter. DA fiel ihr aber ein, daß sie Pilze suchen muss ! Sie fragte ihre Musikanten, ob sie ihr helfen könnten und im kürzester Zeit war ihr Korb randvoll mit Pilzen.
Währenddessen saßen die Witwe und die häßliche Charly zufrieden in der Küche. Und unter ihnen lag ein großer Scherbenhaufen. Die Witwe sprach :“ Liebe Charly, morgen kommt der Prinz Ravensbrück, er soll dich heiraten und du wirst eine Prinzessin sein !“ Charly lachte und gaggerte :“ Und die dumme Maruschka soll weiterhin den ganzen Tag über arbeiten ! Hahaha !“
Maruschka verabschiedete sich von ihrer Musikgruppe und beeilte sich nach Hause. Unterwegs traf sie ein kleines Männlein. Es sprach zu ihr :“ Hey, du bist doch die Maruschka, die von den „Pankower Waldmusikanten“ ! Darf ich bei euch mitmachen ? Ich habe mir auch schon ein Lied ausgedacht. So höre es dir an :“Heute back ich, morgen brau ich, übermorgen hol ich der Königin ihr Kind, ach, wie gut, daß niemand weiß, daß ich Rumpelstilzchen heiß !““ Maruschka versprach ihm beim nächsten mal dabeisein zu dürfen. „Aber tut mir leid, jetzt kann ich nicht. Ich muß schnellstens nach Hause, sonst bekomme ich Ärger !“
Als sie ihr Heim erreichte und die Küche betrat war sie ganz entsetzt. Die Witwe sprach : „ Aufräumen, die ganze Nacht über. Du darfst erst aufhören, wenn alles sauber ist und dir der Rücken schmerzt !“ Die häßliche Charly lachte und klatschte glücklich in die Hände. Die arme Maruschka fegte alles weg, schrubbte den Boden und warf sich dann am Ende völlig geschunden und übermüdet ins Bett. Sie dachte an die „Pankower Waldmusikanten“, schickte Gott ein Gebet und fiel in einen süßen Schlaf.
Am nächsten Tag schließlich kam Prinz Ravensbrück mit seinem Gefolge. Er stieg vom Pferd, begrüßte die Witwe und Charly. Die Witwe sprach :“ Es ist mir eine Ehre Sie, lieber Prinz, auf meinem Hofe begrüßen zu dürfen. Hier ist meine hübsche Tochter Charly, es wäre toll, wenn Sie sich mit ihr unterhalten könnten.“ Die häßliche Charly lächelte mit ihren Zahnlücken und Pickeln den Prinzen an, doch der Prinz sprach :“ Ich will mit der Musikerin aus der Musikgruppe sprechen. Seid ihr es, wehrte Charly ?“ Charly war verwundert und stotterte :“ Ähhh....ja, ich...ich bin sehr musikalisch, ich...ich spiele auf der...der Gitarre !“ „Und wie heißt eure Musikgruppe ?“ Charly stammelte : “ Ähhh....“the Charly Experience“.“ „Nein, du bist nicht die, die ich suche !“ sprach der Prinz. Die Witwe warf ein :“Aber Charly, dein Band heißt doch „the Charly Lennox Band“ ! “ Doch auch hier schüttelte der Prinz ärgerlich den Kopf. Er sagte :“Die Bands, die ihr mir nennt, die brauche ich nicht. Ich suche die...ohhh, moment, wer ist dieses Mädchen, die da an der Tür fegt ?“ Die Witwe winkte ab und sagte :“Ach, das ist unser Aschenputtel Maruschka, unsere Putzfrau, die kann nichts. Sie kann weder singen noch ein Instrument spielen. Sie ist Eurer nicht würdig !“
Der Prinz schüttelte den Kopf und erwiderte :“Ich will sie trotzdem fragen. Sie ist bildhübsch !“ Die Witwe holte mit ärgerlicher Miene Maruschka. Der Prinz fragte sie, ob sie musikalisch sei. Maruschka daraufhin :“Ja, ich spiele Gitarre. Und eine Musikband habe ich auch !“ Der Prinz hob die Augenbrauen und fragte :“ Und wie heißt die Band ?“ Maruschka sagte stolz : „Die Pankower Waldmusikanten !“
Der Prinz kniete vor ihr, küßte ihre Hand und befahl seinen Gefolgsleuten die Gitarre zu bringen. Der Prinz sagte :“Maruschka, ich habe von deiner Band gehört. Deine Gitarre fanden wir im Wald. Nimm sie und spiele uns einer deiner Lieder vor !“ Maruschka nahm glücklich die Gitarre und spielte auf ihr schöne Lieder. Die Witwe tröstete ihre Charly, die traurig zu Boden sank und weinte.
Der Prinz nahm Maruschka mit in sein Schloß, er heiratete sie und nun war sie keine Putzfrau, kein Aschenputtel mehr sondern eine Prinzessin. Und wenn sie nicht gestorben ist...